30.01.2025
Lesedauer: 11 Min.

Beatrix Mittermann

Outplacement

Outplacement ist eine wichtige Unterstützung für Unternehmen, die ihre Mitarbeiter*innen bei der beruflichen Neuorientierung nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen begleiten möchten. Es umfasst maßgeschneiderte Beratung und Dienstleistungen, die den betroffenen Beschäftigten helfen, schnell eine neue Anstellung zu finden. Für Personalabteilungen bietet Outplacement den Vorteil, den Übergangsprozess sozial verantwortlich zu gestalten und die Arbeitgeberattraktivität zu erhöhen. Zudem kann es helfen, den Stress und die Unsicherheit der betroffenen Arbeitnehmer*innen zu verringern und die Motivation im Team zu erhalten. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Outplacement funktioniert, welche Vorteile es bietet und wie es erfolgreich in Ihrem Unternehmen umgesetzt werden kann – inkl. 5 Expertinnentipps von Manuela Vorwerk.

Definition: Was ist Outplacement?

Unter dem englischen Begriff Outplacement versteht man eine von Unternehmen finanzierte Dienstleistung ausscheidende Mitarbeiter*innen, bei denen zwei Aspekte zum Tragen kommen: die Trennung dieser Beschäftigten vom Unternehmen geht („out“) und die Platzierung in einen neuen Job („placement“). Dafür wird meist eine externe Beratungsfirma beauftragt. Outplacement bezeichnet eine Dienstleistung, die Unternehmen ihren Mitarbeiter*innen anbieten, die das Unternehmen verlassen. sich also am Ende ihres Employee Life Cycles befinden, um sie bei der beruflichen Neuorientierung zu unterstützen. Ziel ist es, den betroffenen Personen zu helfen, schnell eine neue Anstellung zu finden, indem sie Unterstützung in Bereichen wie Bewerbung, Karriereberatung und Jobvermittlung erhalten. Outplacement-Programme bieten somit eine sozial verantwortliche Lösung für Mitarbeiter*innen, die in den Arbeitsmarkt zurückkehren möchten.

Gibt es verschiedene Formen von Outplacement?

Es gibt unterschiedliche Formen von Outplacement, die sich im Umfang, der Art der Unterstützung sowie auch der Zielgruppe unterscheiden:

Was sind die Vorteile von Outplacement?

Outplacement bietet sowohl für Unternehmen als auch für die betroffenen Mitarbeiter*innen zahlreiche Vorteile. Für Unternehmen trägt es zu einem positiven Image bei, da es zeigt, dass sie sozial verantwortlich handeln und den Mitarbeitern beim Übergang in eine neue berufliche Zukunft unterstützen. Dies kann auch dazu beitragen, dass die Arbeitgeberattraktivität steigt. Durch die Stärkung des Employer Brandings werden Unternehmen auch eher als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen – im außen wie im Innen, denn auch das Vertrauen der verbleibenden Mitarbeiter*innenn kann dadurch gestärkt werden.

Für die betroffenen Mitarbeiter*innen bietet Outplacement eine wertvolle Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung. Sie erhalten professionelle Beratung, die ihnen hilft, ihre Stärken und Ziele zu identifizieren, geeignete Bewerbungsunterlagen zu erstellen und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten. Dadurch wird der Übergang in eine neue Anstellung erleichtert und die Wahrscheinlichkeit, schneller eine neue Position zu finden, erhöht. Zudem kann Outplacement den Stress und die Unsicherheit verringern, die mit einer beruflichen Veränderung einhergehen. Es ist zudem eine tolle Möglichkeit, ihnen Wertschätzung für ihre bereits erbrachten Leistungen und ihren Einsatz entgegenzubringen.

Insgesamt trägt Outplacement dazu bei, den Übergang für alle Beteiligten möglichst reibungslos und erfolgreich zu gestalten, wodurch sowohl das Unternehmen als auch die Mitarbeiter*innen von langfristigen positiven Effekten profitieren. HR-Expertin Manuela Vorwerk fasst die Vorteile auf einen Blick zusammen:

Wann ist ein Outplacement sinnvoll?

Ein professionell geplanter und gut durchgeführter Outplacement-Prozess ist immer von Bedeutung – unabhängig davon, ob es sich um die Trennung von einzelnen Mitarbeitenden oder um einen größeren Personalabbau handelt. Outplacement schafft nicht nur Perspektiven für die Betroffenen, sondern ist auch ein wichtiges Instrument zur Sicherung der Unternehmenskultur und des Arbeitgeberimages. Expertin Michaela Vorwerk teilt ihre Erfahrungen und Einblicke:

Aus HR-Sicht

Outplacement ist weit mehr als eine strategische Maßnahme – es ist ein Zeichen von Respekt und Verantwortungsbewusstsein. Gerade bei Umstrukturierungen, Standortschließungen oder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt es, wie ernst ein Unternehmen die Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitenden nimmt. Eine wertschätzende Trennung signalisiert: „Wir sehen dich, wir schätzen dich, auch wenn unsere Wege sich trennen.“

Outplacement ist ein oft vernachlässigter Bestandteil des HR Life Cycle. Unternehmen investieren hohe Summen in Employer Branding, vergessen jedoch häufig, wie entscheidend ein respektvoller Trennungsprozess für die Wahrnehmung der Marke ist. Es geht nicht nur um die Betroffenen, sondern auch um die Mitarbeitenden, die bleiben. Diese beobachten sehr genau, wie das Unternehmen mit schwierigen Situationen umgeht. Ein respektvoller Umgang in der Trennung schafft Vertrauen und stärkt die Unternehmenskultur.

Aus Sicht einer Betroffenen

Als ich nach 17 Jahren mein Unternehmen verlassen musste, war der gute Outplacement-Prozess eine große Form der Wertschätzung. Es nahm mir die Angst vor der Zukunft und half mir, mich beruflich wie auch persönlich neu zu sortieren. Es gab mir Sicherheit, dass da jemand ist der mich unterstützt.

Aus Sicht der beratenden Funktion

Als Beraterin erlebe ich immer wieder, wie wertvoll Outplacement für beide Seiten ist. Für die HR-Verantwortlichen bietet es eine externe Perspektive und Unterstützung in einem emotional schwierigen Prozess. Für die Betroffenen bin ich oft die Person, die ihnen hilft, ihre Stärken neu zu entdecken und Perspektiven aufzuzeigen, die sie selbst vielleicht aus den Augen verloren hatten. Es geht darum, Mut zu machen und aktiv bei der Jobsuche zu unterstützen – eine Aufgabe, die mehr ist als nur berufliche Beratung. Es ist ein Begleiten und Fördern in einer Phase des Umbruchs.

Welche Outplacment Maßnahmen gibt es?

Wie läuft ein Outplacement Beratung typischerweise ab?

Ein erfolgreicher Outplacement-Prozess beginnt in der Regel mit einem Kernteam, das sich intensiv mit der Herausforderung auseinandersetzt. Es geht darum, eine klare Strategie zu entwickeln, die alle wichtigen Aspekte abdeckt: transparente Kommunikation, gut vorbereitete Unterlagen und maßgeschneiderte Unterstützung für die betroffenen Mitarbeitenden.

1. Klarheit schaffen: Wer ist betroffen?

Ein erster, wesentlicher Schritt ist die Analyse der betroffenen Mitarbeitenden: Alter, Ausbildung, Funktion, Dauer der Unternehmenszugehörigkeit und Wohnort. Diese Informationen helfen dabei, individuelle Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln, die wirklich relevant und effektiv sind.

2. Ehrliche und einfühlsame Kommunikation

Die Trennung muss respektvoll, ehrlich und transparent vermittelt werden. Führungskräfte, die Trennungsgespräche führen, sind dabei oft selbst überfordert. Es ist daher entscheidend, sie gezielt zu schulen und zu begleiten. Tipps für den Umgang mit schwierigen Gesprächen und emotionale Unterstützung helfen Führungskräften, ihrer Verantwortung gerecht zu werden.

3. Individuelle Begleitung für die Betroffenen

Der nächste Schritt umfasst konkrete Maßnahmen, um die betroffenen Mitarbeitenden auf ihrem Weg zu unterstützen. Dazu gehören:

Praxisbeispiel der Expertin Vorwerk: „Meine Arbeit mit Mitarbeitenden“

In meiner beratenden Tätigkeit arbeite ich eng mit den Betroffenen zusammen, um ihre persönlichen Stärken zu analysieren und neue berufliche Perspektiven zu entwickeln. Ich unterstütze sie dabei, sinnvolle Weiterbildungen zu identifizieren, und vernetze sie mit anderen Unternehmen, um konkrete Jobchancen zu eröffnen. Diese enge Begleitung nimmt den Menschen die Angst vor der Zukunft und gibt ihnen den Mut, neue Wege zu gehen.

5 Experttipps: So kann die Trennung für beide Seiten “gut” gelingen

Aus ihrer praktischen Erfahrung mit Outplacement-Prozessen hat die HR-Expertin Manuela Vorwerk 5 Tipps formuliert, damit das Outplacement für beide Seiten gut funktioniert:

Manuela Vorwerk

Outplacment Expertin


Trennungsprozesse gehören zu den schwierigsten Herausforderungen in der Arbeitswelt – für die Betroffenen, für HR und für die Führungskräfte. Als jemand, der über viele Jahre im HR-Bereich tätig war, hat Manuela Vorwerk Outplacement aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven erlebt:

2017: Als HR-Mitarbeiterin musste sie viele ihrer Kolleg*innen und Freunde in einem
schwierigen Trennungsprozess begleiten.
2019: Sie war selbst betroffen und hat nach 17 Jahren ihr Unternehmen verlassen müssen – ein einschneidendes und emotional herausforderndes Erlebnis.
Seit 2022: In ihrer selbstständigen Tätigkeit begleitet sie Unternehmen und Betroffene, wie zuletzt bei der Schließung eines großen Konzerns in Wien, wo sie sowohl HR-Teams als auch betroffene Mitarbeitende unterstützt hat.

Diese drei Blickwinkel haben ihren Zugang zu Outplacement grundlegend geprägt. Für sie bedeutet Outplacement weit mehr, als Mitarbeitende bei der beruflichen Neuorientierung zu unterstützen. Es ist der Schlüssel, um Trennungen mit Herz und Würde zu gestalten und eine wertschätzende Unternehmenskultur zu leben – auch in schwierigen Zeiten.

Seit 2021 ist Manuela Vorwerk selbstständig als Trainerin, Beraterin und Coach Teil der Beratungszone.at. Gemeinsam begleitet sie Menschen und Unternehmen bei ihrer Entwicklung – mit Schwerpunkten auf Führungskräfte- und Teamentwicklung, der Gestaltung des HR Life Cycles und der Umsetzung von Employer Branding-Strategien. Mit ihrer positiven, kreativen und empathischen Art schafft sie inspirierende Mitarbeitermomente und unterstütze Teams dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten.

Autorin: Beatrix Ferriman, Bildnachweis: istockphoto.com/Prostock-Studio