Vorbereitung auf verschiedene Interviewpartner im Bewerbungsgespräch

Verschiedene Interviewpartner – verschiedene Umgangsformen.
Nicht immer sitzt im Bewerbungsgespräch ein Personaler vor Ihnen. Viele Unternehmen haben dafür keine Kapazitäten. Die Mitarbeitersuche kann über Leute der Fachabteilung, Human Resources oder die Geschäftsführung selbst erfolgen. Daher zählen die richtige Einstellung und Vorbereitung für verschiedene Interviewpartner im Bewerbungsgespräch!

Oft erfahren Sie im Vorgespräch oder per Mail, mit wem Sie das Vorstellungsgespräch haben werden. Ihr erstes Anliegen sollte dabei sein, herauszufinden, welche Position Ihr/e Gesprächspartner im Unternehmen haben und bezogen auf Ihre Stelle einnehmen. Würden Sie in Zukunft zusammenarbeiten? Wäre es Ihr Vorgesetzter oder hätten Sie nach diesem Interview keinerlei Bezugspunkte mehr? Wer ist Ihr Interviewpartner im Bewerbungsgespräch?

Wie Sie sich auf die verschiedenen Gesprächspartner richtig einstellen und welche Schwerpunkte der jeweilige Interviewer im Dialog setzt, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

 

Chefsache: Im Bewerbungsgespräch mit dem Vorgesetzten

Insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen kann das Interview schnell mal zur Chefsache werden. Für Vorgesetze haben die Fragen nach Ihrer Motivation und Ihrem Mehrwert für das Unternehmen oft höchste Priorität. Daher sollten Sie sich zusätzlich zu den klassischen Interview-Fragen noch mit den Folgenden auseinandersetzen:

✓ Inwiefern können Sie sich mit dem Unternehmen identifizieren?

✓ Warum wollen Sie für Ihren Vorgesetzten arbeiten?

✓ Wie können Sie im Gespräch Ihre Kenntnisse und Leistungsbereitschaft demonstrieren?

✓ Welche Facetten Ihrer Selbstpräsentation sind für den Vorgesetzten ausschlaggebend?

Wichtig ist es, hier nicht auf Eigeninitiative in starke Fachsimpelei zu verfallen, insofern Ihr Gegenüber einen ganz anderen Hintergrund hat. Nicht immer muss der Gesprächspartner jedoch der Inhaber oder Vorgesetzte des gesamten Unternehmens sein. Dieselben Gesprächsregeln fallen auch bei höhergestelltem Personal aus Ihrem eigenen Fachbereich an. Zusätzlich dazu gilt es in dem Fall aber auch noch die Elemente eines Fachgesprächs zu beachten.

 

Fachgespräch: Im Interview mit fachlich Gleichgesinnten

Ob ein fachlicher Ansprechpartner erst in der ersten oder zweiten Bewerbungsrunde hinzugezogen wird, ist je nach Branche und Unternehmen sehr unterschiedlich. In einem solchen Gespräch könnten nun Skills von Ihnen abgefragt werden, die für die ausgeschriebene Stelle elementar sind. Machen Sie sich erneut mit den Anforderungen im Job-Profil vertraut und frischen Sie Ihr Fachwissen an mancher Stelle etwas durch die neusten Trends auf. Nützliche, selbstreflexive Fragen zur Vorbereitung sind:

✓ Welche Schlüsselbegriffe aus der Branche und dem fachlichen Tagesgeschehen sollten Sie im Gespräch unterbringen?

✓ Welche der geforderten Qualifikationen gehören zu Ihren Stärken oder Schwächen? Bei Letzterem: Sehen Sie bereits eine Lösung diese fachliche Schwäche durch Lernen in Eigenregie, Fortbildungen o.ä. in naher Zukunft auszugleichen?

✓ Ist Ihnen der Arbeitsablauf im Unternehmen klar oder haben Sie Fragen zum fachlich-internen Ablauf?

 

Human Resources: Im Gespräch mit dem Personaler

Sobald Unternehmen über eine eigene Personalabteilung verfügen, gehören mehrstufige Bewerbungsprozesse zum Standard. Je nach vakanter Position können unterschiedliche Testverfahren, Arbeitsproben oder gar Assessment Center zum Einsatz kommen. Personalverantwortliche haben vor allem Ihre Persönlichkeit, Ihre Fähigkeiten und Ihre berufliche Entwicklung im Visier. Überlegen Sie sich daher vor allem Antworten auf:

✓ Wer sind Sie? Beschreiben Sie sich selbst und Ihre Charaktermerkmale sowie Soft Skills, die für das Unternehmen lukrativ sein könnten.

✓ Was können Sie? Passen Sie perfekt auf die Anforderungen, die im Gesuch gestellt werden?

✓ Was unterscheidet Sie von anderen Bewerbern und Bewerberinnen?

So können Sie jeden Personaler knacken

Personaler: Sie erhalten die Bewerbungsunterlagen und entscheiden darüber, ob ein Kandidat zum Gespräch eingeladen wird oder nicht. Sie sind auf der Suche nach Tippfehlern und Auffälligkeiten in den schriftlichen Unterlagen. Im Jobinterview beobachten sie ganz genau, wer ihnen gegenübersitzt. Sie stellen interessierte Fragen und können durchaus auch ungehobelt sein. Dabei gehen ihnen folgende Fragen durch den Kopf: Passt der Kandidat ins Team? Wie kann er sich weiterentwickeln? Doch wie gehen Bewerber mit den unterschiedlichen Personalertypen um? Hier sind vier häufigsten Strategien von Personalern:

✓ Der Neugierige/ der Analytiker: „Du kannst mir nichts verheimlichen“

Dieser Personalertyp fragt sich äußerst gewissenhaft durch Ihren Lebenslauf. Er lässt nichts aus und legt großen Wert auf Inhalte und Leistungen. Seine Fragen sind analytisch, manchmal sogar bohrend. Sie können auch ins Private abdriften, à la Was sagt ihr Ehemann dazu? Oder: Welches familiäre Ereignis hat Sie besonders geprägt? Tipp: Lassen Sie sich nicht bedrängen. Gute Vorbereitung ist hier bereits die halbe Miete. Stellen Sie sich darauf ein: es könnten auch unangenehme Fragen gestellt werden. Der Analytiker möchte alles ganz genau wissen, daher sollten Sie beim Gespräch nicht zu kurz angebunden sein, sondern auf sämtliche Fragen ausführlich antworten. Falls Fragen dann doch zu privat werden, dann müssen Sie diese selbstverständlich nicht beantworten. Sie können Grenzen setzen.

✓ Der Kumpelhafte/ der Wohlfühltyp: „Fühlst du dich hier wohl?“

Kennen Sie Personaler, die besonders freundlich sind, immer verständnisvoll nicken und Ihnen grundsätzlich immer zustimmen? Dieser Personaler möchte, dass Sie sich während des Gespräches wohl fühlen, er bietet Getränke an, ist überaus freundlich und interessiert. Inhalte kommen manchmal etwas zu kurz. Er betont, wie toll sich hier alle verstehen und wie super alles ist. Die Strategie dahinter: Wer sich wohl und verstanden fühlt, der öffnet sich seinem Gegenüber. Diese Personaler schaffen es oft, Bewerber aus der Reserve zu locken. Tipp: Bleiben Sie auf jeden Fall professionell und lassen Sie sich nicht zu kumpelhaftem Verhalten hinreißen. Falls Sie nach dem Gespräch ein besonders gutes Gefühl haben, dann allerdings doch eine Absage bekommen, dann sollten Sie es nicht persönlich nehmen. Der kumpelhafte Personaler ist nicht nur zu Ihnen überaus nett, sondern auch zu anderen Bewerbern. Bleiben Sie also am Boden.

✓ Der Skeptische/ Pokerface: „Ich schaue hinter jede Maske“

Das Pokerface unter den Personalern lässt sich nichts anmerken. Ganz klar: dieser Personaler ist ein Profi. Er geht besonders sachlich an Bewerbungsunterlagen und Jobinterviews heran und zeigt keine Reaktionen auf Antworten von Bewerbern – ein Pokerface eben. Kandidaten wissen dann nicht, woran sie sind – das verunsichert. Sein Motto: Wer verunsichert ist, zeigt sich authentischer. Er weiß: Fehlbesetzungen darf er sich nicht leisten. Die Tricks der Bewerber kennt er wie seine Westentasche. Tipp: Ein Gegenüber, das überhaupt keine Reaktion auf Antworten, Körpersprache und Verhalten zeigt, kann durchaus sehr verunsichernd sein. Wichtig ist, dass Sie sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Bleiben Sie Ihrer Linie treu. Erwarten Sie sich von Ihrem Gegenüber jedoch keine charmanten, humorvollen Ansagen. Sachlichkeit ist gefragt. Dieser Personaler mag aufgesetztes Verhalten überhaupt nicht. Bleiben Sie bei den Tatsachen. So kommen Sie souverän durch dieses Gespräch.

✓ Der Gestresste/ Der Arrogante: „Was? Sie wollen bei uns arbeiten?“

Ja, es gibt sie: arrogante Personaler. Er weiß, dass er sich in einer Machtposition befindet. Bewerber fühlen sich von solchen Zeitgenossen meist nicht besonders wertgeschätzt und sogar eingeschüchtert. Er behandelt Bewerber abschätzig und kann sogar beleidigend werden. Er ist überzeugt von seiner Mission im Unternehmen. Tipp: Bleiben Sie auf jeden Fall professionell und selbstbewusst. Lassen Sie sich nicht unterkriegen. Jeder Bewerber sollte sich zu aller erst jedoch die Frage stellen: Möchte ich in so einem Unternehmen überhaupt arbeiten? Häufig handelt es sich hierbei um Unternehmen mit strengen Hierarchien. Wenn Mitarbeiter schon im Vorstellungsgespräch schlecht behandelt werden, wie ist es dann erst im Job? Trotzdem: Souverän und selbstbewusst bleiben, dann meistern Sie auch das Gespräch mit dem respektlosen Widerling.

Sehen Sie alle Bewerbungstipps auf einen Blick, damit Sie gestärkt in den kommenden Bewerbungsmarathon starten können.

 

Der Gesprächserfolg zum Gegenüber im gesamten Bewerbungsprozess

Eine weitere Frage, welche auf alle drei Gesprächstypen zutrifft und Ihr Interview erst zum richtigen Erfolg machen kann, sind geeignete Rückfragen im Vorstellungsgespräch. So können Sie durch Ihr Know-How, Interesse und Fingerspitzengefühl zum Gegenüber abschließend punkten. Überlegen Sie all dies idealerweise sogar bereits vor dem tatsächlichen Interviewgespräch und der ersten Kontaktaufnahme: An wen soll das ideale Bewerbungsschreiben allgemein adressiert werden? Auch hier kann das perfekte Motivationsschreiben von dem Wissen um Ihres Gegenübers profitieren!

Bildnachweis: Rawpixel/Quelle: www.istockphoto.com

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