Warum wollen Sie den Job wechseln?

Gute Gründe und No-Gos
Stillstand ist der Tod: Was in Wirtschaft, Technologie und generell im Leben gilt, ist auch in der eigenen Berufskarriere nicht anders.

Vorbei sind die Zeiten der lebenslangen Festanstellung, Jobwechsel sind immer häufiger an der Tagesordnung. Und doch bringt die Frage nach den eigenen Jobwechseln Bewerber immer wieder ins Schwitzen. Wie Sie Ihre Jobwechsel gekonnt begründen und was Sie auf gar keinen Fall sagen sollten, zeigen wir Ihnen hier.

 

Motivation für einen Jobwechsel

„Warum möchten Sie den Job wechseln?“ Spätestens im Bewerbungsgespräch sollten Bewerber auf diese Frage eine gute Antwort haben. „Wechselmotivation“ nennen das die Personaler in der Fachsprache, und hinter ihr stecken immer persönliche Ziele. Wer diese möglichst positiv formuliert und im Bewerbungsgespräch vielleicht sogar mit dem ausgeschriebenen Job verknüpfen kann, punktet bei Personalern. Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Was reizt Sie am Neuen, worauf freuen Sie sich besonders? Was verbinden Sie mit dem Wechsel des Arbeitgebers?

Negativ fällt hingegen auf, wer sich schlecht über seinen aktuellen oder vergangenen Arbeitgeber äußert – das so genannte „Nachtreten“ wirkt im Bewerbungsgespräch unprofessionell und lässt auch den Bewerber in einem schlechten Licht dastehen. Warum Sie es beim alten Arbeitgeber nicht mehr ausgehalten haben oder welche Probleme Ihren Jobwechsel angestoßen haben, ist nicht Teil Ihrer Zukunftsstrategie – und daher in der Bewerbung irrelevant.

 

Gute Gründe für einen Jobwechsel

Gute Gründe für einen Jobwechsel sind unter anderem:

✓„Ich möchte mich fachlich weiterentwickeln“: In manchen Jobs ist irgendwann das Limit erreicht, an dem man nichts Neues mehr lernt. Um Ihren eigenen beruflichen Bereich auszubauen und sich zusätzliche fachliche Qualifikationen anzueignen, kann ein neuer Job genau das Richtige sein. Wichtig ist, anzugeben, was genau Sie sich von diesem nächsten Karriereschritt erwarten – und wie der ausgeschriebene Job dazu passt.

✓„Ich möchte eine neue Branche kennenlernen“: Manchmal reicht nicht ein bloßer Jobwechsel, es muss eine neue Branche sein. Idealerweise haben Sie bereits Vorerfahrung mitgebracht, ob aus dem privaten oder dem beruflichen Umfeld – und können punktgenau darlegen, welche Ihrer Kompetenzen sind auf die neue Branche übertragbar sind.

✓„Ich möchte eine andere Arbeitsumgebung kennenlernen“: Sie wollen von einem Kleinunternehmen zu einem großen Betrieb wechseln? Oder haben Lust, sich in einem Start-Up auszuprobieren? Egal, ob es um neue Hierarchieformen, andere Kollegen oder eine frische Unternehmenskultur geht: Erklären Sie, warum Sie dafür genau dieses Unternehmen ausgesucht haben – und wie Sie sich persönlich darin einfügen würden.

✓„Ich möchte verstärkt international tätig werden“: Die Nase über den Tellerrand stecken, neue Länder kennenlernen oder eine internationale Karriere aufbauen: Erläutern Sie, was genau Sie am Arbeiten im Ausland interessiert, und welche Qualifikationen Sie dafür mitbringen.

✓„Ich habe Lust auf neue Herausforderungen“: Auch wenn es wie ein Klischee klingt, kann doch ein Körnchen Wahrheit hinter dieser Aussage stecken. Vielleicht haben Sie Lust auf neue Aufgaben, die Sie noch nie gemacht haben, auf größere Projekte oder sogar eine leitende Funktion? Geben Sie konkrete Beispiele dafür, warum Ihre persönlichen Erfahrungen, spezielle Kenntnissen und auch Stärken sowohl zum neuen Job als auch in die neue Firma passen. Benennen Sie die Herausforderungen konkret, dann kann Ihr Gegenüber auch genauer einschätzen, ob Sie diese im ausgeschriebenen Job finden können.

✓„Ich möchte mich aus familiären Gründen verändern“: Ein 60-Stunden-Job lässt sich nicht leicht mit einem Neugeborenen vereinbaren. Auch wenn ein Partner in eine neue Stadt zieht, kann das ein guter Grund für einen Jobwechsel sein. Diese Wechselmotivation sollte so offen wie möglich kommuniziert werden – schließlich sollte sich der Arbeitgeber auf die privaten Umstände seines neuen Mitarbeiters einstellen können.

Wollen Sie Ihren Job wechseln, weil Sie von der Chefetage gemobbt? Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Bossing umgehen können und vielleicht doch noch bei Ihrem alten Job bleiben wollen.

 

Das sollten Sie nach einem Jobwechsel nicht sagen

Eine unbedachte Bemerkung kann jedes noch so erfolgreiche Bewerbungsgespräch ruinieren. Grundsätzlich gilt: Personalverantwortliche suchen nach Kandidaten, die die Aufgaben der ausgeschriebenen Stelle bereits in der Vergangenheit zur Zufriedenheit ihres Arbeitgebers erfüllt haben – und glaubhaft machen können, dass sie dies auch bei einer neuen Firma tun werden.

Folgende Begründungen für einen Jobwechsel sind daher ein klares No-Go:

✓„Ich möchte mehr Gehalt“: Mit einem Jobwechsel kann mehr Gehalt verbunden sein – das ist aber nicht zwingend. Wer als einzigen Grund für einen Jobwechsel ein höheres Gehalt angibt, ist bei Personalern ganz schnell unten durch – schließlich suchen sie nach jemandem, der mit Leidenschaft bei der Sache ist und nicht auf der Jagd nach dem schnöden Mammon.

✓„Meine alte Stelle hat mich gelangweilt“: In jedem Job gibt es mal gute, mal schlechte Tage. Nicht alle Aufgaben sind zwingend spannend – es kommt darauf an, was man daraus macht. Wer einen neuen Job nur deswegen sucht, um der Langeweile zu entkommen, ist im neuen Job vielleicht ebenso schnell unzufrieden – das sieht niemand mit Personalverantwortung gerne.

✓„In meinem alten Job musste ich zu viele Überstunden machen“: Wenn Ihnen eine ausgewogene Work Life-Balance im Gegensatz zu Überstunden wichtiger ist, sollten Sie das im Gespräch positiv formulieren – ansonsten kommt der Eindruck auf, Sie lassen Punkt 17h den Stift fallen und sind auch für Abendtermine niemals einsatzbereit. Klären Sie Arbeitszeiten daher mit dem Verweis auf Ihr Privatleben ab und legen Sie ein gewisses Maß an Flexibilität an den Tag – für das Sie im Gegenzug natürlich ein Entgegenkommen Ihres potentiell neuen Arbeitgebers erwarten können.

✓„Ich wollte schon immer für eine renommierte Firma arbeiten“: Big Names sind im Lebenslauf natürlich etwas Schönes. Wer aber nur wegen dem Markennamen ins Unternehmen einsteigt, erlebt mitunter eine herbe Enttäuschung – wenn die Tätigkeit so überhaupt nicht zu den eigenen Interessen passt. Besser: Das Tätigkeitsprofil genau auf Übereinstimmung mit der eigenen Person überprüfen – und im Zweifelsfall lieber für eine Stelle bewerben, die langfristig mit den eigenen Qualifikationen übereinstimmt.

✓„Ich möchte Verantwortung abgeben“: Von einer Leitungsfunktion zurückzutreten, sorgt leider immer noch für hochgezogene Augenbrauen. Um zu verhindern, dass der Jobwechsel als Rückschritt wahrgenommen wird, sollten Sie konkrete Gründe für Ihren Wunsch nach weniger Verantwortung angeben können – etwa, weil Sie sich wieder stärker in der Umsetzung von Projekten einbringen wollen, statt nur organisatorisch tätig zu sein.

 

Jobwechsel im Bewerbungsschreiben

Im Bewerbungsschreiben sollte die Wechselmotivation immer proaktiv und nach vorne gerichtet kommuniziert werden. Personaler wollen keine langen Rechtfertigungen lesen, sondern Gründe, warum Sie sich gerade für diese Stelle entschieden haben – und welche Fertigkeiten und Kompetenzen Sie dafür mitbringen. Lenken Sie den Blick von der Vergangenheit auf die Zukunft – und formulieren Sie so genannte „Hin zu“-Ziele, anstatt sich lange mit dem „Weg von“-Argument aufzuhalten. Verschicken Sie sogar eine vertrauliche Bewerbung? Wir zeigen Ihnen, mit welchen Formulierungen Sie richtig liegen.

Mit folgenden Sätzen argumentieren Sie Ihre Wechselmotivation im Bewerbungsschreiben:

✓„Diese Stelle ermöglicht mir den Einsatz meiner Kernkompetenzen. Sowohl Aufgaben als auch fachliche Schwerpunkte Ihrer Ausschreibung stellen genau jene Herausforderung dar, die ich schon seit einiger Zeit suche.“

✓„Ich bin seit vielen Jahren im Bereich XY tätig und konnte in meinem Bereich bereits große Erfolge erzielen. Gerne würde ich mein berufliche Wissen nun innerhalb Ihrer Branche gewinnbringend für Ihr Unternehmen einsetzen.“

✓„Zusammenhalt, Teamspirit und die gemeinsame Arbeit am Projekt sind mir wichtig. Ich habe den Eindruck, dass diese Werte in Ihrem Unternehmen gelebt werden, und würde mich daher freuen, Ihr Team zu verstärken.“

✓„Gerade für den Bereich XY verspreche ich mir von einem Wechsel zu Ihrem Unternehmen hervorragende Perspektiven und Entwicklungschancen.“

✓„Bereits seit einiger Zeit habe ich mein berufliches Interesse an Ihrer Branche intensiviert und im Rahmen von Projekt XY bereits erste Erfolge erzielt.“

✓„Die ausgeschriebene Stelle wäre für mich die perfekte Gelegenheit, meine bisherigen Erfahrungen und Fertigkeiten im Bereich XY in einer neuen Branche zum Einsatz zu bringen.“

✓„Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in einem klassischen Familienbetrieb würde ich meine Fähigkeiten und Kenntnisse gerne für das weitere Wachstum eines Start-Ups wie dem Ihren einsetzen.“

✓„Ausgestattet mit ausgeprägten Fremdsprachenkenntnissen würde ich Ihren Unternehmenserfolg gerne international vorantreiben.“

✓„Nach umfassenden familiären Veränderungen suche ich nach einer Position, die mit meinem privaten Verpflichtungen vereinbar ist. Ihr Unternehmen kenne und schätze ich als familienfreundlichen Betrieb.“

 

Jobwechsel nach einer Kündigung

Gekündigt  – und jetzt? Experten raten, auch bei einer Arbeitgeberkündigung die Karten offen auf den Tisch zu legen. Informieren Sie den Personalverantwortlichen daher ruhig bei der Frage nach Ihrer letzten Stelle über die Kündigung. Allerdings ohne große Rechtfertigungen oder, schlimmer noch, dem alten Arbeitgeber nachzutreten. Ein nüchternes „Mir wurde betriebsbedingt gekündigt, weil…“ schadet nicht und klärt die Atmosphäre.

Auch wenn Sie aufgrund mangelnder Leistungen gekündigt wurden, können offene Worte Klarheit schaffen: Welche Schlüsse haben Sie aus der Kündigung für sich und Ihre Zukunft gezogen? Vielleicht können Sie Ihre Schwächen als Entwicklungspotenziale im neuen Job kommunizieren: Was werden Sie beim nächsten Arbeitgeber anders machen?

Grundsätzlich geht es niemanden ewas an, warum Ihnen gekündigt wurde oder weshalb Sie Ihren letzten Job verlassen haben. Wenn Sie nicht darüber sprechen wollen, ist das Ihr gutes Recht: Ein schlichtes „Das sind private Gründe, über die ich nicht sprechen möchte“ oder „Es hat einfach nicht mehr gepasst“ reicht in diesem Fall.

Stehen Sie kurz davor zu kündigen und haben innerlich schon gekündigt? Wir haben für Sie mögliche Gegenmaßnahmen zusammengefasst.

 

Häufige Jobwechsel begründen

Drei Jobs in einem Jahr? Nie länger als 5 Monate gearbeitet? Wer sich mit ungewöhnlichen Erwerbsbiografien, muss mit kritischen Fragen rechnen. Häufige Jobwechsel machen Personalverantwortliche nervös, denn sie können nicht sicher sein, wie lange der Bewerber im neuen Job bleiben wird. Diese Ängste gilt es sowohl im Bewerbungsgespräch als auch im Bewerbungsschreiben auszuräumen. Wir zeigen Ihnen ebenso die häufigsten Interviewfragen im Vorstellungsgespräch, für eine gute Vorbereitung.

Wie sich die Anzahl der Jobwechsel auf Ihre Bewerbungschancen auswirkt, hängt auch von Ihrer Berufserfahrung ab: Fünf bis sieben Jahre nach dem Berufseinstieg verbucht man häufige Wechsel noch als „Orientierungsphase”. Dann allerdings gilt es, den neuen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass Sie inzwischen beruflich angekommen sind und wissen, wohin die weitere berufliche Reise gehen soll.

Müssen Sie die Jobwechsel auf Englisch begründen? Dann nutzen Sie unser englisches Vokabular, das wir für Sie zusammengefasst haben.

 

Fachkräfte als Jobhopper

Größere Probleme haben erfahrene Fachkräfte, Spezialisten, die als Jobhopper unterwegs sind – allerdings nicht immer. In manchen Branchen, etwa in der Kreativwirtschaft, sind häufige Jobwechsel üblich: Ob Projektarbeit, saisonabhängige Jobs oder in der Start-Up-Branche, hier fragt niemand genauer nach, warum die Zeit bei einem Arbeitgeber so kurz war. Das können sich auch Fachkräfte aus anderen Branchen zunutze machen: Etwa, wenn thematisch zusammenhängende Jobs bereits im Lebenslauf gekennzeichnet und so ein roter Faden sichtbar gemacht wird.

Dafür sammeln Sie ähnliche Stellen und Projekte in einem größeren Zeitraum und führen diese als Liste auf. Einzelne Stichworte erläutern zusätzlich die verschiedenen Stellen – das schafft Kontinuität und Ruhe im Lebenslauf. Im Bewerbungsgespräch darauf angesprochen, raten Experten zu Offenheit: Machen Sie deutlich, was Sie in den verschiedenen Stationen Ihres Berufslebens gelernt haben und was davon nun für den neuen Arbeitgeber nützlich sein könnte. Auch wenn Sie damit nicht alle Befürchtungen ausräumen können, stehen Sie jedoch vor Ihrem Gegenüber als ehrlicher Mensch da, der viele Unternehmen oder Branchen kennengelernt hat und damit auch entsprechend viel Erfahrung mitbringt.

Bildnachweis: RyanJLane/Quelle: www.istockphoto.com

Bewerbungsratgeber

Bewerbungsunterlagen, Vorstellungsgespräch & vieles mehr im handlichen StepStone Bewerbungsratgeber

Aktuelle Jobs

Hier finden Sie passende Artikel:

Wege zum Traumjob

So klappt’s mit der Bewerbung und dem Vorstellungsgespräch

Überqualifikation am Arbeitsplatz

Warum sollten Sie sich für eine Stelle bewerben, für die Sie überqualifiziert sind und wie überzeugen Sie den Personaler von dieser Idee?