Ihr Recht und Privileg: das Arbeitszeugnis

Alles rund um Ihren rechtlichen Anspruch, den Aufbau und Alternativen zum Dienstzeugnis
Nicht nur für die eigene Neugier und Wertschätzung sollten Sie Ihren Anspruch auf ein Arbeitszeugnis wahrnehmen, sondern auch um Ihre erbrachten Tätigkeiten schwarz auf weiß für kommende Bewerbungen mitschicken zu können!

Drei Formen des Arbeitszeugnisses

Personaler unterscheiden zwischen einfachen und qualifizierten Arbeitszeugnissen sowie dem Zwischenzeugnis. Während es beim einfachen Dienstzeugnis lediglich Ihre Personalien und die faktische Art und Dauer der Beschäftigung auf das Papier schaffen, enthält das qualifizierte Arbeitszeugnis im Kernstück Aussagen zu Ihren Tätigkeiten und Einschätzungen zu Ihrer Leistung. Die Beurteilung Ihrer Leistung und die Bewertung Ihres Sozialverhaltens sind somit das Herzstück einer qualifizierten Stellungnahme, welche vor allem zukünftige Arbeitgeber interessiert. Sie können sich jedoch auch ohne Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen, welches die einfache oder die qualifizierte Form annehmen kann. Diese Form bietet sich insbesondere an, falls Sie bereits sehr lange in demselben Unternehmen arbeiten, Ihr Vorgesetzter oder Ihre Position sich verändert.

 

Ihr rechtlicher Anspruch

Damit nicht der Anschein entsteht, dass Sie etwas zu verbergen haben, sollten Sie stets ein qualifiziertes Arbeitszeugnis einfordern. Laut Angestelltengesetz (§ 39) ist der Dienstgeber jedoch lediglich verpflichtet,

bei Beendigung des Dienstverhältnisses dem Angestellten auf Verlangen ein schriftliches Zeugnis über die Dauer und die Art der Dienstleistung auszustellen. Eintragungen und Anmerkungen im Zeugnis, durch die dem Angestellten die Erlangung einer neuen Stelle erschwert wird, sind unzulässig.“

Der letzte Satz im Paragraph bezieht sich darauf, dass die Aussagen in Ihrem Zeugnis nicht nur wahr, sondern auch wohlwollend sein müssen. Sollte Ihr ehemaliger Arbeitgeber Ihrem Anspruch auf ein Arbeitszeugnis nach Einforderung nicht nachkommen, können Sie dieses über das Arbeits- und Sozialgericht einklagen. Theoretisch verjährt Ihr Anspruch auf ein Dienstzeugnis erst nach 30 Jahren. Jedoch haben Sie dabei nicht das Recht auf Aussagen zur Qualität Ihrer Leistungen, wie sie im qualifizierten Zeugnis üblich sind. Während ein Abschlusszeugnis von Ihrem Arbeitgeber immer gebührenfrei ausgestellt werden muss, können Zwischenzeugnisse auf Ihre Kosten gehen.

 

Der perfekte Aufbau

Auch wenn die Form und der Aufbau der Zeugnisse dem Arbeitgeber im Rahmen der rechtlichen Vorschriften freigestellt sind, orientieren sich die meisten Arbeitszeugnisse an dieser Struktur:

✓ Briefkopf des Arbeitgebers
✓ Überschrift „Arbeitszeugnis“
✓ Daten über Sie als Arbeitnehmer: Vor- und Zuname, Geburtsdatum und -ort sowie die Dauer Ihrer Anstellung mit Ihrer korrekten Positionsbezeichnung
✓ Kurze Firmenbeschreibung (optional)
✓ Ihr Tätigkeitsfeld: präzise Auflistung Ihrer jobspezifischen Haupt- und Nebentätigkeiten, meist in ihrer Wichtigkeit absteigend
✓ Bei qualifizierenden Zeugnissen: Bewertungen Ihrer Leistungen und Ihres Sozialverhaltens
✓ Der Grund für das Ende des Arbeitsverhältnisses (optional, mit Einverständnis)
✓ Schlussformulierung (Danksagung, Zukunftswunsch)
✓ Ort, Datum und Unterschrift (Firmenstempel)

 

Geheimcodes im Arbeitszeugnis – übersetzte Formulierungen

Dadurch, dass Ihr Arbeitgeber rechtlich verpflichtet ist, Ihnen durch die Kritik im Arbeitszeugnis keinerlei Steine in den zukünftigen Karriere-Weg zu legen, hat sich die Nutzung gewisser Geheimcodes etabliert. Hinter augenscheinlich netten Formulierungen kann sich harte Kritik verbergen, weshalb Sie sich mit der Zeugnissprache ein wenig vertraut machen sollten. Damit „gute Noten“ und der eigene Anspruch eins werden, bedarf es eines kritischen Blicks auf die Formulierungen in Ihrem Zeugnis, die in Noten übersetzt werden können:

Note 1: Alle Formulierungen fernab des Superlativs „stets zur vollsten Zufriedenheit“ sind bereits schlechter als „sehr gut“ anzusiedeln.

Note 2: Sie haben lediglich „stets zur vollen Zufriedenheit“ oder „stets bemüht“ gehandelt? Hört sich sehr gut an, entspricht aber bereit der Note „gut“.

Note 3: Bei einem Projekt haben Sie sich “zur vollen Zufriedenheit“ und mit „mit ganzer Kraft“ eingesetzt? Dies kann entweder bedeuten, dass Sie sich bei allen anderen Projekten nicht so viel Ausdauer gezeigt haben oder das zufriedenstellende Ergebnis Ihres Krafteinsatzes höchstens „befriedigend“ war.

Note 4: Nun kommen wir auf die Formulierungsebene, die Ihrer zukünftigen Karriere schaden könnte, sobald Sie sich lediglich „im Rahmen Ihrer Fähigkeiten eingebracht“ haben, die „zur Zufriedenheit“ Ihres Arbeitgebers geführt hat.

Note 5: Niemals dulden sollten Sie die Formulierung, dass Ihr Arbeitgeber „im Großen und Ganzen schon zufrieden“ oder einfach nur „zufrieden“ mit Ihnen war!

Sollte Ihnen Ihr Arbeitgeber schlechtere Formulierungen als die Übersetzungen laut Note 3 erteilen, können Sie von Ihrem Recht Gebrauch machen, ein wohlwollendes und korrekt ausgestelltes Zeugnis zu erhalten. Auch Formulierungen, die darauf hinweisen, dass Sie immer mit Begeisterung und Interesse bei dem Thema waren oder dass Sie zum guten Betriebsklima beigetragen haben, können Hinweise dafür sein, dass Sie ein euphorischer Mensch sind – vor allem in den langen Pausen. Achten Sie also darauf, dass Ihre Leistung, Ihr Fachwissen und Ihre Projekte positive Erwähnung finden und Sie nicht durch Passivkonstruktionen dargestellt werden!

 

„Hilfe, ich muss mein Zeugnis selbst verfassen!“

Es ist mittlerweile der Normalzustand, dass Arbeitnehmer sich Ihr Dienstzeugnis selbst zusammenstellen sollen. Der richtige Aufbau und die bewusste Zeugnissprache sind dabei essentiell. Insbesondere ein durchgehend positives Zeugnis, welches lediglich Superlative benutzt, kann für Personaler auch suspekt wirken und nach Lobhudelei riechen. Diese Anleitung, um das perfekte Arbeitszeugnis selbst zu schreiben, bewahrt Sie vor den größten Fettnäpfchen beim DIY-Zeugnisschreiben.

 

Alternativen zum Arbeitszeugnis

Da individuell formulierte Zeugnisse auf Seiten der Arbeitgeber Zeit und Aufwand bedeutet, liegt der Verdacht nahe, dass diese nur selten ausgestellt werden. Aufgrund der Kritik kommen Alternativen ins Gespräch: Tätigkeitsbeschreibungen oder Referenzschreiben. Insbesondere wenn Ihr Tätigkeitsfeld spezifisch und individuell ist, lohnt sich eine Tätigkeitsbeschreibung Ihres beruflichen Felds. Darin spielen Projekte, von denen Sie Teil waren und der Verlauf Ihrer Tätigkeitsveränderungen über Zeit eine große Rolle. So haben Sie eine gute Chance durch Ihren Arbeitsstil zu überzeugen, indem ihr arbeitstechnisches Vorgehen mehr Platz erhält. Auch wenn in Österreich Referenzen bislang noch kein Standard sind, kann ein Empfehlungsschreiben viel wert sein. Fragen Sie dafür jemanden, der Sie und Ihre Arbeit besonders gut einschätzen kann und zukünftig als möglicher Kontakt für Personaler zur Verfügung steht.

 

Zeugnisse für Praktika und Studentenjobs

Da auch Praktikanten und studentische Hilfskräfte in die Kategorie der Arbeitnehmer fallen, gelten für sie die gleichen Ansprüche wie für Vollbeschäftigte. Aber auch hier wird wiederum – analog zum einfachen und qualifizierten Arbeitszeugnis – zwischen der qualifizierte Praktikumsbeurteilung und einer simplen Praktikumsbescheinigung unterschieden. Letztere ist oftmals ausreichend für Schulen und Universitäten, insofern das befristete Arbeitsverhältnis im Sinne eines Pflichtpraktikums in die Ausbildung integriert ist.

 

FAQs

Habe ich Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?

Ja, Sie haben auf Anfrage den Anspruch auf ein einfaches Zeugnis. Ihr Arbeitgeber ist aber in Form sowie Aufbau frei und muss keine qualifizierende Einschätzung Ihrer Leistungen verschriftlichen. Freie Dienstnehmer haben jedoch keinen Anspruch auf die Ausstellung eines Dienstzeugnisses.

Wann muss das Arbeitszeugnis spätestens ausgestellt werden?

Fordern Sie Ihr Arbeitszeugnis immer sofort bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Sollte sich Ihr Vorgesetzter weigern, teilen Sie ihm schriftlich eine realistische, selbst gesetzte Frist mit! Ansonsten bleibt Ihnen nur der Rechtsweg mittels Klage über das Arbeits- und Sozialgericht.

Habe ich einen Schadensersatzanspruch, falls ich kein Arbeitszeugnis bekomme?

Nach einer erheblich verspäteten Ausstellung des Dienstzeugnisses nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses, haben Sie allgemein Anspruch auf Schadensersatz, insofern dies Ihre zukünftige Arbeitssuche erschwert hat.

Wer sollte das Zeugnis unterschreiben?

Ihr Dienstzeugnis sollte von Ihrem bisherigen Personalverantwortlichen unterschrieben werden, da dieser die Autorität und idealerweise die beste Einschätzung zu Ihren Tätigkeiten und Leistungen besitzt.

Was muss drinstehen?

Ihr Arbeitgeber ist den Kriterien eines einfachen Dienstzeugnisses verpflichtet.

Was darf nicht drinstehen?

Der Grund für Ihr Ausscheiden aus dem Unternehmen sowie Ihre Anschrift dürfen nur mit Ihrer Zustimmung genannt werden. Auch krankheitsbedingte Fehltage oder die Elternzeit haben lediglich Ihre Daseinsberechtigung, insofern sie einen erhebliche Zeit des Arbeitsverhältnisses ausgemacht haben.

Darf ich das Arbeitszeugnis anfechten?

Sollten die Formulierungen Ihres Zeugnisses auf eine schlechte Bewertung hinweise, die Ihrer zukünftigen Jobsuche im Weg stehen könnte, dürfen Sie rechtlich dagegen vorgehen. Versuchen Sie aber zunächst friedlich das Gespräch zu suchen, da nicht jedes Unternehmen über eine Personalabteilung bzw. Personaler mit fließender Zeugnissprache verfügt.

Was ist Personalern am Arbeitszeugnis wichtig?

Neben korrekten Formalitäten sowie deckungsgleichen – aber nicht wortgleichen! – Angaben zu Ihrem Lebenslauf wollen Personaler insbesondere einen zusammenhängenden Text anstelle von einzelnen Textbausteinen.

Wo kann ich mein Arbeitszeugnis überprüfen lassen?

Sie können sich privat rechtlichen Rat einholen oder das Dienstzeugnis durch die Arbeiterkammer prüfen lassen.

 

Zukünftige Karrierechancen: das Arbeitszeugnis wird oft unterschätzt

Wie wichtig Ihr Arbeitszeugnisse für Ihre kommenden Bewerbungen (siehe schriftliche Bewerbung per-Email) sein kann, versinnbildlicht der routinierte Ablauf eines Personalers. Nachdem Anschreiben und Lebenslauf zum weiteren Durchsehen der Bewerbung motiviert haben, kommen an dieser Stelle Ihre Zeugnisse zum Einsatz. Spätestens zu diesem Zeitpunkt widmet man sich in den Personalabteilungen den Zeugnissen von der Ausbildung oder dem Studium und dem Arbeitszeugnis. Da Arbeitsproben oft unüblich sind, ist das neben Empfehlungsschreiben der einzige Weg, um herauszufinden, ob die bisherigen Unternehmen mit der Arbeitsleistung des Bewerbers zufrieden waren. Geheimcodes, die in jeder Aussage verpackt sind, werden gedeutet und können so noch den ausschlaggebenden Unterschied für Sie machen. Sie planen einen Jobwechsel, wir zeigen Ihnen in einem zusätzlichen Artikel, 12 Tipps zur diskreten Jobsuche. Wir zeigen Ihnen ebenfalls alle Bewerbungstipps auf einen Blick, damit Sie gestärkt in den kommenden Bewerbungsmarathon starten können.

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