Rechte und Pflichten bei der Teilzeitarbeit

Ihre Vor- und Nachteile der Teilzeitarbeit im rechtlichen Crashkurs auf einen Blick
Knapp ein Drittel aller Arbeitnehmer in Österreich arbeiten in Teilzeit. Während die einen Freizeit über Geld priorisieren, nutzen andere die Teilzeitarbeit, um in Karenz zu gehen oder nebenher zu studieren. Unabhängig von Ihrem Beweggrund sollten Sie Ihre Rechte und Pflichten kennen!

Was fällt alles unter den Begriff der Teilzeitarbeit?

Sobald Sie weniger als die übliche 40-Stunden Woche bzw. die durch Kollektivvertrag festgelegte wöchentliche Normalarbeitszeit fallen, sind Sie in der Teilzeit-Arbeitswelt beschäftigt. Damit fallen auch geringfügig Beschäftigte unter den Überbegriff Teilzeitarbeit – mit dem Unterschied, dass sie lediglich unfallversichert sind und nicht zusätzlich kranken- oder pensionsversichert. Auch mehrere Beschäftigungsverhältnisse auf geringfügiger oder Teilzeit-Basis können aufgenommen werden, solang die Normalarbeitszeit nicht erreicht wird. Wie viele Stunden im Endeffekt gearbeitet wird, ist reine Vereinbarungssache zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

 

Motive für eine Teilzeitbeschäftigung

Die Beweggründe für eine Teilzeitbeschäftigung sind vielschichtig: Oft stehen Betreuungspflichten für minderjährige Kinder oder ältere Verwandte hinter einer Teilzeitarbeit. Immer öfter wird Teilzeit aber auch von jüngeren Arbeitnehmern in Anspruch genommen, die mit der klassischen 40 Stunden- Woche und den 12-Stunden-Tagen nicht zufrieden sind.  Downshifting ist das Zauberwort, das Ihnen mehr Zeit für Ihr Privatleben gibt.Work Life-Balance lautet ebenfalls das Zauberwort – Arbeit und Freizeit sollen ausgeglichen nebeneinanderstehen und nicht eines zugunsten des anderen überwiegen. Ein weiteres Motiv für eine Teilzeitbeschäftigung ist auch der gleitende Übergang in die Pension durch die geförderte Altersteilzeit. Wir zeigen Ihnen ebenso, was Sie tun müssen um Karriere machen zu können.

 

Rechtliches auf einem Blick – Anspruch und Voraussetzungen

Da es keinen allgemeinen Rechtsanspruch auf Teilzeit-Beschäftigung gibt, wird diese meist vom Arbeitgeber angeboten oder mit dem Vorgesetzten ausgehandelt. In bedingten Krankheitsfällen haben Sie jedoch Anspruch auf eine Teilzeitanstellung für 1-6 Monate, in der Sie Ihren Arbeitsumfang um 25-50% reduzieren können. Die so genannte „Wiedereingliederungsteilzeit“ steht angestellten Arbeitnehmern zu, die länger als sechs Wochen in Krankenstand sind. Es muss individuell mit dem Arbeitgeber vereinbart werden und ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Vollzeit-Einstieg nach dem Krankenstand, etwa nach einem Burnout oder einer Krebserkrankung, nicht möglich ist. Damit die finanziellen Einbußen trotz reduziertem Stundenausmaß überbrückbar sind, gibt es von der Krankenkasse zusätzlich zum Gehalt ein sogenanntes Wiedereingliederungsgeld, das individuell ermittelt wird.

Das Arbeitsverhältnis wird bei jeder Teilzeit-Anstellung schriftlich festgehalten und muss die wöchentliche Stundenanzahl sowie die Lagerung dieser Stunden (Wochentage, vor-/nachmittags etc.) definieren. Das Arbeitszeitgesetz § 19d stellt für die Teilzeitarbeit einige rechtliche Voraussetzungen für Sie bereit:

 

✓ Informationspflicht bei Stellengesuch: Sie sind bereits Teilzeit beschäftigt und in Ihrem Unternehmen wird eine Stelle mit höheren Arbeitsstunden frei? Dann hat Ihr Arbeitgeber die Pflicht, Sie und alle anderen Teilzeitarbeiter durch eine allgemeine Bekanntgabe darauf aufmerksam zu machen.

✓ Gleichbehandlungsgebot: Ihr geringerer Workload gegenüber Vollzeitarbeitern darf keinerlei benachteiligende Auswirkungen auf Ihre Situation am Arbeitsplatz haben. Wichtig dabei: auch die im Kollektivvertrag festgelegte Sonderzahlungen für Vollzeitbeschäftigte stehen Ihnen zu, etwa das 13. und 14. Gehalt, Urlaubsgeld, bzw. -beihilfe sowie Weihnachtsgeld. Auch vom Betrieb freiwillig geleisteten Sonderzahlungen und -leistungen gegenüber Vollzeitbeschäftigten dürfen Teilzeitmitarbeitern nicht vorenthalten werden. In beiden Fällen wird der auszuzahlende Betrag adäquat zu den geleisteten Stunden reduziert.

✓ Kündigungs- und Entlassungsschutz: Auch in Sachen Kündigung und Entlassung stehen Ihnen analog zum Gleichbehandlungsgesetz die gleichen Rechte zu wie Vollzeitbeschäftigten. Dazu zählen das Arbeitsplatzsicherungs-, Arbeitsverfassungs- sowie das Behinderteneinstellungsgesetz und Ihre Rechte in Sachen Mutterschutz und Väterkarenz.

 

Ihr Anspruch auf Elternteilzeit

Unter den mehr als eine Million Teilzeitarbeitern in Österreich bleibt die Teilzeit weiterhin ein weibliches Phänomen. Nahezu die Hälfte aller beschäftigten Frauen arbeiteten im Jahr 2017 Teilzeit, während nur 11,9% der Männer Gebrauch davon machten. Einer der Ursachen liegt weiterhin in der Elternteilzeit begründet. Während es keinen allgemeinen Rechtsanspruch auf Teilzeit gibt, sieht dies bei Eltern mit Kindern anders aus – dabei handelt es sich um eine gesetzlich geregelte Teilzeit-Möglichkeit, die für Väter und Mütter gleichermaßen gilt. Wollen Sie also eine rechtliche Elternteilzeit in Anspruch nehmen, dann sollten Sie dies Ihrem Arbeitgeber drei Monate vor Beginn schriftlich mitteilen. Vergessen Sie bei dem Bekanntgabe keinesfalls den gewünschten Beginn und Ende der Teilzeit-Phase sowie Lage und Ausmaß der Arbeitszeit.

Gesetzlicher Anspruch auf Elternteilzeit besteht bis zum Ablauf des 7. Lebensjahres des Kindes, für Arbeitnehmer, die

✓ in einem Betrieb mit mehr als 20 Arbeitnehmern beschäftigt sind und
✓ deren Arbeitsverhältnis bereits 3 Jahre ununterbrochen gedauert hat und
✓ die mit dem Kind im gemeinsamen Haushalt leben (oder die Obsorge für das Kind haben).

Weitere Voraussetzung ist, dass der andere Elternteil nicht gleichzeitig für dasselbe Kind die Karenz im Job ansucht. Eine weitere Möglichkeit bildet die geteilte Elternkarenz, so dass Vater und Mutter beide jeweils Zeit mit Ihrem Kind verbringen können.

 

Bezahlung bei Teilzeit

Wie das Gleichbehandlungsgesetz schon angedeutet hat, dürfen Sie auch in Sachen Entlohnung keinerlei Nachteile haben: In einem Kollektivvertrag müssen Teilzeitbeschäftigte daher genau wie Vollzeitbeschäftigte aufgrund der vereinbarten Aufgaben und Kompetenzbereiche sowie allfälliger Vordienstzeiten eingestuft werden. Das Gehalt wird auf der Grundlage der vereinbarten wöchentlichen Arbeitszeit aliquot berechnet.

Wer sein Gehalt als Teilzeitkraft selbst verhandelt, sollte überlegen, wie er oder sie damit gut leben kann – und entsprechend vorbereitet in die Gehaltsverhandlung starten. Gibt es beim Gehalt keinen Spielraum, können eventuell Benefits wie eine kostenlose Jahreskarte für die Öffis oder ein finanzieller Zuschuss zur Weiterbildung das Gehaltsminus aufgrund der weniger gearbeiteten Stunden ausgleichen.

Zusätzlich haben Teilzeitbeschäftigte Anspruch auf

✓ Sonderzahlungen und Jubiläumsgelder (soweit der anzuwendende Kollektivvertrag diese auch für Vollzeitbeschäftigte vorsieht),
✓ Krankenentgelt sowie
✓ Entgelt bei sonstigen Dienstverhinderungen und Urlaub.

 

Flexible Stundenregelungen – Tipps für Teilzeitarbeiter

Einige Teilzeitmodelle basieren auch auf relativ flexiblen Stundenvereinbarungen. Oft findet sich dabei im Arbeitsvertrag eine recht geringe Arbeitsstundenanzahl, während Anpassungen je nach Auftragslage oder Bedarf angepasst werden. Was auf den ersten Blick nach einer locker angenehmen Vereinbarung klingt, kann aber auch Nachteile für Teilzeitarbeiter bereithalten. Denn: diese Art der Teilzeitbeschäftigung braucht viel finanzielle Planung, damit die schwankenden Arbeitsstunden und Einkünfte nicht zur permanenten Belastung werden. Achten Sie in Ihrem Vertrag daher zumindest auf festgesetzte Mindestarbeitsstunden pro Woche, damit Sie eine geregelte Basis haben.

Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten wird im modernen Wirtschaftsleben als übergreifendes Prinzip von der Ausnahme zur Regel. Die Unternehmen gehen zunehmend dazu über, statt komplizierter und lückenloser Arbeitszeitregelungen einige wenige Grundsätze nach dem Maßstab betrieblicher Ergebnisorientierung zu formulieren. Der Mitarbeiter genießt den weiten Rahmen einer Vertrauensarbeitszeit und unterliegt somit kaum noch zeitlichen Bewegungseinschränkungen, oft nicht einmal mehr einer Anwesenheitspflicht. Dennoch: Ihr wöchentliches Arbeitsausmaß bedarf immer der Schriftform, da es sich sonst nach Rechtsprechung lediglich um gesetzwidrige „Arbeit auf Abruf“ handelt.

 

Der richtige Umgang mit Teil-Zeiten

In Sachen Arbeitsstunden gibt es für Teilzeitarbeiter einiges zu beachten. Die wichtigsten Tipps zu Ihrer Handhabung der Arbeitszeit finden Sie hier:

✓ Umgang mit Mehr- und Überstunden: Wer in Teilzeit beschäftigt ist und länger arbeiten muss als ausgemacht, leistet Mehrstunden. Sind das insgesamt mehr als 40 Stunden pro Woche, zählen diese als Überstunden. Mehrstunden, über die Sie Ihr Arbeitgeber frühestmöglich informieren muss, sollten dabei die Ausnahme bleiben!

✓ Bezahlung der Zusatzarbeit: Es gilt grundsätzlich ein gesetzlicher Zuschlag von 25 Prozent des auf die Arbeitsstunde entfallenden normalen Entgelts. Die Mehrarbeitsstunden können aber auch durch einen Zeitausgleich aufgehoben werden. Haben Sie regelmäßig Mehrstunden geleistet, muss das übrigens auch bei Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld berücksichtigt werden – außer es wurde für die Mehrarbeit Zeitausgleich vereinbart.

✓ Nein-Sagen zu Mehrstunden: Teilzeitbeschäftigte müssen nur dann Mehrarbeit leisten, wenn dieser keine wichtigen Gründe entgegenstehen, etwa Kinderbetreuungspflichten oder ein Arzttermin. Bei Elternteilzeit sind Mehrstunden überhaupt nicht verpflichtend.

✓ Aufstocken der Teilzeit: Sprechen Sie mit Ihrem Betriebsrat, sobald Sie mehr Stunden arbeiten wollen. Sollte in Ihrem Unternehmen eine Stelle mit höherem Arbeitszeitausmaß frei werden, hat Ihr Arbeitgeber Sie zu informieren.

✓ Arbeitszeit verringern: Egal ob Sie Ihre Arbeitszeiten erhöhen oder reduzieren, Sie müssen die Änderungen der Arbeitszeiten in Vereinbarung mit der Chefetage schriftlich festhalten.

✓ Gleitzeit: Die Flexibilisierungsmodelle sind während der letzten 30 Jahre immer vielfältiger geworden. Gleitzeitregelungen sind heute weit verbreitet und werden häufig mit Teilzeitmodellen kombiniert. Definiert ist eine Kernzeit, zu der ein Arbeitnehmer anwesend sein muss, z.B. von 10 bis 14 Uhr, sowie eine feste Bandbreite der täglich möglichen Arbeitszeit, z.B. von 6 bis 20 Uhr.

✓ Arbeitszeitkonten: Noch offener wird die individuelle Arbeitszeitgestaltung durch die Einrichtung von Arbeitszeitkonten. So wird in einem Jahresarbeitskonto mit dem Arbeitgeber eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden pro Jahr festgelegt. Wer am Anfang viel arbeitet, spart sich somit mehr Freizeit an. Langzeit- oder sogar Lebensarbeitskonten ermöglichen auch den schnellen Umstieg von Teilzeit- auf Vollzeitbeschäftigung und umgekehrt. Auch eine mehrmonatige Freistellungsphase, ein Sabbatical während der Karriere, wird planbar.

 

Urlaub und Feiertage in der Teilzeit

Als Teilzeitarbeiter haben Sie relational den gleichen Anspruch auf Urlaub wie jeder Vollzeitbeschäftigter, weshalb auch Sie auf eine kollegiale Urlaubsplanung im Büro achten sollten. Analog zur Gehaltsberechnung wird Ihr Urlaubsanspruch in Proportion zum Ausmaß Ihrer Beschäftigung berechnet. Ganz nach dem klassischen Ausfallprinzip haben Sie auch in Teilzeit ein Recht auf arbeitsfreie gesetzliche Feiertage. Sollte also ein Feiertag genau auf Ihren Arbeitseinsatz fallen, dann muss dieser nicht eingearbeitet werden. Wichtig ist hier im Streitfall nun wieder, dass Sie zuvor Ihre Arbeitszeiten und die Lagerung dieser schriftlich festgehalten haben!

 

Zu zweit in die Vollzeitbeschäftigung: Job-Sharing

Eine weitere Art der etablierten Teilzeitarbeit ist das Job-Sharing. Zwei Arbeitnehmer teilen sich eine volle Arbeitsstelle und somit auch Verdienst, Sozialleistungen und Urlaubsanspruch. Bei der Verteilung der Arbeitszeit muss der Arbeitgeber die Absprache der beiden Job-Sharer akzeptieren und darf nur als Schlichtungsinstanz wirken. Für jeden Vertretungsfall muss eine neue Vereinbarung getroffen werden. Eine allgemeine Vertretungspflicht besteht nur in Ausnahmefällen.

 

Nichts Halbes und nichts Ganzes: Die 4-Tage-Woche bei Volkswagen

Die klassische Teilzeitstelle ist die Halbtagsstelle, mit einer Wochenarbeitszeit von etwa 20 Stunden. Doch die Neigung der Erwerbspersonen geht in den letzten Jahren dahin, eine längere Teilzeitarbeit von 70 bis 80 Prozent der Vollzeit (ca. 25 bis 30 Stunden) gegenüber einer schematischen Halbierung zu bevorzugen. Oftmals ist dieses Modell noch zu statisch. Nicht umsonst hat zum Beispiel der Volkswagen-Konzern seine 4-Tage-Woche zur prestigeträchtigen Volkswagen-Woche ausgebaut: In auftragsstarken Zeiten wird mehr gearbeitet, im Jahresdurchschnitt müssen insgesamt lediglich 28,8 Wochenarbeitsstunden zusammenkommen.

Bildnachweis: AndreyPopov/Quelle: www.istockphoto.com

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