17. April 2023
Lesedauer: 6 Min.

Sabine Schönfellner

Cultural Fit

Wie finden Sie heraus, ob ein*e Bewerber*in sich mit Ihrer Unternehmenskultur identifizieren kann? Welche Vorteile bringt es mit sich, den Cultural Fit auch im Recruiting zu berücksichtigen? Eine umfassende Übersicht sowie konkrete Tipps fürs Recruiting finden Sie hier.

Alle Informationen zum Thema Cultural Fit im Überblick

Bei der Personalauswahl steht an erster Stelle, dass Bewerber*innen die fachlichen Qualifikationen für die ausgeschriebene Stelle erfüllen sollten. Darüber hinaus gibt es allerdings noch weitere Faktoren, die bei der Eignung eine wichtige Rolle spielen – und dazu gehört der „Cultural Fit“.

Definition: Was versteht man unter Cultural Fit?

Der Cultural Fit beschreibt, wie gut eine Person zu einer Organisation oder einer Firma passt in Bezug auf die Werte, Normen, Kultur und gemeinsamen Ziele. Auf Deutsch wird der Begriff in der Regel als „kulturelle Übereinstimmung“ übersetzt, die häufigsten Synonyme sind kulturelles Zusammenspiel, kulturelles Matching oder kulturelle Anpassung. Spricht man von der Anpassungsfähigkeit eines Individuums an verschiedene kulturelle Kontexte (auch über die Arbeitswelt hinaus), wird das hingegen „cultural fitness“ genannt. Diese Fähigkeit zur Anpassung wird in der globalisierten und vernetzten Welt immer wichtiger. Der „Person-Job-Fit“ wiederum beschreibt, wie gut die Fähigkeiten einer Person und ihre individuellen Bedürfnisse mit den Anforderungen eines konkreten Jobs zusammenpassen.

Mitarbeiter*innen empfinden Cultural Fit als wichtig

In der Stepstone Studie zum Thema „Arbeitgeberattraktivität“ zeigte sich, dass eine passende Unternehmenskultur zu den Top-5-Kernkriterien bei der Jobauswahl gehört. Leider gibt es diesbezüglich noch großen Nachholbedarf. Obwohl sich 90 Prozent der Mitarbeiter*innen eine gute Unternehmenskultur wünschen, empfinden nur 18 Prozent diese bei ihrem aktuellen Arbeitgeber als attraktiv. Dieser fehlende Cultural Fit kann sich negativ auf die Motivation und Arbeitszufriedenheit auswirken. Deshalb sollten Unternehmen neben fachlichen Kompetenzen unbedingt auch die persönliche Passung der Kandidat*innen mit dem Job und der Unternehmenskultur berücksichtigen. Dafür muss die Kultur des Unternehmens natürlich ermittelt und intern definiert sein sowie auch in der externen Kommunikation klar erkennbar werden.

Warum ist ein guter Cultural Fit wichtig?

Wie wird der Cultural Fit gemessen – Tipps fürs Recruiting

Im Recruiting sollte schon vor dem Bewerbungsgespräch auf den Cultural Fit von potenziellen Bewerber*innen geachtet werden. Dafür können etwa Referenzen und Empfehlungen von früheren Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen herangezogen werden, um zu erfahren, wie der*die Bewerber*in bisher in Teams gearbeitet hat, welche Soft Skills unter Beweis gestellt wurden und ob es eventuell zu Problemen in dieser Hinsicht gekommen ist.

Im Bewerbungsverfahren sollten auf jeden Fall Fragen zur Unternehmenskultur gestellt werden. Dabei kann der*die Bewerber*in offen gefragt werden, was er*sie über die Unternehmenskultur schon weiß oder auch danach gefragt werden, wie er zu gewissen Werten oder Zielen steht.

Bei den Aufgaben im Bewerbungsgespräch eignen sich Aufgaben zu Soft Skills (etwa Teamfähigkeit und Anpassungsfähigkeit) sowie zum Kommunikationsstil dazu, mehr über den Cultural Fit zu erfahren. Auch über Szenarien oder Testaufgaben lässt sich erfahren, wie Bewerber*innen in bestimmten Situationen mit anderen umgehen und zum Ziel kommen wollen. Alternativ dazu können Bewerber*innen auch vorab gebeten werden, eine Unternehmenspräsentation vorzubereiten, die auch auf die Unternehmenskultur eingeht, um zu zeigen, welche Aspekte daran ihnen besonders wichtig erscheinen. Das vermittelt einerseits einen guten Eindruck davon, wie das Unternehmen auf einzelne Bewerber*innen wirkt und zeigt auch, ob diese zum Unternehmen passen.

Cultural Fit im Bewerbungsgespräch

Wenn Sie ein Bewerbungsgespräch führen, sind das die besten Fragen in Bezug auf den Cultural Fit:

Bitten Sie die Bewerber*innen dabei auch immer um konkrete Beispiele, lassen Sie sich Situationen oder Ereignisse schildern, durch die das Genannte verdeutlicht wird.

Die Folgen eines fehlenden Cultural Fits

Insgesamt kann sich ein geringer Cultural Fit der Mitarbeiter*innen auch negativ auf die Firmenkultur auswirken, da sich fehlender Teamgeist und Unzufriedenheit auch auf die anderen Mitarbeiter*innen, deren Zufriedenheit und Produktivität auswirken.

Cultural Add vs. Cultural Fit

Cultural Add“ ist ein verwandter Begriff, der in Zusammenhang mit Unternehmenskultur und Personalauswahl steht. Es geht dabei um die Betrachtung dessen, was die Mitarbeiter*innen dazu beitragen können, die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln und zu bereichern. Sie können ihre unterschiedlichen Hintergründe, Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven gut einbringen. Im Sinne des Diversity Management sollte daher auch berücksichtigt werden, wie eine vielfältige Belegschaft zu Innovation und zu besseren Entscheidungsprozessen beiträgt und wie das Arbeitsumfeld dadurch inklusiver und dynamischer wird.

Autor: Sabine Schönfellner
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