Wer hat die besseren Karriereaussichten? Generalist vs. Spezialist

Das sollten Sie als Alleskönner oder Nischenexperte beachten!
Der Arbeitsmarkt ist divers. Trotzdem definiert diese Debatte auch die österreichische Berufswelt: Haben Generalisten oder Spezialisten bessere Chancen bei der Jobsuche, im Interview und in der Karriere?

Definition: Generalist & Spezialist

Egal, ob Sie sich zu den Alleskönnern oder den Nischenexperten zählen – es gibt verschiedene Auslegungen beider Begriffe. Die Generalisten verfügen über ein sehr breites Wissen und viele Kompetenzen. In einem spöttischen Ton wird jedoch schnell behauptet, als Generalist könne man „alles und nichts“. Tatsächlich kann es bei Generalisten dazu kommen, dass bei detailliertem Fachwissen die Expertise in dem ein oder anderen Bereich für manche Aufgaben nicht ausreicht. Im Gegensatz dazu verfügen Spezialisten über ein sehr facettenreiches Know-how in einem Fachgebiet oder gar in einer Nische am Arbeitsmarkt. Auch wenn Spezialisten durch ihr Alleinstellungsmerkmal eventuell von einem hohen Marktwert profitieren, bleibt jedoch stets die Sorge um ausreichend Nachfrage am Arbeitsmarkt. Inwiefern Sie als Alleskönner oder Fachexperte bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, ist auch immer ganz von der Branche und den jeweiligen Unternehmensstrukturen abhängig.

 

Spezialisierung: Vor- und Nachteile auf einen Blick

Sich für eine Spezialisierung zu entscheiden, sollte immer gut überlegt sein. Zur Abwägung helfen Ihnen diese Vor- und Nachteile für Spezialisten auf einen Blick:

 

+ Ist Ihr Fachgebiet gefragt und nur rar besetzt, können Sie sich auf eine gute Bezahlung freuen. Ihr Marktwert übertrifft das der meisten Generalisten um ein Vielfaches!

+ Ihre Konkurrenz ist deutlich geringer als bei Allroundern. Auch ein verlockender Anruf vom Headhunter ist durch Ihr fachliches Alleinstellungsmerkmal wahrscheinlicher.

+ Ihr Nutzen im Unternehmen wird nicht angezweifelt. Neben Ihnen verfügt wahrscheinlich niemand über das gleiche Fachwissen.

+ In Sachen Hard Skills können Sie bereits im CV punkten!

 

Ihnen bleibt nichts anderes übrig: Sie müssen in Ihrem Gebiet ständig auf dem neusten Stand bleiben, auch wenn Sie die neuesten Trends nicht interessieren.

Nischenwissen ist keine 100%-ige Jobgarantie!

Sie haben sich für eine feste Karriere in einem Fachgebiet entschieden. Ein Jobwechsel in andere Branchen oder Aufgabentätigkeiten wird schwierig.

Sie verfügen über ein Wissen, das in die Tiefe geht. Sehr abwechslungsreiche Aufgaben, wie sie die Generalisten genießen, bedürfen aber meist eines breiten Wissens.

Wollen Sie dennoch unbedingt eine Veränderung in Ihrem Profil oder Tätigkeitsbereich, werden Sie Ihr Expertentum begraben und im neuen Bereich neu aufsteigen müssen. Diese Art der „Überqualifikation“ muss aber nicht nur ein Nachteil sein, sondern kann Ihnen auch neue Berufschancen eröffnen!

 

Generalisierung: Vor- und Nachteile auf einen Blick

Lassen Sie sich diese Vor- und Nachteile von Generalisten bewusst durch den Kopf gehen:

 

+ Sie können sehr abwechslungsreiche – und dennoch anspruchsvolle – Aufgaben haben.

+ Sie zeichnen sich durch kontinuierliche, gewissenhafte und lösungsorientierte Qualität im Unternehmen aus. Da Generalisten oft mehr kommunikative Arbeitsschritte übernehmen, wird Ihnen auch erfolgreiches Netzwerken leichter fallen!

+ Die Aufstiegsmöglichkeiten stehen nicht schlecht, da Leitungsfunktionen eher breit aufgestellt sind. Aus dem eigenen Team zur Führungskraft aufzusteigen, passiert Ihnen als Generalist wahrscheinlich eher.

+ Durch viel Berufserfahrung oder Weiterbildungen können Sie noch immer den Werdegang vom Generalisten zum Spezialisten einschlagen!

 

Ihr „breites“ Wissen leidet oft unter dem schlechten Ruf „Unwissen“ zu beinhalten.

Durch Erfahrungen in mehreren Bereichen passen Sie auf alle Stellenanzeigen so halb, aber nie so ganz. Umso wichtiger, dass Sie die Stellenanzeigen richtig interpretieren und sich auch bewerben, wenn die Ausschreibung Ihren Vorstellungen nur nahekommt!

– Die Bewerbungen von Generalisten sind oft nicht aussagekräftig genug, da sie keinen expliziten Fachvorteil haben. Kompensieren Sie dies in Ihrem Bewerbungsschreiben, indem Sie Ihre Stärken, Motivation und Haltung sowie Ihre Soft Skills im Lebenslauf vermitteln!

Ihr Marktwert ist eventuell nicht so hoch, da Sie kein Alleinstellungsmerkmal in Ihrer Branche haben und auf viel Konkurrenz treffen.

 

Zukunftsprognose zwischen Generalisten und Spezialisten?

Während manche Branchen prädestiniert für Generalisten (Projektmanagement, Marketing, Organisation und Kommunikation etc.) bzw. Spezialisten (Forschung, wissenschaftliche Bereiche mit einschlägigen Studien, IT, Jus etc.) sind, ist die erfolgreiche Karriereplanung aber auch eine Frage der Unternehmensgröße. In vielen Arbeitsprozessen gilt die Pauschalaussage: Je größer Ihr Team, Ihre Abteilung bzw. das Unternehmen an sich, desto spezialisierter fallen die jeweiligen Positionen und Tätigkeitsfelder aus. Oft liegt das Ideal also weiterhin in der Mitte – zwischen Generalisierung und Spezialisierung. Klingt zunächst absurd, aber von Generalisten werden meist dennoch 1-2 inhaltliche Schwerpunkte und von Spezialisten eine generalistische Grundkompetenz verlangt. Utopischerweise werden also oftmals weder Generalisten noch Spezialisten, sondern Multi-Spezialisten mit einer breiten und kommunikationsstarken Grundkompetenz gesucht. Dennoch geht der Arbeitsmarkt in vielen Bereichen in Richtung Sub-Spezialisierungen, da beispielsweise in der spezialisierten IT-Branche ständig Innovationen und neue Themenbereiche aufkommen.

 

Die Generalisten-Verzerrung: Alleskönner punkten bei der Jobsuche

Der Arbeitsmarkt benötigt in vielen Branchen verstärktes Fachwissen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass auch Spezialisten nach dem Bewerbungsprozess bevorzugt eingestellt werden – wie Erfahrungen in der Jobsuche für Generalisten und Spezialisten zeigen. Die beiden Wissenschaftler Keith Murnighan und Long Wang beschreiben basierend auf einer Studie unter dem Begriff der Generalisten-Verzerrung ein Phänomen beim Rekrutierungsprozess: Obwohl spezialisierte Probanden in den Vorstellungsgesprächen die gesuchten Kernkompetenzen weitaus besser abdeckten, entschieden sich die Personaler meist für den gut ausgebildeten Generalisten, der durch seine breite Arbeitserfahrung und Themenvielfalt punkten konnte. Ausschlaggebend im Bewerbungsprozess waren hier vorab insbesondere auch der perfektionierte Lebenslauf, der den Bewerber vorab kompetent wirken ließ.

Ihre ganz individuelle Zukunftsprognose hängt jedoch zuletzt von Ihren persönlichen Vorstellungen Ihres Traumjobs ab! Die Arbeitswelt braucht Sie – den Spezialisten, Generalisten und Multi-Spezialisten – jedenfalls alle und erst die Zusammenarbeit zwischen Ihnen bringt den größten Mehrwert für Unternehmen und Mitarbeiter.

Bildnachweis: francescoch/Quelle: www.istockphoto.com

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