Ausgebrannt am Arbeitsplatz: Burnout

Welches Level an Stress und Erschöpfung ist im Beruf noch „normal“?
Der Begriff des Burnout-Syndroms ist in vielen anhaltenden Leistungsgesellschaft weit verbreitet – so auch in der österreichischen Arbeitswelt. Das einseitige Leben für die Arbeit kann jede Person krank machen und nachhaltig belasten. Erfahren Sie, was Sie zum Thema Burnout wissen müssen.

Definition: Burnout

Es gibt keine medizinische Diagnose. Es ist keine kategorisierte Krankheit. Es gibt keine einheitliche Definition. Was steckt also hinter dem Begriff Burnout? Das „Ausgebranntsein“ steht allgemein für alle möglichen Arten von erhöhtem Stress sowie starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung, die in Arbeitsunfähigkeit und Depression münden können. Meist geht ein Burnout mit einer Art chronischer Überforderung im Beruf und einem unerträglichen Leistungsdruck einher. Da die Fachwelt den Begriff recht umstritten sieht und vor allem der Beiname „Syndrom“ irreführend ist, da es sich nicht um eine anerkannte Krankheit handelt, wird auch oft von einer unscharfen Trennlinie zwischen Burnout und Depression gesprochen. Natürlich muss lang nicht jeder Mensch, der großem Stress am Arbeitsplatz unterliegt, gleich unter einem Burnout oder einer Depression leiden.

 

Ursachen: Wie kommt es erst zum Burnout?

Ein Burnout holt man sich nicht von heute auf morgen. Der schleichende Prozess der psychosomatischen Erschöpfung inmitten der Arbeitswelt zieht sich meist über mehrere Jahre hinweg. Um gesund am Arbeitsplatz bleiben und auch eine 12-Stunden-Woche zu überstehen, braucht es also immer genügend Achtsamkeit für den eigenen Körper und die eigene Psyche. Nicht nur der individuelle Umgang mit Stress, Druck und einer bewussten Work-Life-Balance, sondern auch situative Verstärkungen durch momentane Projekte,Bossing, Personalwechsel oder fachliche Überforderungen können facettenreiche Ursachen eines langsam entstehenden Burnouts sein. Gegensätze wie ein extremer Idealismus oder ein ermüdender Fatalismus sowie überfordernde Verantwortung oder mangelnde Einflussmöglichkeiten können alle ursächlich wirken. Auch zusätzliche Faktoren – wie Globalisierungseffekte, Automatisierungsprozesse oder eine Wirtschaftskrise können Arbeitnehmer als auch die Chefetage zusätzlich in die Verunsicherung stürzen.

 

Symptome: gestresst, erschöpft, depressiv

Dass ein Burnout – egal in welchem individuellem, sozialen und beruflichen Kontext – immer eine ernstzunehmende Problematik darstellt, zeigen die folgenden Symptome, die auf das Ausbrennen am Arbeitsplatz hindeuten:

✓ Arbeit ohne Ende
✓ Zwang, sich zu beweisen
✓ Müdigkeit, Erschöpfung
✓ Niedergeschlagenheit, Gefühl der Leere
✓ Sinnverlust, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit
✓ Verdrängung von Problemen und Bedürfnissen
✓ Konzentrationsprobleme, Nervosität, Angst
✓ Erschwerte kognitiven Fähigkeiten, Leistungsnachlass
✓ Rückzug, Vernachlässigung des Soziallebens (Hobbys, Partner, Freunde…)
✓ Psychosomatische Beschwerden: Schlafstörungen, Rücken- und Kopfschmerzen…

So zeigt sich auch bei der Diagnose von Burnout schnell die Problematik der Uneindeutigkeit: Die Symptome können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und müssen nicht immer gleich auf ein Burnout hinweisen. Viele psychische Störungen weisen mitunter eine ähnliche Symptompalette auf. So überschneiden sich die Symptome von Burnout auch schnell mit verschiedenen Arten der Depression. Auch lang vermutete aufeinanderfolgende Stadien des Burnouts, inklusive einer festen Symptomatik-Abfolge, konnten nie wissenschaftlich erwiesen werden. Um sich selbst aber zunächst ein grobes Bild über die eigene Anfälligkeit oder Betroffenheit zu machen, kann ein Burnout – Test zunächst helfen – aber Vorsicht: keine vorschnellen Diagnosen! Der Test hilft vielmehr, um darauffolgend ein mögliches Gespräch mit dem Arbeitgeber, den Angehörigen oder dem Arzt zu suchen.

 

Diese Berufsgruppen und Branchen sind besonders betroffen

Jeder Mensch in jeder Position und jeder Branche kann in den Teufelskreis der beschriebenen Symptome hereingezogen werden. Vom beruflichen „Ausbrennen“ ist lang nicht nur die Manager-Ebene betroffen. Ganz im Gegenteil: Nicht die Top-Verdiener, sondern die Positionen darunter in leitender Funktion sind besonders anfällig, da sie Druck von unten und oben aushalten müssen. Auch Selbständige mit hoher Verantwortung und ungesichertem Einkommen sowie alleinerziehende Eltern in Doppelbelastungen können anfällig für starke seelische und körperliche Belastungen durch die Arbeit sein. Aber auch manche Branchen – wie die IT – sind durch ihre Arbeitsweisen im Alleingang und möglichem Home Office ohne Zeitlimit prädestinierter als andere Berufsgruppen. Bereiche mit großen Transformationsprozessen am Arbeitsmarkt gepaart mit extremen Selbstansprüchen und hohem Arbeitsdruck bilden eine gefährliche Kombination. Ursprünglich wurde der Begriff Burnout zunächst lediglich bei sozialen Berufen verwendet, die eine helfende Funktion haben und sich für ihre Mitmenschen verausgaben.

 

Burnout Prävention im Job

Für eine funktionierende Burnout Prävention können nicht nur Unternehmen durch ein gutes Arbeitsklima, eine faire Work-Life-Balance und zuvorkommende Arbeitnehmerregelungen beitragen, sondern auch jeder individueller Mensch für sich selbst und sein Feelgood im Büro.

 

✓ Stressminimierung: Um herauszufinden, welche Strapazen Sie eventuell reduzieren können, braucht es zunächst ein Bewusstsein für zwei Arten von Stress: einerseits, den von der Arbeit auferlegten und, andererseits, den selbst aufgezwungenen. Nicht nur diese Achtsamkeit und mentale Stärke können bereits Abhilfe schaffen, sondern auch praktische Tipps für weniger Arbeitsstress, wie aktive Pausen oder eine verbesserte Arbeitsorganisation.

✓ Arbeitszeitminimierung: Das Zauberwort Work-Life-Balance ist momentan in aller Munde. Bereits das ständige Mails checken vor dem Schlafengehen, sprengt die Distanz zwischen Arbeit und Privatem. Gearbeitet wird nur auf der Arbeit! Viele Arbeitnehmer verzichten auch gerne auf einen Teil des möglichen Vollzeit-Gehalts, um Teilzeit zu arbeiten. Natürlich handelt sich dabei auch um keinen Garant, aber einen präventiven Versuch gegen Burnout.

✓ Auszeit-Maximierung: Egal, ob für Sie ein langer Urlaub oder mehrere kleine Trips die größere Erholung bringen, versuchen Sie den bestmöglichen Kompromiss zwischen Ihrer seelischen Gesundheit und den urlaubstechnischen Möglichkeiten zu finden. Immer mehr Unternehmen lassen sich auch auf lange Auszeiten, wie einem Sabbatical während der Karriere, ein.

✓ Glückmaximierung: Um Ihr Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu steigern, spielen viele Faktoren eine Rolle: die sozialen Kontakte zu Kollegen, die abwechslungsreiche Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie die tägliche Anreise zur Arbeit bilden Faktoren, die nicht außerhalb ihres Einflusses liegen und zum Glück am Arbeitsplatz beitragen können.

✓ Neues wagen: Bei langanhaltender Unzufriedenheit im Job ohne Sicht auf Besserung kann das Verharren in Gewohnheiten und dem gleichbleibenden Berufsalltag zu mehr Unmut führen. Neue Herausforderungen, Aufgaben oder gar ein Jobwechsel können für viele Menschen positive Veränderungen in Ihnen lostreten. Auch eine berufliche Auszeit am Jakobsweg ist eine außergewöhnliche Möglichkeit sich selbst zu finden und seine Ziele und Wünsche neu zu definieren.

✓ Doppelbelastungen vermeiden: Für alleinerziehende Elternteile ist eine Doppelbelastung manchmal unvermeidbar. Jedoch stürzen sich mehr Menschen als nötig in zusätzliche Belastungen durch gleichzeitige Vollzeitbeschäftigungen und Weiterbildungen. Ohne gleich Ihr Arbeitsverhältnis auflösen zu müssen, erweisen sich auch Möglichkeiten der Bildungskarenz an zunehmender Beliebtheit.

✓ LifeBalance: Nicht nur das ausgewogene Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit ist wichtig, sondern auch die gezielte Nutzung Ihrer freien Zeit. Regelmäßige Erholungspausen sind sehr essentiell und auch nach Feierabend sollte das Stärken Ihres sozialen Netzes sowie Ihrer Gesundheit durch Sport, Ernährung und Hobbies nicht zu kurz kommen.

 

Burnout – was tun?

Da die Ursachen und Symptome des Burnout divers verlaufen können, macht auch eine universelle Therapieform keinen Sinn. In abgeschwächten Formen des Burnouts kann eine bewusste Reflexion der individuellen Lebenssituation durch Entspannungstechniken, Stress-Bewältigungsstrategien und eine Veränderung der Arbeitssituation viele positive Impulse setzen. An erster Stelle muss die ausgebrannte Erschöpfung jedoch zunächst von der betroffenen Person erkannt und akzeptiert werden, was teilweise sehr lange dauern kann oder erst in psychosomatischen Krisenmomenten passiert. Um bessere Strategien für den Umgang mit Stress, Überforderung und Belastung zu finden, kann auch der Austausch mit anderen Betroffenen oder das Gespräch in Form der Psychotherapie ratsam sein. Eine konstruktive Lösungsfindung für die eigenen Probleme ist bei Depressiven in Eigenregie meist nicht mehr möglich. Dennoch können Betroffene auch nicht durch zu viel – gut gemeinten – Druck von Freunden und Familie in die professionelle Behandlung gezwungen werden.

 

Arbeitsrechtliche Aspekte

Nicht nur die Arbeitnehmer leiden an der extremen Belastung des individuell ausgeprägten Burnouts. Auch der Arbeitgeber ist auf einer marktwirtschaftlichen Ebene nicht erfreut: Leistungsabfall, lange Krankenstände oder gar die völlige Berufsunfähigkeit können Folgen des Burnout-Syndroms sein. Aber was sagt das österreichische Arbeitsrecht überhaupt dazu? Allgemein muss der Arbeitnehmer – wie bei jeder anderen Erkrankung – seine Arbeitsverhinderung durch eine ärztliche Bestätigung belegen können. Depressionen werden allgemein nicht mehr so tabuisiert wie vor vielen Jahren, sondern als ernstzunehmende Krankheit anerkannt. Der Begriff des Burnouts wird jedoch auch häufig als „Modekrankheit“ abgetan, unter dessen Label ein Bekenntnis einfacher oder gar zu schnell ablaufen kann. Nichtsdestotrotz: Sie brauchen eine Krankschreibung, müssen dem Arbeitgeber aber keine Details nennen!

 

Darüber hinaus ist der Arbeitnehmer derweil nicht verpflichtet im beruflich verursachten Krankenstand durch seine psychische bzw. psychosomatische Erkrankung für den Arbeitgeber erreichbar zu sein. Auch Entlassungsgründe stehen zunächst nur dann an, sobald der Arbeitgeber ein Fehlverhalten des Betroffenen im Krankenstand nachweisen kann – was bei individuellen Therapieformen einen besonderen Beweisdruck für den Arbeitgeber bedeutet. Will der Arbeitgeber sich jedoch während des Krankenstandes ohne Angaben von Gründen trennen, muss auch dieser eine rechtliche Vorab-Beratung in Betracht ziehen, damit die Kündigung am Ende nicht als sozialwidrig angefochten wird. Beim Wiedereinstieg in den Job werden den Betroffenen oft neue Arbeitskonditionen vom Arzt empfohlen – mehr Teamarbeit, weniger Dienstreisen, kein Home Office oder Teilzeit. Dem Arbeitgeber ist es jedoch im Regelfall freigestellt, ob er diesen nachkommen kann und will.

Bildnachweis: MAXSHOT/Quelle: istockphoto.com

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