"Hiermit bestätigen wir feierlich..." – Du hältst dein x-tes Zertifikat in den Händen und fragst dich, ob es dir in deiner nächsten Bewerbung nützlich sein kann? Du hast eine Reihe von Zeugnissen vorzuweisen und möchtest wissen, ob du sie alle mitschicken musst? Auf keinen Fall. Wir zeigen dir, mit welchen Zeugnissen und Zertifikaten du in deiner Online-Bewerbung wirklich punktest.
Inhaltsverzeichnis
Wozu dienen Zertifikate und Zeugnisse in der Online-Bewerbung?
Welche Zertifikate und Zeugnisse gehören in deine Bewerbung?
Schlechtes Zeugnis lieber weglassen?
Fazit: Auf die richtige Auswahl kommt es an
FAQs – Häufig gestellte Fragen
Wozu dienen Zertifikate und Zeugnisse in der Online-Bewerbung?
Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate und gegebenenfalls Referenzen oder Arbeitsproben: Zusammen ergibt das eine klassische Bewerbungsmappe. Ähnlich sieht es bei Online-Bewerbungen aus. Einige Zeugnisse und Zertifikate gehören in jede Bewerbung. Sie sind sozusagen deine Eintrittskarte zum Vorstellungsgespräch. Warum? Weil sie der Beleg für deine Angaben in Anschreiben und Lebenslauf sind. Anhand deiner Zeugnisse und Zertifikate können Personalverantwortliche nämlich überprüfen, welche Qualifikationen du wirklich hast und wie erfolgreich du durch Schule, Ausbildung, Studium oder Arbeit gegangen bist. So können sie dich objektiver beurteilen und sich ein besseres Bild von dir machen. Im Vorstellungsgespräch kannst du sie dann zusätzlich von den Soft Skills überzeugen, für die es keine Zeugnisse gibt.
Tipp: Gib in deinem Anschreiben und in deinem Lebenslauf nur Abschlüsse und Qualifikationen an, die du auch nachweisen kannst. Andernfalls wird dir das spätestens im Vorstellungsgespräch auf die Füße fallen.
Welche Zertifikate und Zeugnisse gehören in deine Bewerbung?
Wahrscheinlich hast du in deinem Leben schon einen ganzen Stapel Zeugnisse oder Urkunden erhalten. Würdest du deine Online-Bewerbung mit allen Zeugnissen verschicken, wäre die Datei vermutlich so groß, dass sie jedes E-Mail-Postfach sprengen würde. Zudem wäre es fraglich, ob der*die Empfänger*in Zeit und Muße hätte, dermaßen viele Anhänge zu durchforsten.
Auf der sicheren Seite bist du, wenn du deine Bewerbungsunterlagen inklusive Zeugnissen und Zertifikaten zu einem PDF-Dokument zusammenfasst – maximal 3 MB groß.
Dieses Vorgehen erfordert eine geschickte und sinnvolle Auswahl: Klasse statt Masse. Das bedeutet, dass du in deiner Bewerbung nicht alle Qualifikationen nachweisen musst, die du in deinem Anschreiben oder Lebenslauf erwähnt hast. Klar solltest du den Nachweis haben, aber du musst ihn nicht direkt mitschicken. Wähl also nur die Zertifikate aus, die für die angestrebte Stelle relevant sind oder in der Stellenanzeige verlangt werden.
Sollten die Personalverantwortlichen mehr von dir und deinen Zeugnissen sehen wollen, kannst du den Rest problemlos nachreichen oder zum Vorstellungsgespräch mitbringen. Klingt kompliziert? Keine Sorge. Wir helfen dir, eine gute Auswahl zu treffen. Mit der folgenden Liste findest du schnell heraus, welche Unterlagen in deine Online-Bewerbung gehören.
Schulzeugnis
Wenn du Schulabgänger*in bist, am Anfang deiner Karriereplanung stehst und noch keine nennenswerte Berufserfahrung hast, solltest du dein letztes Schulzeugnis bzw. dein Abschlusszeugnis mitschicken. Alle anderen können Schulzeugnisse weglassen.
Ausbildungszeugnis
Wenn du eine Berufsausbildung abgeschlossen hast, gehört das Ausbildungszeugnis auf jeden Fall in die Bewerbung. Es gibt den Personalverantwortlichen wertvolle Informationen über deine fachlichen Qualifikationen und praktischen Erfahrungen. Ein vollständiges und positives Ausbildungszeugnis kann für den ersten Eindruck entscheidend sein.
Praktikumszeugnis
Praktikumszeugnisse musst du nur dann in deine Bewerbung aufnehmen, wenn sie für die Stelle relevante Erfahrungen oder Fähigkeiten nachweisen. Das gilt vor allem dann, wenn du als Berufsanfänger*in praktische Erfahrung anstelle von Berufserfahrung dokumentieren willst.
Hochschulzeugnis
Zu den akademischen Zeugnissen gehören das Bachelorzeugnis, Masterzeugnis oder Diplomzeugnis sowie das Promotionszeugnis. Als Akademiker*in ist das Hochschulzeugnis in deiner Online-Bewerbung obligatorisch, zumindest in den ersten Jahren nach deinem Abschluss und bevor deine beruflichen Erfahrungen oder erste Arbeitszeugnisse für dich sprechen können. Dein höchster Bildungsabschluss reicht dabei aus. Begibst du dich bereits während deines Studiums auf Jobsuche, kannst du bei deiner Hochschule ein aktuelles Sammelzeugnis (Transcript of Records) anfordern.
Arbeitszeugnis
Du hast schon Berufserfahrung gesammelt? Als Arbeitnehmer*in hast du einen gesetzlichen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis als objektiven Nachweis über deine Arbeitsweise, deine Leistungen und dein Sozialverhalten. Wenn du Arbeitszeugnisse hast, sollten diese auf jeden Fall Teil deiner Bewerbung sein. Beschränk dich aber auf die drei aktuellsten.

Zertifikate
Zertifikate sind Nachweise über absolvierte Fort- und Weiterbildungen. Das Gute daran ist, dass du dir durch solche besonderen Kenntnisse nicht nur Alleinstellungsmerkmale sicherst, sondern im besten Fall auch die Tür zum Vorstellungsgespräch öffnest. Logisch, dass du nur diejenigen erwähnen solltest, die zur Stelle passen. Am besten ist es, wenn du in deinem Lebenslauf unter „Zusatzqualifikationen“ oder „Weiterbildungen“ die beigefügten Zertifikate und Zeugnisse erwähnst.
Zeugnisse für Fähigkeiten, die nicht spezifisch gefragt sind, die du aber für interessant hältst, kannst du ggf. zum Vorstellungsgespräch mitbringen. Sollten zusätzliche Zertifikate gefragt sein, kannst du sie auf Anfrage nachreichen. Hier ein kleiner Überblick:
- Sprachtests (zum Beispiel TOEFL-, IELTS-, Cambridge-Test, DELF/DALF-Prüfung):
Das sind standardisierte, internationale Sprachtests, die das Niveau deiner Fremdsprachenkenntnisse nachweisen. - Microsoft-Office-Zertifizierung:
Du hast einen Microsoft-Lehrgang absolviert? Super. Microsoft-Office-Kenntnisse werden heutzutage in vielen Stellenausschreibungen der unterschiedlichsten Branchen vorausgesetzt. - Massive Open Online Course (MOOC):
Das sind verschiedene E-Learning-Plattformen, auf denen universitäre Lehrveranstaltungen kostenlos zur Verfügung stehen. Hier kannst du dich je nach persönlichem oder beruflichem Interesse selbstständig weiterbilden. - SAP: SAP ist eine Unternehmenssoftware, die Schulungen anbietet. SAP-Fortbildungen gibt es in sechs Modulen, die du nacheinander oder zeitgleich absolvieren kannst. Die Zertifikate sind international anerkannt.
- Zertifikate, die immer gehen:
Projektmanagement, Kommunikationstraining, spezielle Wirtschaftskenntnisse oder andere Hard Skills.
Übrigens: Zeugnisse und Zertifikate sollten immer in antichronologischer (auch: amerikanischer) Reihenfolge hinter Anschreiben und Lebenslauf angehängt sein. Im Klartext: das aktuellste zuerst. Auch Arbeitszeugnisse, Praktikumsnachweise oder Zertifikate solltest du auf diese Weise sortieren. Angefangen beim neuesten Arbeitszeugnis, gefolgt von Ausbildungs- oder Hochschulzeugnis und Praktikumszeugnis. Zuletzt Zertifikate von Fort- und Weiterbildungen.
Tipp: Gib auf dem Deckblatt oder im Inhaltsverzeichnis deiner Online-Bewerbung an, welche Zeugnisse und Zertifikate in welcher Reihenfolge deiner Bewerbung enthalten sind. Das macht es für die Personalverantwortlichen einfacher und übersichtlicher.
Müssen meine Zeugnisse für die (Online)-Bewerbung beglaubigt sein?
Die Antwort ist nicht ganz eindeutig, da es keine klaren Vorschriften gibt. Aber: Normalerweise müssen deine Zeugnisse nicht beglaubigt sein. In den meisten Fällen reicht es aus, wenn du sie einscannst und verschickst. Bist du dir unsicher, frag doch einfach beim Arbeitgeber nach. Dadurch kannst du unter Umständen viel Geld sparen, denn Beglaubigungen sind teuer. Bewirbst du dich allerdings bei einem öffentlichen Arbeitgeber wie einer Universität, in der Politik oder einer Behörde, solltest du amtlich beglaubigte Zeugnisse einreichen.
Schlechtes Zeugnis lieber weglassen?
Ein schlechtes Zeugnis macht vielleicht nicht den besten Eindruck – aber gar kein Zeugnis weckt Misstrauen. Bewerbungsunterlagen ohne Zeugnisse und Zertifikate kosten dich im schlimmsten Fall die Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Personalverantwortliche könnten vermuten, dass du Kompetenzen angegeben hast, die du gar nicht hast. Darum: Auch wenn du dich mit schlechten Noten bewirbst, heißt das noch lange nicht, dass deine Chancen auf den Job schlechter sind. Vielleicht sind deine Noten nur in den Fächern nicht berauschend, die für die Stelle ohnehin nicht wichtig sind.
Fazit: Auf die richtige Auswahl kommt es an
Was haben Print- und Online-Bewerbungen gemeinsam? Den Aufbau: Vom Deckblatt bis zum Zertifikat ist alles dabei. Die Herausforderung: Die komplette Online-Bewerbung inklusive der eingescannten Zeugnisse und Zertifikate muss zu einem PDF-Dokument zusammengefasst werden, das höchstens 3 MB groß sein darf. Das heißt im Klartext: Qualität statt Quantität. Nimm dir Zeit, um zu entscheiden, welche Nachweise für die ausgeschriebene Stelle relevant sind. Alle anderen kannst du bei Bedarf nachreichen oder ins Vorstellungsgespräch mitbringen. Generell gilt: Deine Online-Bewerbung sollte maximal
- ein Hochschul- oder Ausbildungszeugnis,
- ein Schulzeugnis,
- maximal drei Arbeitszeugnisse und
- drei Zertifikate
enthalten. Und zwar in antichronologischer Reihenfolge, beginnend mit dem jüngsten Dokument. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Auswahl und natürlich auch bei deiner Bewerbung!
Disclaimer: Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen sind sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Korrektheit oder Vollständigkeit; eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernimmt die The Stepstone Group Österreich GmbH keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der angebotenen Inhalte entstehen.
FAQs – Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielen Zeugnisse und Zertifikate in einer Bewerbung?
Eine Bewerbung ohne Zeugnisse und Zertifikate wird wahrscheinlich nicht sehr erfolgreich sein. Denn du kannst zwar in Anschreiben und Lebenslauf deine Bildungsabschlüsse, Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen auflisten – aber um sich ein besseres Bild von dir machen zu können, brauchen Personalverantwortliche neben deiner Selbstbeschreibung auch konkrete Leistungsnachweise.
Für welche Praxiserfahrungen brauche ich Zeugnisse in meiner Bewerbung?
Grundsätzlich brauchst du für alle Praxiserfahrungen, die für die Stelle relevant sind, entsprechende Zeugnisse. Bist du Berufseinsteiger*in, können das z. B. Praktikumszeugnisse sein. Hast du bereits einige Jahre Berufserfahrung gesammelt, reichen die drei jüngsten Arbeitszeugnisse sowie Nachweise über aktuelle Weiterbildungen.
Kann ich mich auch ohne Arbeitszeugnis meines derzeitigen Arbeitgebers bewerben?
Ja. Wenn du kein Zwischenzeugnis hast und nicht willst, dass dein aktueller Arbeitgeber von deiner Jobsuche erfährt, kannst du dich auch ohne Arbeitszeugnis bewerben. Bei Bedarf reichst du es einfach nach, sobald du gekündigt und den neuen Job angetreten hast. Grundsätzlich hast du als Arbeitnehmer*in einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dieses Recht verlierst du erst drei Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses.
Bildnachweis: Maskot/EyeEm
Autorin: Caroline Stanski