Absage bei der Bewerbung

Was sind die Gründe und wie geht man damit um?
Eine Absage ohne Grund hinterlässt Ungewissheit. Oftmals hat man keinen Einfluss auf die Entscheidung des Recruiters. Doch welche Gründe für Absagen bei der Bewerbung gibt es und wie kann man schon im Bewerbungsschreiben gegen eine mögliche Absage argumentieren?

Absagen sind jener Teil des Bewerbungsprozesses, von dem man sich erhofft, er bleibe einem erspart. Tatsache ist jedoch: Sie gehören leider dazu und führen im schlimmsten Fall zu Selbstzweifeln. Wir informieren Sie darüber, aus welchen Gründen es zu einer Absage kommen kann, wie man damit umgeht und sich im Anschluss wieder motiviert und für die Zukunft daraus lernt.

 

Was sind die möglichen Gründe für eine Absage?

Eine Absage kann generell unterschiedlich begründet sein. Einerseits gibt es Argumentationen, die direkt mit Ihnen als Bewerber in Verbindung stehen, aber andererseits können es auch Faktoren sein, auf die Sie gar keinen Einfluss haben:

 

Gründe, die mit Ihrer Person in Zusammenhang stehen:

Viktoria Prodan und Ursula Stowasser nennen in Ihrem Werk Bewerbungsratgeber Österreich, erschienen im Linde Verlag, 7 mögliche Gründe für Absagen und Tipps, wie man schon im Bewerbungsschreiben gegen eine mögliche Absage argumentieren kann.

1) Überqualifiziert: Überqualifikation kann ein Grund für eine Absage sein, zum Beispiel, wenn sich ein Bewerber, der über mehrere Abschlüsse verfügt für eine Assistenzposition beworben hat, für die keine akademischen Abschlüsse notwendig sind. Oder auch wenn sich ein Bewerber mit Führungserfahrung für eine Position ohne Führungsverantwortung bewirbt. Es kann aber auch ein Hinweis darauf sein, dass sich der Arbeitgeber einen jüngeren Bewerber wünscht. Die Autorinnen empfehlen Bewerbern, denen Ihre Überqualifikation bewusst ist, im Bewerbungsschreiben anzuführen, warum sie sich trotz formaler Überqualifikation dennoch für geeignet halten.

2) Zu jung: Manche wertvollen Erfahrungen sammelt man erst im Laufe der Karrierelaufbahn. Es kann also durchaus vorkommen, dass Bewerber für bestimmte Positionen auch zu jung sind. Hier empfehlen die Autorinnen, die bisher gemachten Erfahrungen besonders herauszuarbeiten und deutlich zu machen, dass man lernbereit ist und an seinen Aufgaben wachsen möchte.

 3) Fehlende Branchenerfahrung: Unternehmen verlangen von Kandidaten oft Branchenerfahrung, da diese mit Expertise und wertvollen Kontakten assoziiert wird. Die Autorinnen empfehlen im Bewerbungsschreiben genau zu formulieren, warum Bewerber auch als „Branchen-Newcomer“ Vorteile für das Unternehmen mitbringt als auch jene beruflichen Erfahrungen, die für diese Position besonders wichtig sind, hervorzuheben.

 4) Zu häufiger Wechsel: Zu viele Unternehmenswechsel oder kurze Beschäftigungen können bei Personalverantwortlichen Fragen aufwerfen. Mit zu kurzen Beschäftigungsverhältnissen sind jene unter einem Jahr gemeint – befristete Arbeitsverträge sind hier freilich ausgeschlossen. Im Bewerbungsverfahren wird es als positiv empfunden authentische, vertretbare Gründe für den jeweiligen Unternehmenswechsel anzuführen. Dies ist oftmals nicht so leicht zu kommunizieren. Die Autorinnen empfehlen zum Beispiel folgende Formulierungen schon im Bewerbungsschreiben:
Mein Arbeitsverhältnis ging zu Ende, da die Abteilung im Zuge einer Unternehmensübernahme aufgelöst wurde.“ Oder: „Im Gespräch wurde mir ein bestimmter Aufgabenbereich erläutert, die Realität war aber doch ganz anders und ich habe nur einen Bruchteil an Verantwortung übertragen bekommen. Aus diesem Grund wollte ich meine Expertise in einem passenderen Kontext einsetzen und ich habe gekündigt.

 5) Unstimmigkeiten im Lebenslauf: Ein Grund für eine Absage kann auch sein, wenn im Lebenslauf der rote Faden fehlt, etwa in Form von Lücken oder nicht nachvollziehbaren Pausen. Es kann jedoch auch sein, dass Personalverantwortliche zu wenig Verständnis für Branchen- oder Tätigkeitswechsel aufbringen. Arbeitgeber wünschen sich leicht verständliche und nachvollziehbare Lebensläufe, in denen klar hervorgeht, dass der Bewerber bereits einige Karriereschritte realisiert hat und sich die Richtung des Karriereweges wohlüberlegt hat.

 6) Nicht ansprechend genug: Personalabteilungen von großen Unternehmen bekommen oftmals hunderte von Bewerbungen pro Tag – auch ohne Ausschreibung. Bewerber sollten unbedingt wissen, dass die optische Wirkung des Lebenslaufes ausschlaggebend sein kann. Die Bewerbungsunterlagen sind wie eine Visitenkarte, die darüber entscheiden, ob jemand eingeladen wird oder nicht. Daher muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Bewerbungsunterlagen optisch ansprechend und fehlerfrei sind.

 7) Subjektive Entscheidungskriterien: Es gibt unzählige Entscheidungskriterien in Unternehmen, die nicht offen angesprochen werden. Dies können von Alter, über visuelle Aspekte bis hin zu Erfahrung aus bestimmten Branchen oder interne Unternehmensvorgaben sein. Die Autorinnen empfehlen daher, Absagen nicht persönlich zu nehmen, sondern einfach auf den passenderen Job zu warten – und der wird bestimmt kommen.

 

Gründe, auf die Sie keinen Einfluss haben:

1) Interne Nachbesetzung: Oft ist es so, dass eine Stelle zwar offiziell ausgeschrieben ist, dann aber doch intern nachbesetzt wird. Jemand, der bereits im Unternehmen arbeitetet, wird immer den Vorteil haben, dass er die Abläufe und Strukturen bereits kennt, besser vernetzt ist und in der Einschulung eine deutlich kürzere Zeitspanne benötigen wird.

2) Qualifikation anderer Bewerber: Auch auf die Qualifikationen der anderen Bewerber haben Sie keinen Einfluss. Eine Absage muss also nicht bedeuten, dass Sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Es kann jedoch sein, dass ein Mitbewerber einfach eine noch spezifischere Ausbildung oder Berufserfahrung mitbringt, durch die er im Rennen um die Stelle die Nase einfach ein Stück weit vorne hat.

3) Stelle bereits vergeben: In der Praxis kann es vorkommen, dass die Anzeige für die Stelle zwar noch auf diversen Jobportalen aufscheint, die Stelle aber bereits vergeben ist. In diesem Fall kann es natürlich nur zu einer Absage kommen.

4) Interne Abstimmungsschwierigkeiten: Je mehr Abteilungen an einer Ausschreibung beteiligt sind, desto eher kann es vorkommen, dass es zu Abstimmungsschwierigkeiten kommt. So kann es vorkommen, dass die Anforderungen eines Bereichsleiters von der Personalabteilung falsch interpretiert werden und die Ausschreibung selbst nicht hundertprozentig das widerspiegelt, was sich der direkte Vorgesetzte von den Bewerbern erwartet. Auch wenn Sie die Kriterien der Ausschreibung alle erfüllen, kann es dennoch passieren, dass weitere, nicht verschriftliche Kriterien im tatsächlichen Auswahlprozess wichtiger werden.

 

Wie geht man mit einer Absage ohne Angabe von Gründen um?

Nicht selten kommt es in der Praxis vor, dass die Absage gar keine Begründung enthält. Durch die Vielzahl an Bewerbern ist es den Personalern oft nicht möglich, jedem eine personalisierte Absage zu senden, die die individuellen Gründe enthält, warum es leider nicht geklappt hat. Daher werden oft Standardfloskeln verwendet:

Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Unterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung, trotz guter Qualifikation, für die ausgeschriebene Position derzeit nicht weiter berücksichtigen können.

Leider haben wir uns für einen Mitbewerber entschieden.

Zu unserem Bedauern müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung für die ausgeschriebene Stelle nicht weiter berücksichtigen können.

Wenn aus der Formulierung der Absage nichts herauszulesen ist, kann der Zeitpunkt der Absage von ausschlaggebender Bedeutung sein:

 

Fall 1: Die Absage kommt wie aus der Pistole geschossen. Sie haben die Bewerbung verschickt und erhalten vielleicht sogar noch am selben Tag die Absage? In diesem Fall sollten Sie schleunigst nochmal einen Blick auf Ihre Bewerbungsunterlagen werfen. Die Chancen stehen sehr hoch, dass der Personaler etwas sehr offensichtlich Negatives in Ihren Bewerbungsunterlagen entdeckt hat. In diesem Fall sollten Sie sich selbst die folgenden Fragen stellen:

Habe ich das gewünschte Jobprofil richtig verstanden?
Entsprechen meine Fähigkeiten den Must-Have Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle?
Entspricht meine Berufserfahrung oder mein Qualifikationslevel dem Anforderungsprofil oder bin ich über- oder auch unterqualifiziert?
Habe ich in den Bewerbungsunterlagen klar zum Ausdruck gebracht, wie ich meine Erfahrungen und Fähigkeiten gewinnbringend einsetzen kann?
Passen meine vergangenen Jobpositionen zu der Branche oder dem Geschäftsfeld des Unternehmens oder bin ich womöglich zu branchenfern?

Fall 2: Die Absage kommt nach einer angemessenen Bedenkzeit von ein bis drei Wochen. In diesem Fall war sich der Personaler höchstwahrscheinlich lange nicht sicher, ob er Sie nicht doch in die engere Wahl aufnimmt. Aber schlussendlich waren die Mitbewerber einfach besser. Große Fehler werden Ihre Bewerbungsunterlagen in diesem Fall nicht enthalten, aber sollten Sie regelmäßig in diesem Stadium eine Absage erhalten, könnten Ihre Bewerbungsunterlagen eine Optimierung vertragen oder Sie bewerben sich regelmäßig auf für Sie unpassende Jobangebote.

Fall 3: Die Absage kommt direkt nach dem Vorstellungsgespräch.
In diesem Fall ist es dem Personaler offensichtlich sehr leicht gefallen, sich gegen Sie zu entscheiden. Vielleicht sollten Sie an Ihrem persönlichen Auftritt, Erscheinen oder der Selbst-Präsentation feilen. Und Sie sollten das Gespräch auch nochmals Revue passieren lassen und sich vor Augen führen, was nicht so gut geklappt hat. Auch ein Bewerbungscoach kann in diesem Fall helfen und die Situation nochmal mit Ihnen durchspielen.

 

Wie kann man sich wieder motivieren, wenn man Absagen erhält?

Niemand erhält gerne eine Absage – so viel steht fest! Wenn sich zudem die Absagen häufen, kratzt das nicht nur am Ego, sondern wirkt sich auch zunehmend auf die Motivation aus. Man beginnt, an sich selbst zu zweifeln, stellt alles in Frage. Auch wenn es schwer ist: Speziell in dieser Phase ist es wichtig positiv nach vorne zu blicken und dranzubleiben. Doch wie gelingt einem das?

✓ Nicht zu persönlich nehmen: Vor allem, wenn Ihnen kein Grund für die Absage genannt wurde, ist es wichtig, nicht vom Schlimmsten auszugehen. Wie die Vielfältigkeit möglicher Gründe zeigt, muss eine Absage nicht immer auch in Ihrem Einflussbereich liegen.

✓ Die Relation nicht aus den Augen verlieren: Im Endeffekt ist es lediglich ein Unternehmen, das sich gegen Sie entschieden hat. Das bedeutet nicht, dass Sie nicht in einem anderen Unternehmen genau der richtige Kandidat sind. Nur weil Sie von einem Unternehmen nicht ausgewählt wurden, bedeutet das nicht, dass auch andere Unternehmen ähnlich auf Ihre Bewerbung reagieren.

✓ Sie sind in der Situation nicht alleine: Halten Sie sich auch vor Augen, dass Sie nicht der einzige Bewerber sind, der eine Absage erhalten hat. Wenn auf eine Stelle hundert Bewerbungen auf dem Tisch des Personalers landen und nur eine einzige Person eingestellt werden kann, bedeutet das, dass alle 99 anderen ebenfalls eine Absage erhalten haben.

✓ Sie wachsen an den Erfahrungen: Mit jeder formulierten Bewerbung, mit jedem durchgeführten Bewerbungsgespräch wächst Ihre Erfahrung. Sie werden dadurch routinierter, lernen den Prozess näher kennen und können zukünftig auch besser mit der Situation umgehen.

✓ Konzentration auf neue Stellenausschreibungen: Oft hilft es, den Blick nicht zu lange in die Vergangenheit zu richten und darüber zu philosophieren, weshalb es mit der Bewerbung nicht geklappt hat. Durchforsten Sie stattdessen die aktuellen Jobangebote und richten Sie Ihren Blick in die Zukunft.

 

Was kann man aus einer Absage lernen?

Wer sich die Zeit nimmt, die Absage ein wenig zu analysieren, kann für zukünftige Bewerbungen wertvolle Lerneffekte nützen.

Wurden Sie erst gar nicht zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, kann der Grund für die Absage – sofern es sich nicht um eine Begründung außerhalb Ihres Einflussbereiches handelt – in ihren schriftlichen Bewerbungsunterlagen liegen. Hier gibt es folgende Möglichkeiten der Optimierung:

 

1) Genauere Auswahl der Stellenanzeigen: Achten Sie bei zukünftigen Bewerbungen darauf, dass Sie nur jene Inserate auswählen, deren Anforderungen Sie tatsächlich Großteils erfüllen. Das bedeutet nicht, dass Sie die eine, perfekte Ausschreibung warten müssen, die nur Anforderungen angibt, die Sie zu hundert Prozent erfüllen können. Aber je mehr Überschneidungspunkte es gibt, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit einer frustrierenden Absage.

2) Individualisieren der Bewerbungsunterlagen: Gehen Sie sowohl das Anschreiben als auch den Lebenslauf durch und analysieren Sie dabei, inwieweit Sie diese auch auf das jeweilige Inserat angepasst haben. Oft liegt der Fehler darin, dass Standardunterlagen versendet werden, die nicht an die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen des Unternehmens optimiert sind. Stellen Sie sich dabei auch die Frage, ob der Empfänger Ihrer Unterlagen leicht daraus ablesen kann, dass Sie bestens für die Stelle geeignet sind.

Erfolgt die Absage erst später, nachdem Sie bereits zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, haben Sie zumindest die Gewissheit, dass Ihre Bewerbungsunterlagen überzeugend waren. Sonst wären Sie ja gar nicht erst eingeladen worden. Der Grund kann dann zwar immer noch außerhalb Ihres Einflussbereiches liegen, es könnte aber auch ein Anreiz sein, sich mit dem Bewerbungsgespräch an sich näher auseinanderzusetzen, um für die Zukunft einen besseren Eindruck zu hinterlassen, der dann letztendlich auch zum Erfolg führt. Hier einige Tipps und weiterführende Artikel dazu:

 

Weitere Informationen darüber, was es beim Bewerbungsgespräch zu beachten gilt, erhalten Sie in unserem Artikel über das perfekte Vorstellungsgespräch. Sensibilisieren Sie sich außerdem darauf, zu deuten, ob das Vorstellungsgespräch gut gelaufen ist, um in weiterer Folge die Anzeichen schon während des Gespräches zu erkennen und gegebenenfalls gegenzulenken. Und das Wichtigste: Bleiben Sie dran! Geben Sie nicht auf und suchen Sie gleich jetzt nach passenden aktuellen Jobangeboten.

Bildnachweis: Pekic/ Quelle: istockphoto.com

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