Lügen im Lebenslauf

Wie viel Schummeln ist erlaubt?
Beim Verfassen des Lebenslaufs verfolgen wir alle dasselbe Ziel: Wir wollen uns in einem besonders guten Licht darstellen. Immerhin will man damit unter einer Vielzahl von Bewerbern herausstechen und einen potentiellen Arbeitgeber von uns überzeugen. Doch was passiert, wenn sich unsere Ausbildungs- und Berufserfahrung nicht ganz mit den Anforderungen der Stelle decken? Ist es erlaubt, ein wenig zu tricksen? Und wo hört Tricksen auf und geht ins Lügen über? Was ist erlaubt und wovon sollte man besser die Finger lassen? Wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt.

Der Schmale Grat zwischen Tricksen und Lügen

Ein bisschen zu tricksen, um den Lebenslauf aufzupolieren, das ist in der Praxis keine Seltenheit. Auch Lügen kommt häufiger vor, als man es vermuten würde. Doch wo genau liegt der Unterschied? Was ist ok und was geht zu weit? Um diese Frage zu beantworten, sollte man zunächst den Interessenskonflikt verstehen, der dahintersteckt. Auf der einen Seite steht die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Auf der anderen Seite die Interessen des Selbstmarketings, sich bestmöglich zu verkaufen, um in weiterer Folge den Job zu bekommen. Hier gilt es, eine gute Balance zu finden, die moralisch vertretbar ist und vor allem nicht irgendwann auch ernstzunehmende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Dabei gilt: ein bisschen tricksen – ja; unverschämtes Lügen – nein!

Das folgende Beispiel verdeutlicht den Unterschied:

Sie wollen sich als Projektleiter bei einer Firma bewerben.

✓ Tricksen: Wenn Sie bereits in Ihrer letzten Firma im Projektmanagement gearbeitet haben und dabei zwar kein Projektleiter waren, aber für einige Wochen während des Krankenstandes des Projektleiters dessen Aufgaben übernommen haben, könnten Sie die Erfahrung als Projektleiter zu den dort ausgeübten Tätigkeiten anführen. Sie haben diese Erfahrung ja tatsächlich gemacht, wenn auch nur vorübergehend.

X Lügen: Eine ganz deutlich falsche Angabe wäre es, wenn Sie nie die Aufgaben eines Projektleiters hatten, dies aber dennoch in Ihrer Bewerbung angeben, um einen Job als Projektleiter zu bekommen. Davon ist auf jeden Fall abzuraten.

 

Im Lebenslauf gelogen – und jetzt?

Um über die Konsequenzen zu sprechen, stellt sich natürlich zunächst die Frage, wie Lügen in der Praxis überhaupt aufgedeckt werden. Generell weiß man beim Versenden seiner Bewerbung nie, wie genau Sie der potentielle Arbeitgeber unter die Lupe nimmt. Je kleiner das Unternehmen, desto unwahrscheinlicher, dass viel Zeit dafür verwendet wird, Ihren Lebenslauf zu durchleuchten, aber ausschließen lässt es sich nicht. Vor allem bei Unternehmen, die eine Personalberatungsfirma für den Bewerbungsprozess beauftragen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Referenzen eingeholt werden oder gar ehemalige Arbeitgeber angerufen werden. Sollte all dies nicht passieren, kann es dennoch passieren, dass bei einem anschließenden Bewerbungsgespräch Fragen auftauchen, die Sie auf Grund der Lügen nicht zufriedenstellend beantworten können. Oder Sie verstricken sich in Widersprüche. Und spätestens da fängt es an, heikel zu werden. Damit ergibt sich bereits die nächste Frage nach den Konsequenzen: Ist das Lügen im Lebenslauf strafbar?

Warum Sie bei einer vertraulichen Bewerbung nicht lügen sollten, zeigen wir Ihnen in folgendem Artikel.

 

Konsequenzen: Ist das Lügen im Lebenslauf strafbar?

Auch wenn es in der Praxis so gut wie nie vorkommt: das Lügen im Lebenslauf kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Deckt Ihr Arbeitgeber auf, dass Sie bei den Angaben im Lebenslauf gelogen haben, vor allem in Bereichen, die für die Ausübung Ihrer Tätigkeit essentiell sind, kann Ihnen die Entlassung drohen. Bedenken Sie außerdem, dass ein Vertrag, der unter falschen Voraussetzungen zustande gekommen ist, Grund für eine fristlose Kündigung liefert. Im schlimmsten Fall kann Ihnen sogar eine Anzeige wegen Betrugs drohen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering sein mag: Es lohnt sich nicht, zu lügen!

 

Warum lügen, wenn es auch anders geht?

In der Praxis wird oft gelogen, weil Bewerber keine andere Möglichkeit sehen, den Job auf Grund Ihrer Qualifikationen zu bekommen. Doch es geht auch anders. Wir durchleuchten die häufigsten Fälle, in denen gelogen wird und zeigen Ihnen Alternativen zur Lüge:

 

Lüge 1: Eine Lücke im Lebenslauf kaschieren

Natürlich sind Lücken im Lebenslauf nicht immer angenehm zu erklären, aber sie sind menschlich. Anstatt etwas zu erfinden, gehen Sie besser in sich und überlegen Sie, was Sie in der Zeit der Arbeitslosigkeit gemacht haben? Können Sie beispielsweise eine Weiterbildung anführen? Einen Auslandsaufenthalt? Oder haben Sie in dieser Zeit intensiv nach einem neuen Job gesucht und können diese Phase Ihres Lebens als „Berufliche Neuorientierung“ deklarieren? Es muss keine Lüge sein, wenn Sie das, was sie gemacht haben, in eine schöne Formulierung verpacken. Weiterführende Tipps dazu, wie Sie mit diesen Brüchen in der Vita umgehen, finden Sie in unserem Artikel zu Lücken im Lebenslauf.

 

Lüge 2: Fremdsprachenkenntnisse besser darstellen

Das ist jene Lüge, die im Zuge eines Bewerbungsgespräches am schnellsten aufgedeckt werden kann. In der Praxis kommt es immer häufiger vor, dass Teile des Bewerbungsgespräches auch auf Englisch oder einer anderen, für die Position erforderlichen Fremdsprache abgehalten wird. Anstatt hier zu lügen und sein Sprachniveau fälschlicherweise zu hoch einzustufen, melden Sie sich doch für einen (teilweise auch kostenlosen) Online-Kurs im nächsthöheren Sprachniveau an. So müssen Sie bei Ihrem tatsächlichen Sprachniveau nicht lügen und können angeben, dass Sie gerade daran arbeiten, das nächste Sprachniveau zu erreichen.

 

Lüge 3: Etwas im Lebenslauf weglassen

Oft entscheiden sich Bewerber dafür, eine Arbeitsstelle nicht im Lebenslauf anzuführen. Das kann mehrere Gründe haben: man war nur ein oder zwei Monate dort, man hat gemerkt, dass es einem nicht gefällt, die Tätigkeit ist einem im Nachhinein peinlich. Zwar ist das Weglassen eines Arbeitgebers nicht ganz so dramatisch wie das Dazuerfinden eines Arbeitgebers, aber oft beraubt man sich dabei selbst einer Chance. Sie wissen immerhin nicht, wonach Ihr potentieller neuer Arbeitgeber sucht. Vielleicht birgt gerade dieser Job Potential für Sie. Machen Sie sich lieber Gedanken, wie Sie diese Anstellung positiv für sich nutzen können, anstatt unnötig eine Lücke in Ihren Lebenslauf aufzunehmen. Erfahren Sie auch alles zum perfekten Lebenslauf mit relevanten Inhalten und Informationen.

 

Wo darf man lügen?

Es gibt die sogenannte Privatsphäre des Bewerbers, die im Arbeitsrecht besonders geschützt ist und das bedeutet: Man muss auf Fragen, die in diese Privatsphäre eingreifen, nicht wahrheitsgemäß antworten. Zu folgenden Bereichen müssen Sie keine Auskünfte geben:

 Fragen zu Religionsbekenntnis, Weltanschauung, Mitgliedschaft bei Vereinen, politische Einstellung (Ausnahme: Wenn Sie bei einem Tendenzbetrieb arbeiten möchten, also einer politischen Partei, einer kirchlichen Einrichtung, wo einer dieser Bereiche für die Ausübung der Tätigkeit relevant ist, darf die Frage durchaus gestellt werden.)
 Fragen nach Familienstand, Kindern, Kinderwunsch, Partnerschaft etc.
 Frage nach Schwangerschaft: Diese Frage ist sogar so verpönt, dass Sie absichtlich lügen dürfen, ohne dass Konsequenzen drohen.
 Frage nach der Gesundheit: Hier muss nur angegeben werden, was eine Gefahr für Kollegen oder Kunden darstellen könnte. Beachten Sie, dass ein ärztliches Attest keineswegs Ihre Krankheiten auflisten muss. Es muss lediglich die Information enthalten, ob Sie für die Tätigkeit geeignet sind oder nicht.
 Frage nach Vorstrafen (Ausnahme: Nur wenn es einen Zusammenhang zwischen der Stelle und der begangenen Straftat gibt, muss dies gemeldet werden.)

Weiterführende Informationen finden Sie in unserem Artikel über unzulässige Fragen im Bewerbungsgespräch.

 

Beispiele: Was ist ok? Was ist nicht ok?

Was auf jeden Fall tabu sein sollte: Anstellungen erfinden, Berufserfahrung dazuschwindeln, Ausbildungen ergänzen, die Sie gar nicht absolviert haben.

Wo flunkern erlaubt ist: tatsächlich ausgeführte Tätigkeiten in vorherigen Anstellungen „interessanter“ darstellen, als sie waren oder Erfolge besser darstellen, als sie tatsächlich waren.

 

Falsche Angaben: Bewerbungsgespräch

Denken Sie daran: Spätestens beim Bewerbungsgespräch können Lügen ans Licht kommen. Und dann haben Sie nicht nur die Glaubwürdigkeit verloren, sondern auch die Chance auf den Job. Vieles lässt sich leicht aufdecken. So können Fremdsprachenkenntnisse bei einem Bewerbungsgespräch ganz leicht überprüft werden. Auch bei ausgeübten Tätigkeiten, die Sie fälschlicherweise angegeben haben, können Rückfragen kommen, die Sie im Detail so vielleicht gar nicht beantworten können. Wer bei einem Bewerbungsgespräch authentisch auftreten möchte, sollte von Lügen und allzu übertriebenen Selbstdarstellungen die Finger lassen. Überlegen Sie sich stattdessen, wie Sie Ihre Stärken bestmöglich präsentieren, denn damit werden Sie mehr punkten, als mit erfundenen und auch leicht aufdeckbaren Lügen. Wie Sie Ihre Stärken für den Lebenslauf und das Bewerbungsgespräch herausfiltern und ins beste Licht rücken, verrät Ihnen unser Artikel über Stärken im Bewerbungsgespräch. Allgemeine Tipps zur Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch erhalten Sie in unseren Artikeln über das perfekte Vorstellungsgespräch sowie die gelungene Selbstpräsentation. Wir zeigen Ihnen auch welche Fragen beim Bewerbungsgespräch unzulässig sind, um am großen Tag des Interviews gewappnet zu sein.

Bildnachweis: Alija/Quelle: www.istockphoto.com

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