Schwächen im Bewerbungsgespräch

Wie man die Frage aller Fragen beim Job Interview erfolgreich meistert
Das Bewerbungsgespräch ist für Arbeitssuchende oft eine Stresssituation. Man weiß nicht, was sich der potentielle Arbeitgeber an Fragen und Aufgaben überlegt hat, um die Eignung der Kandidaten zu testen. Umso wichtiger, sich auf jene Fragen vorzubereiten, die von Recruitern häufig gestellt werden, wie jene nach den persönlichen Schwächen. Lesen Sie hier, wie Sie am besten mit dieser Frage umgehen.

Hände weg von veralteten Ansätzen und Standardantworten

So wie sich die Kandidaten auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten, haben auch Recruiter ihre Erfahrungen und kennen vorgefertigte Standardantworten aus dem Internet und Bewerbungsratgebern. Vor allem der langezeit vorherrschende Ansatz, eine eigentliche Stärke in eine vermeintliche Schwäche umzuformulieren, der Bewerbern jahrelang als Tipp mit auf dem Weg gegeben wurde, ist längst überholt und kommt mittlerweile gar nicht mehr gut an. Ebenso wenig wie witzig gemeinte Antworten (Ich habe keine Schwächen, ich habe eine Schwäche für Schokolade, schöne Männer/Frauen, etc.).

 

Verstehen, weshalb die Frage gestellt wird

Um die richtige Antwort geben zu können, sollte man zunächst verstehen, weshalb die Frage überhaupt gestellt wird und was der Arbeitgeber damit erfahren möchte. Primär geht es nämlich darum, zu zeigen, dass man zur Selbstreflexion fähig ist und sich mit seinen eigenen Schwächen auseinandergesetzt hat. Im Idealfall zeigt man dann auch, dass man bereits daran arbeitet.

Wir zeigen Ihnen wie Sie auf die Klassikerfrage: Warum sollten wir Sie einstellen? antworten sollen, ebenso die häufigsten Interviewfragen im Vorstellungsgespräch, für eine gute Vorbereitung.

 

Die Frage aller Fragen auch inkognito erkennen

Ein neuer Trend geht dahin, dass die Frage nach den Schwächen im Bewerbungsgespräch nicht direkt gestellt wird. Vielmehr taucht sie auf Umwegen auf. So kann man beispielsweise nach Eigenschaften gefragt werden, die einen an Kollegen gestört haben und die Frage dann umkehren. Oder welche Stärken der aktuelle Chef hat, die einem selbst fehlen, was ein Kunde am eigenen Auftritt kritisieren könnte, etc. Speziell mit Fragen, die in eine bestimmte Situation eingebettet sind, kann man mit einer Standardantwort nicht punkten. Ein weiterer Trend sind sogenannte Skalenfragen, bei denen man Eigenschaften auf einer Skala von 1 bis 10 einzuordnen hat. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass Werte von 1-4 von den Recruitern als definitive Schwächen eingeordnet werden, aber auch Werte von 5-7 als Schwächen interpretiert werden.

 

Die richtige Antwort – Vorbereitung ist alles

Die passende Antwort ist leicht gefunden, wenn man diese vier Regeln beachtet:

1) Um authentisch zu wirken, sollte es sich um tatsächliche Schwächen handeln. Es empfiehlt sich also, kurz in sich zu gehen und sich wirklich mit der Frage auseinanderzusetzen. Wem absolut nichts einfällt, kann Freunde oder Kollegen hinzuziehen oder häufige Stärken und Schwächen googeln, um etwas Passendes für sich herauszufiltern.

2) Die ausgewählte Schwäche sollte keinesfalls mit den im Stellenangebot genannten erwünschten Fähigkeiten zu tun haben oder für die Ausübung der Tätigkeit relevant sein. Niemand wird einen Fernfahrer ohne Orientierungssinn, einen unkreativen Grafiker oder eine menschenscheue Krankenschwester einstellen.

3) Es empfiehlt sich, eine tatsächliche Schwäche durch einschränkende Worte wie gelegentlich, manchmal, hin und wieder zu schmälern.

4) Am besten nennt man eine Schwäche, an der man bereits arbeitet. So zeigt man, dass man sich damit auseinandergesetzt hat und alles dafür tut, sich zu verbessern. Achten Sie aber darauf, dass dieser Verbesserungsversuche durch Worte wie aber oder eh schon als Rechtfertigung der Schwäche aufgefasst werden. Am besten, man bettet es in eine konkrete Situation ein.

Sehen Sie alle Bewerbungstipps auf einen Blick, damit Sie gestärkt in den kommenden Bewerbungsmarathon starten können.

 

Von Beispielen inspirieren lassen & selbst eine Schwäche finden

Hier werden nun einige Beispiele aufgelistet. Wir empfehlen, sich davon inspirieren zu lassen und dann ein eigenes, authentisch wirkendes Beispiel zu finden. Nur so kann man sicher gehen, dass dasselbe Beispiel nicht bereits von zahlreichen Bewerbern vor einem genannt worden sind.

✓ „Manchmal fällt es mir schwer, den Überblick zu behalten. Seitdem ich in meiner letzten Anstellung To-Do-Listen für mich entdeckt habe, die jeden Morgen als erstes für den Tag anfertige und im Laufe des Tages abarbeite und erweitere, bekomme ich das sehr gut in den Griff.“

✓ „Wenn ich vor vielen Leuten sprechen muss, habe ich mit Nervosität zu kämpfen. Ein Rhetorikkurs hat mir hierbei bereits sehr geholfen und ich versuche kontinuierlich, mit Kollegen daran zu arbeiten.“

✓ „Bei einer sehr starken Geräuschkulisse fällt es mir ab und zu schwer, mich zu konzentrieren. Im Gespräch mit einem Arbeitskollegen habe ich den Tipp bekommen, es mit Kopfhörern zu probieren und seitdem klappt es viel besser.“

✓ „Manchmal fällt es mir schwer, erfolgreich zu networken. Seitdem ich jedoch ein Seminar zu dem Thema besucht habe und eine Kollegin gebeten habe, mich zu unterstützen, habe ich da schon gute Fortschritte gemacht und lerne ständig dazu.“

✓ „Das Kopfrechnen fällt mir manchmal schwer. Ein Arbeitskollege hat mich darauf gebracht, meine Reaktionsfähigkeit und das logische Denken durch Denkspiele zu trainieren. Seitdem nutze ich die Fahrt zur Arbeit damit, Rätsel zu lösen und mein Gehirn fit zu halten.“

✓ „Ich habe manchmal das Gefühl, dass meine Fremdsprachenkenntnisse einrosten. In meiner letzten Firma habe ich daher ein kleines Event ins Leben gerufen, bei dem wir einmal die Woche für eine Stunde lang englisch sprechen. So hat jeder die Chance zu üben, Vokabeln nachzuschlagen, die ihm fehlen und etwas dazuzulernen und bleibt darin fit.“

✓ „Es ist mir gelegentlich schwergefallen, Beschwerde-Emails eloquent zu beantworten. Seitdem ich mir einen Ratgeber dazu gekauft habe, habe ich für mich einen Weg gefunden, die passenden Formulierungen zu finden.“

Müssen Sie Ihre Schwächen auf Englisch präsentieren? Dann nutzen Sie unser englisches Vokabular, das wir für Sie zusammengefasst haben.

 

Stärken im Bewerbungsgespräch

Nachdem die Schwächen im Bewerbungsgespräch jetzt vorbereitet wurden, sollten Sie sich jetzt auch die Frage nach den Stärken etwas genauer ansehen. Erfahren Sie hier, mit welchen Stärken Sie im Bewerbungsgespräch punkten. Eine gute Vorbereitung Ihrer Stärken und Schwächen beugt eine Absage nach der Bewerbung vor. Ebenso zeigen wir Ihnen mit welchen Eigenschaften Sie im Vorstellungsgespräch überzeugen.

Bildnachweis: www.istockphoto.com

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