16.10.2024
Lesedauer: 13 Min.

Beatrix Mittermann

Recruiting

Was genau versteht man unter Recruiting und welche Instrumente stehen Unternehmen dafür zur Verfügung? Wir stellen die Maßnahmen des internen und externen Recruitings vor und geben 7 Tipps fürs Recruiting, mit denen Sie 2023 bei Bewerber*innen punkten.

Definition: Was versteht man unter Recruiting?

Recruiting umfasst den Prozess der Personalbeschaffung von der Identifikation über die Anwerbung bis zur Auswahl von qualifizierten Kandidat*innen für eine Position oder Rolle. Fähigkeiten, Qualifikationen und auch der Cultural Fit von Bewerber*innen müssen berücksichtigt werden.

Recruiting wird auf Deutsch als „Personalbeschaffung“ oder „Rekrutierung“ übersetzt, wobei der Begriff Rekrutierung vor allem im militärischen Kontext verwendet wird. Auf Englisch gibt es zudem den Begriff „Recruitment“, dieser wird oft für den gesamten Ablauf der Personalbeschaffung verwendet, „Recruiting“ dagegen vor allem für das Anwerben.

In der Personalbeschaffung setzen Unternehmen heutzutage vor allem auf auf e-Recruiting bzw. digitales Recruiting, aktuell noch selten unterstützt durch KI und Automatisierungsprozesse. Die digitalen Prozesse bieten auch für die Bewerber*innen viele Vorteile, wie einfachere Nutzbarkeit und kürzere Antwortzeiten als bei klassischen analogen Prozessen.

Aktuelle Herausforderungen und Veränderungen im Recruiting

Die aktuell volatile wirtschaftliche Lage sowie der Fachkräftemangel sind zwei der wichtigsten Faktoren, warum die Herausforderungen im Recruiting zunehmen. Auch steigen die Ansprüche der Bewerber*innen, flexiblere Arbeitszeitmodelle und individuelle Benefits werden immer mehr zum Standard. Um neue Bewerbergruppen anzusprechen und vielfältigere Teams zu schaffen, müssen über attraktive Jobangebote hinaus auch Aspekte wie Diversity und Inklusion bedacht werden – auf diese Aspekte gehen wir natürlich auch in unserem Überblick zu den aktuellen Recruiting Trends ein.

Wie die Stepstone Recruiter Studie 2023 zeigt, bei der mehr als 250 Recruiter*innen zu den wichtigsten Themen rund um Recruiting und Arbeitsmarkt befragt wurden, schätzen die Recruiter*innen in Österreich folgende Herausforderungen aktuell als die größten ein:

Und welche Antworten finden sie auf diese Herausforderungen? Flexible Arbeitsmöglichkeiten und sinnstiftende Aufgaben werden als zentrale Hebel genannt, um Top-Talente zu überzeugen – noch vor einem attraktiven Gehalt. Diese drei Faktoren werden am häufigsten als Gamechanger im modernen Recruiting genannt. Außerdem ist Gehaltstransparenz für Bewerber*innen heutzutage ein wichtiger Attraktivitätsfaktor, was bedeutet, dass jene Unternehmen punkten, die in ihren Stellenanzeigen attraktive, realistische Gehaltsspannen angeben.

Modernes Recruiting bedeutet in erster Linie digitales Recruiting. Hier zeigt die Stepstone Recruiter Studie, dass es bei digitalen Stellenanzeigen und Online-Bewerbungen zwar klare Fortschritte gibt, andere Bereiche jedoch hinterherhinken. Dazu gehören etwa die Nutzung von Bewerberdatenbanken, optimierte Karriereseiten sowie der Einsatz von KI wie etwa ChatGPT. Gerade bei der Nutzung von KI gibt es noch viel Luft nach oben, denn bei 87 Prozent der befragten Unternehmen spielt künstliche Intelligenz im Recruiting (noch) keine Rolle, nur rund jede*r zehnte Befragte nutzt Tools wie ChatGPT und Co. zur Optimierung von Stellenanzeigen. Eine Weiterentwicklung und Erleichterung des klassischen Recruitings lässt hier also noch auf sich warten.

Der Recruiting-Prozess

Recruiting umfasst mehrere Phasen. Oft ist von den fünf Phasen des Recruiting-Prozesses die Rede, rechnet man die Vorarbeit (die Definition der Anforderungen) und die Eingliederung des*der Bewerbers*in in das Unternehmen dazu, sind es insgesamt sieben Phasen:

1. Definition der Anforderungen

Im ersten Schritt des Recruiting-Prozesses gilt es, sich genau zu überlegen, welche Qualifikationen und Erfahrungen die Person mitbringen soll, damit diese ideal zur ausgeschriebenen Stelle passt. Außerdem braucht es eine genaue Definition der zu besetzenden Stelle inkl. aller Aufgaben. Gibt es schon vorliegende ähnliche Stellenbeschreibungen, können diese als Basis hergenommen werden.

2. Erstellen der Stellenanzeige

Die Stellenanzeige stellt in den meisten Fällen den ersten Kontaktpunkt zwischen Bewerber*innen und dem Unternehmen dar. In der Regel screenen Kandidat*innen Stellenanzeigen innerhalb weniger Sekunden. Die perfekte Stellenanzeige beinhaltet die folgenden vier Elemente: einen aussagekräftigen Jobtitel, eine überzeugende Unternehmensbeschreibung, die Aufgabenbeschreibung inklusive Anforderungsprofil sowie zu guter Letzt das Angebot (Gehalt, Corporate Benefits, etc). In unserer Stellenanzeige Vorlage haben wir 10 Tipps für eine erfolgreiche Stellenanzeige für Sie zusammengestellt.

3. Veröffentlichung der Stellenanzeige

Geeignete Kanäle für die Veröffentlichung sind einerseits die Karriereseite des Unternehmens, bzw. stark frequentierte Jobbörsen wie stepstone.at, wo sich viele potenzielle Bewerber*innen tummeln. Wie die Stepstone Recruiter Studie 2023 zeigt, nutzen 95 Prozent der befragten Recruiter*innen Online-Jobportale für die Mitarbeitersuche.

4. Sichtung der Bewerbungen und Vorauswahl

Im nächsten Schritt wird eine Vorauswahl jener Kandidat*innen getroffen, die in die nächste Runde des Bewerbungsprozesses kommen. Welche Bewerber*innen wirken vielversprechend? Wen möchten Sie im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs näher kennenlernen, um sich ein genaues Bild von der Person zu machen?

5. Bewerbungsgespräche oder andere Methoden der Personalauswahl

Wenn die Vorauswahl getroffen ist, dann stehen in der Regel Bewerbungsgespräche an, um die vielversprechendsten Kandidat*innen persönlich kennenzulernen. Das kann im Rahmen eines klassischen Bewerbungsgespräches vor Ort geschehen bzw. auch in einem Online-Bewerbungsgespräch. Je nach Unternehmensgröße und Vorlieben können auch Tests und Probeaufgaben etwa im Rahmen eines Assessment Centers oder eines Probetags zur Bewerberauswahl gehören.

6. Personalentscheidung

Welche*r Bewerber*in passt am besten zum Unternehmen, zur Unternehmenskultur, zum Team und bringt auch die passenden Qualifikationen für die Stelle mit? Diese Person erhält dann ein Jobangebot, das Gehalt wird verhandelt und ein Arbeitsvertrag wird aufgesetzt. Doch damit ist der Recruiting-Prozess noch nicht abgeschlossen. Denken Sie auch daran, verlässlich Absagen auf Bewerbungen zu versenden. Das ist auch als wichtiger Teil der Imagepflege im Rahmen des Employer Brandings zu sehen.

7. Onboarding-Prozess

Beim Onboarding geht es darum, die neuen Mitarbeiter*innen schnell und gut ins Unternehmen zu integrieren. Dazu zählt einerseits eine fachliche Einschulung, aber auch die soziale Integration ins Team. Ziel des Onboarding-Prozesses ist es, dass neue Arbeitnehmer*innen sich im Unternehmen von Beginn an wohlfühlen und alle Informationen erhalten, die sie benötigen, um ihre Aufgaben bestmöglich zu erledigen.

Internes Recruiting

Definition: Internes Recruiting

Suchen Unternehmen zur Besetzung einer offenen Position innerhalb des Unternehmens nach geeigneten Personen, spricht man von internem Recruiting. Dabei stehen unterschiedliche Instrumente zur Verfügung.

Instrumente des internen Recruitings

Externes Recruiting

Definition: Externes Recruiting

Beim externen Recruiting geht es darum, außerhalb des Unternehmens nach neuen Mitarbeiter*innen zu suchen. Auch hierfür steht eine Reihe an unterschiedlichen Instrumenten zur Verfügung:

Instrumente des externen Recruitings

Aktive Recruiting-Maßnahmen:

Passive Recruiting-Maßnahmen:

Recruiting Tipps – so geht Recruiting heute


Autor: Beatrix Mittermann / Sabine Schönfellner
Bildnachweis: istockphoto / filadendron