Vertrauliche Bewerbung

Wie schreibe ich eine Bewerbung, wenn ich noch in einem Arbeitsverhältnis bin?
Ein Jobwechsel aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis heraus ist keine Seltenheit. Viele Bewerber mit Berufserfahrung bevorzugen einen nahtlosen Übergang und bewerben sich daher bei potentiellen Arbeitgebern, während Sie parallel in einem anderen Unternehmen beschäftigt sind.

Risiken eines fliegenden Jobwechsels und gesetzliche Grundlage

Die Entscheidung, einen Job zu verlassen ist nicht immer einfach. Ist es jedoch entschieden, gilt es, Diskretion zu bewahren. Die schlechte Nachricht zuerst: Für vertrauliche Bewerbungen gibt es leider keine dezidierte gesetzliche Grundlage. In der Praxis ist dies jedoch oft nicht sehr schlimm. Personaler sind es gewohnt, die ihnen anvertrauten Unterlagen diskret zu behandeln. Doch das Risiko des fliegenden Jobwechsels besteht. Bekommt der eigene Arbeitgeber Wind davon, gilt man als illoyal. Wenn aus dem neuen Job dann nichts wird, kann das für die Karriere im bisherigen Unternehmen negative Auswirkungen haben. Damit es gar nicht erst so weit kommt, haben wir Ihnen Tipps für eine vertrauliche Bewerbung inklusive Formulierungsbeispielen zusammengestellt:

 

Tipps und Formulierungsbeispiele für eine vertrauliche Bewerbung

Tipp 1: Versehen Sie die vertrauliche Bewerbung mit einem Sperrvermerk

Sperrvermerke kennt man normalerweise aus Pressemitteilungen oder vertraulichen E-Mails, aber auch in Bewerbungen kann man auf diesen Zusatz verweisen. Wir empfehlen den Sperrvermerk bereits in den Betreff zu packen – so erkennt der Personaler schon vor dem Lesen, dass es sich um eine diskrete Bewerbung handelt.

 

„Bitte vertraulich behandeln – Meine Bewerbung als …“

„Vertraulich: Meine Bewerbung um …“

„Meine vertrauliche Bewerbung um die Stelle als …“

„Mit der Bitte um vertraulicher Handhabung – Meine Bewerbung als …“

 

Alternativ kann der Sperrvermerk aber auch in den Schlusssatz eingefügt werden, am besten hier aber in fetter Schrift, damit er nicht übersehen wird.

 

 „Bitte behandeln Sie meine Bewerbung vertraulich.“

„Aufgrund meiner ungekündigten Arbeitsstelle, wäre mir an einem vertraulichen Bewerbungsverfahren sehr gelegen.“

„Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich meinen jetzigen Arbeitgeber, aufgrund der vertraulichen Behandlung meiner Bewerbung noch nicht nennen möchte.“

„Ich bitte Sie darum, meine Bewerbung vertraulich zu behandeln.“

 

Tipp 2: Nutzen Sie ausschließlich private Kontaktdaten

Dass man als Kontaktinformationen in einer Bewerbung ausschließlich auf das private Telefon und die private E-Mail-Adresse zurückgreift, ist logisch. Wichtig ist auch, die Kontakt-Zeiten zu definieren. So können Sie zum Beispiel am Ende der Bewerbung folgenden Satz verwenden:

 

„Bitte rufen Sie mich morgens bis 09:30 oder abends ab 18 Uhr unter der oben angegebenen Nummer zurück.“

„Gerne bin ich morgens bis 09:30 Uhr sowie abends ab 18:00 Uhr unter der folgenden Nummer … für Sie erreichbar.“

„Für Rückfragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung. Sie erreichen mich am besten per E-Mail sowie auch telefonisch morgens vor 9:30 Uhr oder abends nach 18:00 Uhr.“

„Ich bitte Sie, meine momentanen Arbeitszeiten bei der Kontaktaufnahme zu berücksichtigen. Erreichbar bin ich für Sie von … bis …“

„Aufgrund meiner ungekündigten Arbeitsstelle bin ich zu den folgenden Zeiten gut erreichbar: …“

 

Tipp 3: Entfernen Sie den Namen Ihres Arbeitgebers

Sollte die Branche, in der Sie beschäftigt sind, sehr klein und übersichtlich sein, kann auch eine anonymisierte Bewerbung ratsam sein – jedenfalls besser, als zu lügen. In diesem Fall entfernen Sie alle Hinweise auf den Namen Ihres aktuellen Arbeitgebers aus Ihren Bewerbungsunterlagen. Stattdessen sind Sie in der Position XX beim Unternehmen YY oder umschreiben Ihren aktuellen Arbeitgeber. Hier einige Beispiele zur Umschreibung des aktuellen Unternehmens:

 

„Momentan bin ich in einem großen Unternehmen der IT-Branche tätig.“

„Derzeit arbeite ich in einem inhabergeführten Unternehmen im Bausektor.“

„Aktuell leite ich den innovativen Marketingbereich einer Handelsfirma.“

„Zu meinen momentanen Aufgaben in einem multinationalen Konzern zählen …“

 

Weitere Tipps zur vertraulichen Bewerbung finden Sie in unserem Artikel über 12 Tipps zur diskreten Jobsuche.

 

Bewerbungstipps während eines aufrechten Arbeitsverhältnisses

Wenn Sie eine vertrauliche Bewerbung aussenden, sollten Sie Ihre Unterlagen dementsprechend anpassen.

Im Lebenslauf können Sie – wie in Tipp 3 bereits erwähnt – bei Bedarf den Namen Ihres aktuellen Arbeitgebers entfernen. Weitere Tipps zum Verfassen und Optimieren Ihres Lebenslaufes finden Sie in unseren Artikeln über den perfekte Lebenslauf und Inhalte und Informationen im Lebenslauf.

Auch in Ihrem vertraulichen Anschreiben muss der Name des momentanen Arbeitgebers nicht zwangsläufig erwähnt werden. Wir verraten Ihnen alles, was Sie bezüglich eines perfekten Anschreibens beachten sollten. Ergänzen Sie dieses durch die gewünschten Formulierungen zur vertraulichen Bewerbung aus den Tipps 1 bis 3.

Der nächste Schritt des Bewerbungsprozesses stellt dann das Bewerbungsgespräch dar. Hier kann Ihnen eine gute Vorbereitung dabei helfen, besser mit Nervosität umzugehen und einen professionellen Eindruck zu hinterlassen. Tipps hierzu finden Sie in unserem Artikel über das perfekte Vorstellungsgespräch. Ergänzend können Sie sich auch über die Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch sowie die verschiedenen Interviewpartner im Bewerbungsgespräch informieren. Oft kommen im Zuge des Gesprächs sehr ähnliche Themen zur Sprache. Genau aus diesem Grund haben wir die häufigsten Fragen für Sie zusammengefasst, sowie auch unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch und wie man damit umgeht.

Unser Tipp: Überlegen Sie sich vorab, wie Sie auf die Frage nach Ihren Stärken und Schwächen antworten möchten. Ebenso sollten Sie sich Ihre Hard Skills und Soft Skills zurechtlegen, denn auch danach wird häufig gefragt. Außerdem empfiehlt es sich, sich mit den Fragestellungen Warum sollten wir Sie einstellen? und Erzählen Sie etwas über sich! auseinanderzusetzen.

Beachten Sie außerdem: Wer einen Sperrvermerk in seine Bewerbungsunterlagen aufnimmt, muss damit rechnen, im Gespräch darauf angesprochen zu werden. Wenn Sie also danach gefragt werden, weshalb Sie Ihren Job wechseln wollen, sollten Sie sich diplomatisch verhalten.

Das oberste Gebot: Nicht schlecht über den alten Job sprechen.

Achten Sie darauf, wie Sie Ihre Entscheidung begründen und vor allem auch, wie Sie dies formulieren.

Sprechen Sie also keinesfalls (persönliche) Schwierigkeiten mit dem Chef oder dem Team an.

✓ Stattdessen können Sie beispielsweise erwähnen, dass Sie nach einer neuen beruflichen Herausforderung suchen, einer beruflichen Veränderung oder Weiterentwicklung.

Also anstatt zu erwähnen, was in Ihrem letzten Job alles schiefgelaufen ist oder weshalb Sie dort nicht die Möglichkeit haben, das zu tun, was Sie gerne tun würden, konzentrieren Sie sich lieber auf die neue Stelle. Gehen Sie auf einzelne Punkte der Aufgabenliste ein und erläutern Sie, weshalb Sie das gerne machen möchten, weshalb Sie dafür geeignet sind und begründen Sie darauf aufbauend Ihre Motivation für den Stellenwechsel. Zudem haben wir Ihnen in einem Artikel weitere Tipps zum Umgang mit der Frage Warum wollen Sie den Job wechseln? zusammengefasst.

 

Verhalten während des Bewerbungsprozesses – woran Sie denken sollten

Ist die Bewerbung trotz bestehendem Arbeitsverhältnis versendet, ist es wichtig, im „alten“ Job einen kühlen Kopf zu bewahren. Damit ihr aktueller Arbeitgeber nicht Wind davon bekommt, dass Sie sich nach neuen Jobmöglichkeiten umgesehen haben, sollten Sie Ihre Gewohnheiten so weit als möglich beibehalten.

Arbeiten Sie beispielsweise in Jeans, wäre es auffällig, wenn Sie plötzlich – ohne Grund – im Anzug zur Arbeit kommen.

Versuchen Sie, genügend Zeitpuffer zum Umziehen einzuplanen, wenn Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Dehnen Sie nicht unnötig Mittagspausen dafür aus oder beginnen gar, geheime Telefonate in der Firma zu führen, bei denen – ganz nebenbei bemerkt – auch die Gefahr bestehen könnte, von Kollegen oder gar dem Chef gehört zu werden.

Achten Sie außerdem darauf, kein Firmenhandy oder den Firmenlaptop für Ihre Bewerbung zu verwenden. Greifen Sie hier immer auf private Geräte zurück.

Auch Notizen, die Sie sich bei etwaigen Telefonaten machen, sollten Sie nicht auf Ihrem Arbeitsplatz liegen lassen. Ist es dann so weit, dass Sie eine Zusage vom neuen Unternehmen haben, gilt es zu überlegen, wann Sie die alte Stelle kündigen.

Unser Tipp: Kündigen Sie erst dann, wenn Sie den Arbeitsvertrag in der neuen Firma unterzeichnet haben. Es ist besser, sich nicht auf mündliche Zusagen zu verlassen. Sollte aus dem neuen Job nämlich doch im letzten Moment nichts werden, stehen Sie womöglich ganz ohne Arbeit da. Und bei einer Kündigung durch den Arbeitnehmer haben Sie im ersten Anspruch nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Somit sollten Sie für den fliegenden Wechsel zwischen zwei Arbeitgebern ausreichend vorbereitet sein. Die passenden Jobangebote dafür finden Sie auf StepStone. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Jobwechsel!

Bildnachweis: swissmediavision/Quelle: www.istockphoto.com

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