Job, Beruf oder Berufung?

Arbeit um der Arbeit willen ist gegen die menschliche Natur. – John Locke
Viele sehnen sich nach Erfüllung im beruflichen Alltag. Eine Tätigkeit, in der man aufgeht. Aufgaben, die einem Spaß machen. Doch was ist möglich und wie findet man seine persönliche Berufung?

Worin liegt der Unterschied zwischen Job, Beruf und Berufung?

Berufung ist mehr als ein Job, es ist eine Sinnaufgabe. – Ursula Maria Lang

Fällt es Ihnen schwer, zwischen den einzelnen Begriffen zu unterscheiden? Keine Sorge, damit sind Sie nicht alleine, denn eine eindeutige, allgemein gültige Abgrenzung gibt es nicht. Was es jedoch gibt, ist eine Unterscheidung der Begriffe in ihrem täglichen Gebrauch:

Der Begriff Job wird meist sehr neutral verwendet, um die Ausübung einer erwerbsmäßigen Tätigkeit zu beschreiben. Hier wird jedoch nichts bewertet, der Ausdruck gibt keinen Aufschluss darüber, ob man Gefallen an der Tätigkeit findet oder nicht. Es steht vielmehr das Ziel im Vordergrund, Geld zu verdienen.

Etwas anders ist das beim Begriff Beruf. Denn während der Job eine Tätigkeit ist, die man kurz- oder mittelfristig ausübt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat man sich beim Beruf bereits Gedanken darüber gemacht, mit welcher Tätigkeit man zu seinem monatlichen Gehalt kommen möchte. Der Beruf ist in den meisten Fällen auch mit einer vorhergehenden Ausbildung verbunden, zu der man sich bewusst entschieden hat.

Noch einen Schritt weiter geht die Berufung. Hinter diesem Begriff steht bereits eine Ideologie. Zur Berufung wird eine Tätigkeit erst dann, wenn man sich damit identifizieren kann, wenn man sie gerne macht und wenn sie einen erfüllt. Das wirft jedoch eine Frage auf:

 

Muss Arbeit Spaß machen?

Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten. – Aristoteles

Muss Arbeit Spaß machen? Eigentlich müsste man über diese Frage gar nicht lange grübeln. Natürlich soll Arbeit Spaß machen. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Viele beschreiben ihre berufliche Tätigkeit als öde, monoton, langweilig oder gar stumpfsinnig. Und das hat nicht nur für den Mitarbeiter Auswirkungen. Auch der Arbeitgeber leidet langfristig darunter, wenn Mitarbeiter lediglich Dienst nach Vorschrift schieben, weil sie sich mit den Aufgaben oder dem Unternehmen nicht identifizieren können.

Man könnte die Frage jedoch auch anders formulieren: Wenn uns die Arbeit so viel Spaß macht und Erfüllung bringt, weshalb sollten wir dann überhaupt dafür bezahlt werden? Reicht es nicht auch, wenn wir unsere Freizeit so gestalten, dass sie uns erfüllt und unserem Leben den Sinn gibt, nach dem wir streben? Im Grunde ist doch Arbeit ein Tauschhandel zwischen Zeit und Geld. Wir zeigen Ihnen in einem weiteren Artikel, wie Sie zu Ihrer Work-Life-Balance kommen.

Gibt es diesen einen Traumjob überhaupt, den wir als unsere Berufung ansehen? Sollten wir genau danach streben? Oder einfach mit dem, was wir haben, zufriedengeben? Eine allgemein gültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Im Endeffekt muss jeder für sich entscheiden, wie wichtig es ihm ist, Spaß an seiner beruflichen Tätigkeit zu haben.

Alternativ schaffen Tricks fürs Feelgood im Büro Abhilfe und verhelfen zu einer besseren Laune.

 

Jobwechsel – besteht bereits Handlungsbedarf?

Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen. – Chinesisches Sprichwort

Ist die Überlegung eines Jobwechsels einmal aufgetaucht, lässt sie einen nur schwer wieder los. Doch ab wann besteht tatsächlich Handlungsbedarf? Ein Jobwechsel erfordert Zeit und Mühen. Und er bedarf Vorbereitungen, Bewerbungsprozessen etc. Wollen Sie das wirklich auf sich nehmen? Orientieren Sie sich anhand der folgenden Kriterien:

Können Sie sich im Job beweisen?
Erhalten Sie die nötige Anerkennung bei Erfolgen?
Fordert Sie ihr Job?
Ist ihr Job abwechslungsreich?
Ist Ihr Job gut für die Gesundheit?
Können Sie mit dem auftretenden Stress und Ärger umgehen?
Lässt sich Ihr Job mit Ihren Lebensumständen vereinbaren?
Motiviert Sie Ihr Vorgesetzter?

Je öfter Sie diese Fragen mit nein beantworten, desto eher sollte man sich nach beruflichen Alternativen umsehen. Unserer Artikel über die Entscheidungshilfe zum Jobwechsel liefert Ihnen darüber hinaus noch zusätzliche Informationen und Entscheidungstipps. Fest steht: Wenn Sie bei der Frage, was Ihnen an ihrem Job gefällt und was nicht, mehr Punkte auf der Negativ-Seite finden als auf der Positiv-Seite, kann es keinesfalls schaden, seine Fühler vorsichtig am Jobmarkt auszustrecken. Was auch noch helfen kann, wenn Sie sich vom Job ausgebrannt fühlen – Downshifting ist das Zauberwort, das Ihnen mehr Zeit für Ihr Privatleben gibt.

 

Wie findet man seine persönliche Berufung?

Alles, was ich mit Begeisterung tue, mache ich gerne und was ich gerne mache, mach ich auch gut! – Silke Weigand

Nicht jeder weiß, was seine persönliche Berufung ist. Wer noch wenig Arbeitserfahrung hat, kann oft gar nicht sagen, welche Tätigkeiten ihm Spaß machen könnten. Beantworten Sie sich selbst daher die folgenden Fragen zum Selbstcoaching von Mag. Irene Galler, Expertin im Bereich Persönlichkeits- und Gesundheitscoaching. Dadurch können Sie eine bessere Idee dafür bekommen, in welche Richtung es beruflich für Sie gehen sollte:

✓ Welches Leben möchte ich leben?
✓ Habe ich eine Lebensaufgabe?
✓ Habe ich eine Vision?
✓ Welche Werte sind mir wichtig?
✓ Welche meiner Werte möchte ich in meiner beruflichen Tätigkeit leben?
✓ Welchen Sinn soll meine berufliche Tätigkeit haben?
✓ Wofür „lohnt“ es sich, sich zu engagieren?
✓ Bei welchen Tätigkeiten fühle ich mich total verbunden?
✓ Womit habe ich mich schon als Kind immer begeistert beschäftigt?
✓ Welche Themengebiete ziehen mich immer wieder magisch an?
✓ Was fällt mir einfach zu (Themen, Menschen, Situationen, Fragen, usw.)?
✓ Was liegt mir einfach im Blut?

Ein Jobwechsel muss nicht zwangsläufig auch in derselben Stadt erfolgen. Vielleicht finden Sie Ihre Berufung ja auch im Ausland. Unser Artikel über die erfolgreiche Karriere im Ausland informiert Sie über alles, was es dabei zu bedenken gilt.

 

Der Weg zur Berufung – in drei Schritten

Kaum verlieren wir das Ziel aus den Augen, verdoppeln wir unsere Anstrengungen. – Mark Twain

1. Sein persönliches Mission Statement finden:

Wenn Sie nun die Fragen zum Selbstcoaching für sich beantwortet haben und dadurch eine bessere Idee haben, wie Ihre Berufung aussehen könnte, kann Ihnen ein persönliches Mission Statement bei der Umsetzung helfen. Fassen Sie in maximal zwei Sätzen zusammen, welche beruflichen Ziele Sie antreiben und wo Ihre Leidenschaft liegt. Hier einige Beispiele:

„Ich möchte kranken Menschen helfen und Ihnen den Genesungsprozess durch alternative Heilmethoden erleichtern.“

„Ich möchte die Hochzeit für Paare zu einem ganz speziellen, unvergesslichen Erlebnis machen, das ihre Persönlichkeit und auch Interessen perfekt widerspiegelt.“

„Ich möchte in der Welt des Marketings einen neuen Weg einschlagen und durch ausgefallene Kampagnen und Wortspiele für Bioprodukte begeistern.“

2. Ziele und Zwischenschritte definieren:

Jetzt fängt es bereits an, konkret zu werden. Um die berufliche Tätigkeit mit der Berufung zu vereinen, bedarf es oft einer intensiven Vorbereitung. Welche kleineren Zwischenziele müssen Sie beispielsweise erreichen, um irgendwann beim Endziel anzugelangen? Sind Aus- oder Weiterbildungen dafür nötig? Haben Sie bereits Erfahrung in diesem Bereich oder müssen Sie diese zum Einstieg erst sammeln? Ist ein Quereinstieg möglich? Müssen Sie zunächst Zwischenschritte auf der Karriereleiter einplanen, ehe Sie die angestrebte Position antreten können? Denken Sie alles in Ruhe durch. Wenn Ihnen die Erfahrungswerte fehlen, fragen Sie Freunde und Bekannte oder ziehen Sie Experten in Form eines Karrierecoachings hinzu. Auch Stelleninserate können Ihnen Aufschluss darüber geben, welche Anforderungen für die Wunschposition erforderlich sind.

3. Ziele und Zwischenschritte umsetzen:

Beginnen Sie damit, die Planung in die Realität umzusetzen. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor und lassen Sie sich auch von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen. Halten Sie sich immer vor Augen, wohin Ihr Weg gehen soll. Angst und Fehler sind dabei vollkommen normal. Nur wer dennoch dranbleibt und sich nicht davon abschrecken lässt, gelangt schlussendlich auch ans gewünschte Ziel. Scheuen Sie auch nicht davor zurück, Ihre Vorgehensweise anzupassen, sollte dies irgendwann notwendig sein. Die Arbeitswelt verändert sich laufend und vieles eröffnet sich einem erst, wenn man tiefer in die Materie eingetaucht ist.

 

Trennung zwischen Berufung und Privatleben

Was ohne Ruhepausen geschieht, ist nicht von Dauer. – Ovid

Sind Sie bereits am Ziel angekommen, in dem ihre berufliche Tätigkeit tatsächlich auch Ihrer Berufung entspricht, gibt es noch eines zu Bedenken: die Abgrenzung zu Ihrem Privatleben. Das ist oft gar nicht so einfach wie man denkt. Denn wer für seine Arbeit brennt, riskiert vielleicht auch, irgendwann „auszubrennen“. Eine gesunde Balance ist und bleibt wichtig – egal, wie viel Spaß man an der Arbeit hat. Achten Sie daher auf die richtige Work-Life-Balance:

  • Suchen Sie sich einen sportlichen Ausgleich, der Ihnen Spaß macht.
  • Achten Sie auf entspannende Tätigkeiten, bei denen Sie abschalten und neue Kraft tanken können.
  • Treffen Sie Freunde – und das am besten regelmäßig.
  • Lernen Sie, auch manchmal nein zu sagen. Unser Artikel über die Kunst, freundlich nein zu sagen hilft Ihnen dabei.
  • Scheuen Sie nicht davor, auch Leerzeiten in Ihrem Kalender einzuplanen. Dadurch gönnen Sie sich Zeit für sich selbst – was Sie dann damit machen, bleibt Ihnen überlassen.

 

Bildnachweis: Jacob Wackerhausen/Quelle: istockphoto.com

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