Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch

Gut vorbereitet zum Erfolg
Sie wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen und stehen nun vor der Herausforderung, sich optimal darauf vorzubereiten. Ein essentieller Teil dieser Vorbereitung liegt darin, sich zu überlegen, wie man sich selbst am besten präsentiert. Wie funktioniert gute Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch? Wir stehen Ihnen mit Anleitungen, Informationen und praktischen Tipps und Tricks zur Seite.

Die inhaltliche Komponente

Bevor Sie damit beginnen, sich zu überlegen, welche Daten und Fakten Sie in Ihre Selbstpräsentation packen möchten, empfiehlt es sich, darüber nachzudenken, was Ihr Gegenüber beim Bewerbungsgespräch überhaupt interessiert und dazu braucht es eben auch gutes Selbstmarketing. Im Endeffekt geht es dem Gesprächspartner darum, zu erfahren, ob Sie für die Position, für die Sie sich beworben haben, geeignet sind. Ihre gesamte Lebensgeschichte in ein paar Minuten hineinzuquetschen, wird also nicht funktionieren. Das Erfolgsrezept lautet: Den bisherigen Berufs- und Lebensweg möglichst knackig präsentieren und das immer im Hinblick auf die Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle. Wir zeigen Ihnen warum Sie im Lebenslauf nicht lügen sollten und was Sie stattdessen machen können.

Nur wer um die Ecke denkt, kann geradeaus kommunizieren. (Tobias Bremshey)

Man sollte sich bereits vorab überlegen, welche Kompetenzen und Erfahrungen für die Position erforderlich sind. Auf Basis dieses Hintergrundwissens, kann dann klar und strukturiert der persönliche Berufsweg präsentiert werden. Wie genau das funktioniert, erfahren Sie in der folgenden Anleitung in vier Schritten.

 

Praktische Anleitung zur inhaltlichen Aufbereitung

Schritt 1: Scannen Sie die Stellenausschreibung genau durch und halten Sie Folgendes fest:

✓ Was werden meine Aufgaben sein?
✓ Welche Erfahrungen benötige ich, um diese Aufgaben umsetzen zu können?
✓ Welche Kompetenzen sind für diese Aufgaben wichtig?

 

Schritt 2: Suchen Sie nach eigenen Beispielen. Beantworten Sie hierfür die folgenden vier Fragen:

✓ Wann war ich bereits mit ähnlichen Aufgaben in meiner bisherigen Berufslaufbahn betraut?
✓ Welche praktischen Erfahrungen habe ich bei diesen Aufgaben bereits gesammelt?
✓ Welche Aus- und Weiterbildungen haben diese Themenbereiche theoretisch abgedeckt?
✓ Welche Kompetenzen konnte ich mir in diesem Bereich bisher aneignen?

 

Schritt 3: Jetzt geht es darum, die persönlichen Beispiele sinnvoll aufzubereiten. Es empfiehlt sich, mit den aktuellsten Beispielen zu beginnen und dann nach Wichtigkeit zu reihen. Bedenken Sie immer, dass Ihr Gegenüber nicht ewig zuhören wird oder Sie gar unterbricht oder nachhakt. Stellen Sie sich daher die Frage: Was sind die wichtigsten Erfahrungen und Kompetenzen, die Sie teilen möchten? Und genau da beginnen Sie! Verpacken Sie auch persönliche Erfolge an Hand konkreter Zahlen, wenn Sie können. Haben Sie beispielsweise in der letzten Firma den Umsatz um 20% gesteigert? Qualitätsmängel um 30% reduziert? Oder eine Kostensenkung von 15% erwirkt? Solche Fakten verstärken Ihre Kompetenzen, da Sie sie leichter greifbar machen.

 

Schritt 4: Vergessen Sie nicht auf eine kurze Zusammenfassung am Ende. Dabei sollte in ein bis zwei Sätzen noch einmal kurz wiederholt werden, welche für die Stelle relevanten Erfahrungen und Kompetenzen Sie mitbringen und im Idealfall auch, weshalb Sie sich darauf freuen, diese auch in der neuen Position einbringen zu können.

 

Hinweis zur Anleitung

Es geht nicht darum, Dinge zu verschweigen oder gar Dinge zu erfinden, damit es besser zur Stellenausschreibung passt. Ziel dieser Anleitung ist es, das Augenmerk Ihrer Selbstpräsentation auf die für die Stelle relevanten Aspekte zu legen, sodass sie auch bei einer beschränkten Zeitvorgabe das Wichtigste aus ihrer Berufslaufbahn herauspicken und präsentieren.

 

Keine Angst vor Flexibilität

Zuhören können ist der halbe Erfolg. (Calvin Coolidge)

Trotz guter Vorbereitung kann es beim Bewerbungsgespräch vorkommen, dass sich im Zuge des Gespräches ein ganz anderes Thema herauskristallisiert, das für die Position relevant ist. Scheuen Sie also nicht davor, von diesen vorbereiteten Themen abzuweichen. Wenn Sie merken, dass der Fokus in eine andere Richtung geht, gehen Sie mit. Der Schlüssel zum Erfolg ist hierbei: aktiv zuhören!

Wie Sie auf Klassikerfragen reagieren müssen, wie z.B. die Frage Erzählen Sie etwas über sich, haben wir ebenfalls für Sie zusammengestellt.

 

Tipps für Berufseinsteiger

Wer noch nicht auf eine lange Karrierelaufbahn zurückblicken kann, muss hier etwas kreativer werden. Nutzen Sie Ihre Kreativität für Ihre eigene Bewerbungshomepage. Doch auch Berufseinsteiger können mit Ihrer Selbstpräsentation punkten. So funktioniert’s:

 

Fokus auf das Studium

Ist noch keine berufliche Erfahrung vorhanden, kann bei jenen Studieninhalten, die die ausgeschriebene Stelle betreffen, durchaus ins Detail gegangen werden. Wird laut Stellenausschreibung beispielsweise jemand gesucht, der sich um das Projektmanagement kümmert, können Sie durchaus in ein paar Sätzen darauf eingehen, welche Aspekte des Projektmanagements in Ihrer fachlichen Ausbildung abgehandelt und vielleicht auch im Idealfall bereits praktisch angewendet wurden.

 

Studentische Nebenjobs einbinden

Viele Studenten haben auch während Ihres Studiums mit Nebenjobs Geld dazuverdient oder Praktika in den Sommerferien absolviert. Auch wenn diese fachlich vielleicht nur wenig relevant sind, können Sie für die Erfahrung dennoch nützlich sein – vor allem bei der Herausbildung von Soft Skills. Haben Sie beispielsweise als Kellner in einer gut frequentierten Bar gearbeitet, können Sie sich dadurch Stressresistenz angeeignet haben. Als Betreuer von Schülerreisen können Sie ihre Koordinationsfähigkeiten geschult und ein gestärktes Verantwortungsbewusstsein erlangt haben.

 

Weitere Kompetenzen aufspüren

Auch in anderen Bereichen können Berufseinsteiger bereits Kompetenzen erlangt haben. Denken Sie beispielsweise an Projekte im Zuge Ihres Studiums. Vielleicht haben Sie bei Forschungsprojekten die Leitung übernommen oder sich durch eine gute Koordination Ihrer Mitstudenten profiliert? Haben Sie zusätzliche praktische Vorlesungen absolviert (Körpersprache, Konfliktmanagement, Besprechungsmoderation oder ähnliches)? Haben Sie Ihre Abschlussarbeit in Zusammenhang mit einer Firma geschrieben? Gehen Sie in sich und reflektieren Sie, an welchen Projekten/praktischen Übungen/Arbeiten Sie beteiligt waren und welche Kompetenzen Sie daraus gewonnen haben.

Der Artikel Bewerbungsstrategien für Berufsanfänger, hilft Ihnen so schnell wie möglich durchzustarten.

 

Die sprachliche Komponente

Nach dem inhaltlichen Was geht es nun um das Wie. Die richtige Formulierung ist für die Selbstpräsentation enorm wichtig. Dabei gibt es zwei Grundregeln zu beachten:

1. Formulierungen sollten eine gute Balance bilden zwischen übertriebenen Lobpreisungen auf der einen Seite und sich unter seinem Wert zu verkaufen auf der anderen.

Mit einer sachlichen Schilderung verhindert man, dass sich die Präsentation nach zu viel Eigenlob anhört. Mit einer beschreibenden Schilderung anhand konkreter Beispiele stellt man klar, dass man nicht nur mit leeren Worthülsen um sich wirft.

Hier ein paar Beispiele:

✓ „In meiner momentanen Position bin ich zuständig für …“
✓ „Bei meinem letzten Arbeitgeber war ich verantwortlich für … In Vertretung habe ich mich auch um die Bereiche … gekümmert.“
✓ „Im Zuge meines Studiums habe ich mir Kompetenzen im Bereich …  angeeignet. Konkret fällt darunter …“
✓ „Mein besonderes Interesse liegt bei …, weshalb ich mich für eine (berufliche) Weiterbildung im Bereich … entschieden habe.“

 

2. Formulierungen sollten sich am Jargon der neuen Firma orientieren.

Jedes Unternehmen entwickelt im Laufe der Zeit seinen eigenen Jargon. Je besser Sie diesen treffen, desto vorteilhafter für Sie.

Wer auf andere Leute wirken will, der muss erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden. (Kurt Tucholsky)

Es gibt nicht nur einen Weg, Kompetenzen und Aspekte Ihrer beruflichen Erfahrung zu benennen. In der Praxis finden sich häufig zahlreiche Synonyme, Abkürzungen, englische Fachbegriffe etc. Überlegen Sie sich, welche Schlagworte und Schlüsselbegriffe vom Unternehmen verwendet werden. Hilfreich dafür ist in erster Linie die konkrete Stellenausschreibung. Zusätzlich können Sie auch die Website des Unternehmens heranziehen.

Einige Beispiele zur Verdeutlichung:

✓ „Endkundenkommunikation“ oder „B2C-Kommunikation“.
✓ „Suchmaschinenoptimierung“ oder „SEO – search engine optimization“.
✓ „Terminkoordination“ oder „Terminmanagement“.
✓ „Implementierung neuer Unternehmensstandards“ oder „Umsetzung neuer Unternehmensstandards“
✓ „QM“ oder „Qualitätsmanagement“.

Egal wie klein die Unterschiede auch sein mögen, je präziser Sie sich an die üblichen Begrifflichkeiten des Unternehmens halten, desto eher kann – teilweise auch unbewusst – suggeriert werden, dass Sie zum Unternehmen passen. Nutzen Sie diese Tatsache zu Ihrem Vorteil!

Führen Sie die Selbstpräsentation auf Englisch? Dann nutzen Sie unser englisches Vokabular, das wir für Sie zusammengefasst haben.

 

Die körpersprachliche Komponente

Bei der Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch reicht reines Erzählen nicht aus. Viel wichtiger ist es, mit dem Gesagten auch zu überzeugen.

Nur der Überzeugte überzeugt. (Joseph Joubert)

Der Unterschied zwischen erzählen und überzeugen ergibt sich häufig daraus, dass man Erfahrungen nicht nur präsentiert, sondern auch darüber spricht, dass man sie gern gemacht hat. Hüten Sie sich jedoch davor, zu sehr auf die positiven und negativen Aspekte der Tätigkeiten einzugehen. Ebenfalls empfiehlt sich, Begeisterung und Leidenschaft nur dosiert einzusetzen. Zu viele Emotionen lassen Sie unausgewogen erscheinen, wenn Sie eigentlich professionell wirken möchten. Finden Sie für sich eine Balance aus sachlicher Information und gesunder Begeisterung für Ihre Tätigkeit.

 

Praktische Tipps und Tricks zur erfolgreichen Körpersprache

Folgendes kann Ihnen darüber hinaus auch helfen, Ihre Präsentation zu verfeinern:

✓ Sprechen Sie deutlich und langsam – bei Nervosität neigen viele Menschen zum Schnellsprechen
✓ Halten Sie den Blickkontakt zum Gesprächspartner, jedoch ohne ihn anzustarren
✓ Machen Sie ein freundliches Gesicht, selbst wenn Sie angespannt sind
✓ Strahlen Sie Lebendigkeit aus, wenn Sie sprechen. Vermeiden Sie, dass ihre Worte auswendig gelernt und heruntergerattert klingen.
✓ Bleiben Sie sich treu – verstellen Sie sich nicht. Sie werden wenig überzeugend rüberkommen, wenn Sie versuchen eine Fassade aufrecht zu erhalten

Tendieren Sie in Bewerbungssituationen zu Nervosität, zeigt Ihnen unser Artikel zur Nervosität im Bewerbungsgespräch auf, wie Sie lernen, damit umzugehen.

Nutzen Sie diese Tipps, um bei den Karrieremessen 2018 glänzen zu können.

 

Die zeitliche Komponente

Zu guter Letzt stellt sich auch die Frage, wie lange die Selbstpräsentation sein soll. Als generelle Faustregel lässt sich sagen: In der Kürze liegt die Würze. Dass Sie über Ihr eigenes Leben viel erzählen können, ist jedem Gesprächspartner bewusst. Die Kunst liegt darin, auch innerhalb eines kurzen Zeitfensters mit dem Gesagten zu überzeugen.

Vorab lässt sich leider nicht sagen, wieviel Zeit für Ihre Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch eingeplant wurde. Es empfiehlt sich daher, sich für mehrere Zeitintervall-Varianten zu wappnen. Überlegen Sie sich, was Sie unterbringen würden, wenn Ihnen nur zwei Minuten zur Verfügung stehen. Spielen Sie aber auch den umgekehrten Fall durch, sodass Sie bereit sind, über einen längeren Zeitraum zu sprechen. Was Ihnen auf jeden Fall helfen wird, ist ein klassischer Aufbau wie bei einem Zeitungsartikel. Diese sind in der Regel so aufgebaut, dass alle relevanten Informationen gleich zu Beginn präsentiert werden, für Leser, die nicht viel Zeit haben und bereits in den ersten Sätzen alle Facts aufsaugen möchten. Für jene Leser, die mehr Zeit mitbringen, gehen Artikel daran anschließend in die Länge und präsentieren auch Details. Durch diese Vorgehensweise wird gewährleistet, dass sich Redakteure nicht schon zu Beginn in Details verlieren und die Aufmerksamkeit der Leser dadurch verlieren. Genau dasselbe Prinzip können Sie auf Ihre Selbstpräsentation anwenden. Erwähnen Sie bereits zu Beginn die wichtigsten Aspekte, laufen Sie nicht Gefahr, dass diese nicht zur Sprache kommen, wenn Sie vorzeitig von Ihrem Gesprächspartner unterbrochen werden. Dadurch sind Sie, was sie vorgegebene Länge betrifft, flexibel und können sich an die Gegebenheiten individuell anpassen.

Zur guten Vorbereitung der Selbstpräsentation gehört auch die Beschäftigung mit der Klassikerfrage: Erzählen Sie uns von sich. Sehr oft wird diese im Zuge der Selbstpräsentation im Bewerbungsgespräch gestellt. In unserem Artikel haben wir für Sie zusammengefasst, wie Sie mit dieser Frage im Bewerbungsgespräch umgehen und dazu nutzen, den Erfolg auf Ihre Seite zu locken. Mit den folgenden 8 Eigenschaften überzeugen Sie im Vorstellungsgespräch.

Alles, was Sie sonst noch über das Bewerbungsgespräch wissen müssen, erfahren Sie zudem in unserem Artikel über das perfekte Vorstellungsgespräch und die häufigsten Interviewfragen im Vorstellungsgespräch. Mit guter Vorbereitung, kann man eine Absage bei der Bewerbung vermeiden. Sehen Sie alle Bewerbungstipps auf einen Blick, damit Sie gestärkt in den kommenden Bewerbungsmarathon starten können.

 

Bildnachweis: g-stockstudio/Quelle: www.istockphoto.com

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