12. August 2025
Lesedauer: 21 Min.

Fachkräftemangel in Österreich – Zahlen – Daten – Fakten – ein Überblick

Inhalt

  • Die aktuelle Lage
  • Stellenausschreibungen
  • Arbeitskräftemangel
  • Personalmangel
  • Branchen
  • Berufen
  • Facharbeitermangel
  • Bundesländer
  • Definition Fachkräftemangel
  • Definition Fachkraft
  • Gründe
  • Demografischer Wandel
  • Folgen
  • 8 Maßnahmen
  • Stepstone-Fachkräfteatlas
Hiring Trends Update 25-26

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Kurz gesagt bedeutet Fachkräftemangel, dass bestimmte Stellen nicht besetzt werden können, weil am Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte vorhanden sind, die über die entsprechende Qualifikation verfügen, um den Job ausüben zu können. In Österreich leiden infolgedessen bereits acht von zehn Unternehmen unter den Auswirkungen des Fachkräftemangels. Der globale Arbeitsmarkt erlebt eine Zeitenwende. Trotz des aktuell schwachen Wirtschaftswachstums bleibt die Situation am Arbeitsmarkt ambivalent – in vielen Bereichen herrscht trotz höherer Arbeitslosigkeit ein Fachkräftemangel.

Fachkräftemangel Österreich 2025 – die aktuelle Lage

Drei von vier Unternehmen haben heute Probleme damit, Beschäftigte zu finden und der Personalmangel in den Unternehmen lastet zunehmend auf den Beschäftigten, das zeigt das aktuelle Stepstone Hiring Trends Update. Trotz rückläufiger beziehungsweise stagnierender Wirtschaftsleistung am Arbeitsmarkt Österreich befindet sich der Arbeits- und Fachkräftemangel in Österreich auf einem historisch betrachtet sehr hohen Niveau, auch wenn er sich laut Arbeitskräfteradar der WKO vom Höchststand im Jahr 2022 wieder entfernt hat.

Grafik, wie Unternehmen von Fachkräftemangel betroffen sind
Über alle Branchen hinweg sagen 74 % der Recruiter*innen, dass sie von Fachkräftemangel betroffen sind – Quelle: HTU 25/26 [mittelmäßig, stark, sehr stark]. 38 % geben an, sehr stark betroffen zu sein.

Österreichs Wirtschaft trat Anfang des Vorjahres auf der Stelle. Wenngleich der WIFO-Konjunkturtest zuletzt eine leichte Stimmungsaufhellung anzeigte, überwiegt die Skepsis

Gegen Ende des Jahres zeigte sich eine Stabilisierung der Konjunktureinschätzungen. Der WIFO-Konjunkturklimaindex steigt leicht. Die Lage wird wieder etwas besser beurteilt, die Erwartungen bleiben jedoch unverändert vorsichtig.

Die schwache Konjunktur prägt auch den Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist im Steigen begriffen, während die Zahl der offenen Stellen und der Personalstand in der Privatwirtschaft sinken.

Quelle: WIFO-Konjunkturbericht, November 2025

Angesichts der Rahmenbedingungen fällt die Abschwächung des Marktes vergleichsweise gering aus. Das ist jedoch kein Grund zur Entwarnung, denn ein wesentlicher Treiber dieser Stabilität ist der demografische Wandel: Die Generation der Babyboomer verlässt den Arbeitsmarkt, während nicht genug junge Arbeitskräfte nachrücken. Dieser Trend wird sich in Zukunft fortsetzen, denn die Erwerbsbevölkerung in den größten Industrienationen schrumpft. In Österreich ist die Lage noch relativ stabil, aber auch hier werden als eine Folge davon im Jahr 2050 rund 600.000 Menschen mehr über 65 Jahre alt sein und es wird rund 300.000 weniger 20-65-Jährige geben (Statistik Austria, Vollset et al). Das bedeutet, dass auch auf lange Sicht immer weniger Menschen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Bei gleicher Arbeitsproduktivität kann sich das im Weiteren zu einem Problem für Wachstum und Wohlstand entwickeln.

Gemischtes Bild je nach Branche

Wir sehen aktuell ein sehr gemischtes Bild. Die Industrie trifft es härter als andere, während bestimmte Berufsfelder stark nachgefragt werden, die Stellenausschreibungen in manchen Berufsgruppen wachsen sogar. Jobs im Verkauf sind zuletzt um mehr als 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. Ausschreibungen in Bauwesen, Handwerk und Umwelt sind im Vergleich zum Q3 des Vorjahres um 7 Prozent gestiegen. Stellenausschreibungen im Gesundheitsbereich haben sich nun erstmals wieder etwas eingepegelt, allerdings auf enorm hohem Niveau: Im dritten Quartal 2025 wurden um 51 Prozent mehr Ärztestellen und 22 Prozent mehr Pflegestellen ausgeschrieben als im Vergleichszeitraum vor zwei Jahren.

Anders bei den Ingenieuren: Die Jobs sind in einem Jahr um 25 Prozent eingebrochen, Naturwissenschaftliche Stellen um 24 Prozent und Jobs im Vertrieb sind um 27 Prozent zurückgegangen und Ausschreibungen in der IT sind um 15 Prozent geschrumpft – technische Ausbildungsberufe um 11 Prozent.

Doch das ist kein nachhaltiger Trend. Langfristig wird der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung bleiben – und sobald die Wirtschaft wieder wächst, wird auch die Nachfrage nach Arbeitskräften erneut steigen. Unternehmen sind demnach gut beraten, ihre Recruiting-Strategien nicht nur auf die momentane Lage auszurichten, sondern vorausschauend zu handeln.

Porträt Nikolai Dürhammer


Aktuell werden durch die Konjunkturdämpfung manche Stellen wieder schneller besetzt, aber das ist nicht ‘the new normal’. Man muss langfristig denken und spätestens, wenn die Wirtschaft wieder wächst, wird auch der Jobmarkt wieder anziehen. Und selbst jetzt sind die Menschen wechselfreudig und beruflich optimistisch. Das gilt es zu nutzen.

Arbeitsmarktexperte Nikolai Dürhammer (Stepstone Managing Director AT&CH)

Ein Blick auf die Stellenmarktentwicklung zeigt im Wesentlichen vier Dinge:

  1. Der Arbeitsmarkt bleibt trotz Krisen und Rezession relativ stabil auf hohem Niveau.
  2. Extrem unterschiedliche Time-to-Hire: Aktuell werden manche Stellen wieder schneller besetzt, andere brauchen sehr lange.
  3. Trotz schwächelnder Wirtschaft und höherer Arbeitslosigkeit kein Arbeitgebermarkt: Die Situation am Arbeitsmarkt Österreich ist ambivalent. Während rund die Hälfte der Kandidat*innen die Verhandlungsmacht wieder eher bei den Arbeitgebern sieht, klagen diese, dass sie für viele Stellen nicht die passenden Bewerber*innen finden. Work-Life-Balance bleibt wichtig, hohe Gehaltsforderungen rücken in den Hintergrund zugunsten eines sinnstiftenden Jobs („Purpose“).
  4. Mit einem Ansteigen der Stellenausschreibungen ist erst dann wieder zu rechnen, wenn die Wirtschaft wieder wächst.
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Stellenausschreibungen in Österreich

Ausgeschriebenen Jobs sind in Österreich zuletzt deutlich zurückgegangen. Mit einem Anstieg ist erst wieder zu rechnen, wenn die Wirtschaft wieder wächst. Laut Julius Probst, Ökonom von The Stepstone Group “nähern sich drei Jahre Stagnation dem Ende“.

Vom Fachkräftemangel zum Arbeitskräftemangel

Längst kein Phänomen mehr, das sich auf spezielle Berufsgruppen oder Fachkräfte beschränkt, ist der Arbeitskräftemangel in Österreich. Er plagt Unternehmen und Personalverantwortliche. Mittlerweile fehlen quer durch alle Berufsgruppen qualifizierte Fachkräfte, unter anderem in Schlüsselbranchen wie medizinischen Personal. Wie kritisch die Lage ist, zeigt ein Blick auf aktuelle Zahlen: So finden sich in der Magelberufsliste für das Jahr 2026 64 Berufe und damit viel mehr als noch vor wenigen Jahren. Seit 2014 hat sich die Liste der Mangelberufe mehr als verzehnfacht, wie die Agenda Austria aufgezeigt hat. Laut einer Umfrage des Wirtschaftsprüfers EY bei rund 600 Firmen wird der Mangel an Fachkräften als größte Gefahr für die Unternehmensentwicklung angesehen. Rund 82 Prozent tun sich nach eigenen Angaben schwer mit der Personalsuche. (Quelle: ibw, Fachkräfteradar 2024) Laut einer aktuellen Eurostat-Studie zählt Österreich zu jenen EU-Ländern, wo die Knappheit an Arbeitskräften besonders stark ist. Demnach hat Österreich nach den Niederlanden (4,1 %), Belgien (3,8 %) und Malta (3,4 %) mit 3,2 % die höchste Quote der unbesetzten Stellen im dritten Quartal 2025 – immerhin 1,5 Prozentpunkte weniger als vor 2 Jahren. 

webinare-sebastian-dettmers


Die Arbeiterlosigkeit ist neben der Klimakrise die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft – wir alle müssen viel lauter darüber sprechen. Und mit Hochdruck gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Sebastian Dettmers, CEO der Stepstone-Group und Buchautor “Die große Arbeiterlosigkeit”

Personalmangel in Österreich

Für immer mehr Firmen ist der Personalmangel eine Herausforderung, der es sich zu stellen gilt. Auf die Frage, welche aktuell die größten Herausforderungen im Recruiting sind, haben Unternehmen in unserer Studie „Recruiting in Österreich – aktuelle Herausforderungen und Strategien in der Personalsuche“ die folgenden Antworten gegeben: Erstens, haben 66 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, Talente mit gefragten Fähigkeiten und Skills zu finden. Zweitens geben 63 Prozent den Arbeits-/Fachkräftemangel als Herausforderung an und drittens stehen 50 Prozent vor der Herausforderung, Mitarbeiter*innen zu halten und zu begeistern. Darüber hinaus hat über ein Drittel der Befragten Schwierigkeiten damit, den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden (New Work, flexibles Arbeiten, etc.).

In welchen Branchen fehlen in Österreich die meisten Fachkräfte?

Eine jährliche österreichweite ibw-Befragung von mehr als 2.700 Betrieben („Fachkräfteradar“) im Auftrag der WKO zeigt, dass sich der Fachkräftemangel in Österreich trotz eines leichten Rückgangs seit dem Vorjahr auf einem sehr hohen Niveau befindet. Der Fachkräftemangel betrifft demnach mittlerweile alle Branchen und Berufe. Rund 193.000 Fachkräfte fehlten im April 2024, was bei 82 Prozent der Betriebe zu einem aktuen Mangel führt, 59 Prozent leiden unter (sehr oder eher) starkem Fachkräftemangel. Ein besonders intensiv erlebter Mangel herrscht in folgenden Branchen:

  • Personenbezogene Dienstleistungen (Masseur*in, Friseur*in, Kosmetiker*in)
  • Herstellung von Nahrungsmitteln
  • Gesundheits- und Sozialwesen
  • Gastronomie, Hotellerie
  • Kfz-Handel und -Reparatur

In welchen Berufen herrscht Fachkräftemangel?

Die langandauernde Rezession beziehungsweise Stagnation belastet Österreichs Wirtschaft. 115.042 Jobs wurden im dritten Quartal 2025 österreichweit kommerziell ausgeschrieben. Das sind 10 Prozent weniger Jobs als im Jahr davor.

Gesellschaftliche Krisen, wie wirtschaftliche Instabilität oder politisch angespannte Zeiten, verändern auch Dynamiken auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch gibt es bestimmte Berufsfelder, die trotz dieser Herausforderungen weiterhin stark nachgefragt werden und sogar wachsen.  

Personal im Handel besonders gefragt

Besonders hoch ist die Nachfrage nach Personal im Einzelhandel. Im Q3 2025 wurden österreichweit etwa 13.380 Jobs im Verkauf ausgeschrieben.

Die gefragtesten Berufsgruppen nach Anzahl der Jobs sind IT, Finanz, Technik, Vertrieb und Gastronomie/Hotellerie, aber auch Naturwissenschafter*innen und Arbeitskräfte im Einzelhandel wurden im letzten Jahr besonders häufig gesucht.

Summe der Ausschreibungen im Jahr 2025 (Q1-Q3):

  1. Technische Ausbildungsberufe (ca. 38.600 Jobs)
  2. Verkauf (ca. 35.200 Jobs)
  3. Finanz- und Rechnungswesen (ca. 34.800 Jobs)
  4. Hotel- und Gastgewerbe (ca. 31.000 Jobs)
  5. IT (ca 30.000 Jobs)

Personalmangel Pflege in Österreich

Im ersten Quartal 2025 waren östereichweit um 76 Prozent mehr offene Stellen für Ärzte und Ärztinnen ausgeschrieben als im Vorjahreszeitraum. Quartal um Quartal wurden neue Höchststände der Ausschreibungen nach Ärzt*innen und Pflegepersonal verzeichnet:  2.547 Ärzte und Ärztinnen sowie 7.265 Pfleger*innen wurden im ersten Quartal gesucht. Zum Vergleich: Vor 5 Jahren waren im selben Zeitraum österreichweit 2.032 Pflege-Positionen ausgeschrieben. Im Laufe des Jahres 2025 hat der Stellenmarkt jedoch wieder etwas stabilisiert, allerdings immer noch auf extrem hohem Niveau.

Insbesondere bei Ärztinnen und Ärzten hat sich die Lage bis Mitte 2025 nochmal deutlich verschärft. Bereits Anfang des Vorjahres war ein Rekordhoch von knapp 1.500 unbesetzten Stellen zu verzeichnen, nun stieg die Zahl um satte 58 Prozent auf 2.292 an. Vor allem in Wien stiegen die Stellenausschreibungen massiv: Mit 683 offenen Arzt-Stellen hat sich die Suche hier innerhalb von 9 Monaten mehr als verdoppelt.

Porträt Nikolai Dürhammer

Der demografisch bedingte Fachkräftemangel ist im Gesundheitsbereich besonders stark ausgeprägt, das erklärt auch den deutlichen Anstieg bei geschalteten Stellen. Das All-Time-High bei Vakanzen im Gesundheitsbereich hatten wir rund um den Jahreswechsel 2024 /2025.

Nikolai Dürhammer, Geschäftsführer der Recruiting-Plattform Stepstone Österreich und Schweiz

IT-Fachkräftemangel in Österreich

Der österreichischen Wirtschaft fehlen rund 28.000 IT-Fachkräfte, was zu einem Wertschöpfungsverlust von bis zu 4,9 Milliarden Euro pro Jahr führt (Quelle: IWI 2023). Umgerechnet sind das rund 175.000 Euro pro unbesetzter IT-Stelle. Laut Stepstone-Gehaltsreport 2023 kostet eine Vakanz im IT-Bereich ein mittelständisches Unternehmen rund 496 Euro pro Tag.

Der IT-Bereich ist schon lange von massivem Personalmangel betroffen und auch wenn die Stellenausschreibungen zuletzt wieder zurückgegangen sind: IT-Expert*innen zählen zu den meistgesuchten Fachkräften Österreichs (nach aktuell 1. Technik, 2. Verkauf, 3. Finanz- und Rechnungswesen sowie 4. Gastgewerbe und Tourismus). IT-Unternehmen können laut WKO ihren Bedarf an Fachkräften nur zu 75 Prozent decken. Absolut betrachtet, fehlen die meisten IT-Fachkräfte in Wien. An zweiter Stelle liegt Oberösterreich gefolgt von der Steiermark.

Laut dem Fachverband UBIT seien die seit Jahren sehr hohen Dropout-Quoten an den Universitäten im IKT-Bereich eine der Hauptursachen für den Mangel in dieser Berufsgruppe.

Fachkräftemangel im Handwerk

Lieferengpässe, hohe Energie- sowie Rohstoffpreise und ganz besonders der Fachkräftemangel trüben die Zuversicht in der Branche Gewerbe und Handwerk, das zeigt die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria. Die befragten Unternehmer*innen beurteilen die Geschäftslage überwiegend als schlecht, bestenfalls als saisonüblich. Nur knapp ein Viertel spricht von einer guten Auftragslage. Der Pessimismus innerhalb der Branche hat zugenommen, nicht zuletzt auch aufgrund der Schwierigkeiten, Fachkräfte zu finden. Im Jahr 2024 waren mit mehr als 21.200 offenen Stellen österreichweit die bislang meisten Vakanzen im Bauwesen zu verzeichnen. Im dritten Quartal 2025 sogar 5.828 Jobs ausgeschrieben: Trotz Stagnation 7 % mehr als im Vorjahr. 

Die meisten Fachkräfte in Bau und Handwerk werden in Oberösterreich gesucht: 2024 waren hier mehr als 5.300 Jobs ausgeschrieben. Rund 4.000 offene Stellen gab es in Wien und an dritter Stelle stand mit knapp 3.400 offenen Stellen Niederösterreich. In der Steiermark und im Burgenland stiegen die Ausschreibungen im dritten Quartal 2025 um mehr als 30 Prozent, in Niederösterreich und Vorarlberg waren 14 Prozent mehr Jobs ausgeschrieben und in Salzburg wurden 6 Prozent mehr Fachkräfte der Branche gesucht.

Facharbeitermangel in Österreich

Auch wenn österreichweit in den unterschiedlichsten Branchen Fachkräfte fehlen, so gibt es doch bestimmte Berufsbilder, bei denen der Mangel an Facharbeitern und Facharbeiterinnen besonders groß ist. Hier gibt die Liste der Mangelberufe Aufschluss darüber, welche Berufe besonders davon betroffen sind (Berufe geschlechtsneutral angeführt).

Absolute Mangelberufe in Österreich sind:

  • in der Baubranche bzw. in handwerklichen Berufen: Dachdecker, Betonbauer, Plasterer, Zimmerer, Fliesenleger, Rohrinstallateur, Elektroinstallateur, Maurer, Schlosser, Tiefbauer, Glaser, Maler und weitere.
  • im Medizinischen Bereich: Ärzte , Augenoptiker, Pfleger
  • in der Gastronomie: Köche, Kellner und Gaststättenfachleute
  • Techniker mit höherer Ausbildung für die Datenverarbeitung oder Maschinenbau oder das Bauwesen
  • und auch in der IT-Branche herrscht nach wie vor ein Fachkräftemangel.

Arbeits- und Fachkräftebedarf in den Bundesländern

In diesen Bundesländern stehen die meisten Jobs zur Verfügung (Summe der kommerziell geschalteten Ausschreibungen im Jahr 2024):

  1. Wien (rund 139.000 offene Stellen, -1% im Vgl. zum Vorjahr)
  2. Oberösterreich (rund 107.000 offene Stellen, -4% )
  3. Steiermark (rund 61.000 offene Stellen, -4%)
  4. Niederösterreich (rund 63.000 offene Stellen, +1%)
  5. Salzburg (rund 47.000 offene Stellen, -9%)

Definition von Fachkräftemangel

Unter Fachkräftemangel versteht man, dass bestimmte Stellen nicht besetzt werden können, weil am Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte vorhanden sind, die über die entsprechende Qualifikation verfügen, um den Job ausüben zu können.

In Österreich leiden bereits acht von zehn Unternehmen unter starkem Fachkräftemangel. Der globale Arbeitsmarkt erlebt eine Zeitenwende.

Definition Fachkraft

Unter Fachkräften versteht man Arbeitnehmer*innen, die die nötigen Ausbildungen und Skills mitbringen, die für eine Stelle erforderlich sind. Unter einer Fachausbildung kann sowohl eine entsprechende Lehrausbildung als auch ein fachspezifisches Studium verstanden werden.

Gründe für den Fachkräftemangel

Die Frage, wie der Personalmangel in immer mehr Branchen Österreichs entstanden ist, kann nicht auf eine einzige Ursache zurückgeführt werden. Vielmehr ist es eine Vielzahl an Gründen, die dafür verantwortlich ist, wie eine Publikation der Agenda Austria zeigt:

  • Fehlende „Babyboomer“:  Darunter versteht man die Auswirkungen unserer immer älter werdenden Gesellschaft, also dass Menschen immer älter werden, aber weniger junge Leute nachkommen. Es ergibt sich hier ein demografischer Shift, weil jährlich mehr Personen in Pension gehen als neue Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt einsteigen.
  • Regionale Diskrepanzen: Ein weiterer Grund für den Arbeitskräftemangel ist, dass die offenen Stellen nicht immer dort frei werden, wo Fachkräfte einen Job suchen. Das bedeutet, dass das Angebot und die Nachfrage oftmals örtlich getrennt sind. Durch die fehlende Mobilität ergeben sich hier starke Diskrepanzen, sodass es in einem Bundesland beispielsweise Arbeitssuchende gibt, die in ihrem Berufsfeld keinen Job finden, in anderen Bundesländern jedoch das Angebot an offenen Stellen für genau diese Berufsgruppe groß wäre.
  • Corona-Auswirkungen: Auch die Corona-Krise hat den Fachkräftemangel noch weiter verschlimmert. Einerseits sind Arbeitskräfte vor allem aus Osteuropa während der Pandemie zurück in ihre Heimatländer gegangen, wodurch diese Arbeitskräfte nun in Europa fehlen. Andererseits gab es vor allem in der Tourismusbranche auf Grund all der Lockdowns und Einschränkungen zu einer beruflichen Umorientierung von vielen Arbeitskräften, die in andere Branchen abgewandert sind.
  • Teilzeitboom: Ein weiterer Grund für den Fachkräftemangel ist, dass seit der Corona-Pandemie immer mehr Arbeitnehmer*innen mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance legen. Das bedeutet, dass immer mehr Mitarbeiter*innen neben flexibleren Arbeitsbedingungen auch eine Teilzeitbeschäftigung bevorzugen. Das bedeutet zwar keine Reduzierung der Anzahl der Fachkräfte, doch wenn immer mehr von ihnen weniger Stunden arbeiten wollen, ergibt sich dadurch auch ein Mangel bei den Unternehmen, die für die Erbringung der gleichen Wirtschaftsleistung mehr Personal finden und einstellen müssen.

Demografischer Wandel in Österreich

Geschuldet ist der Mangel an qualifizierten Fachkräften diversen Faktoren – auch die demografische Entwicklung spielt eine wichtige Rolle, zeigen aktuelle Prognosen. Demnach schrumpft der Anteil der Erwerbsbevölkerung in den nächsten 30 Jahren europaweit. In Deutschland ist die Lage durchaus dramatisch, da hier die Bevölkerung laut Prognosen in den kommenden Jahren nicht wachsen wird, im Verhältnis schrumpft die Erwerbsbevölkerung in der Bundesrepublik je nach Schätzung um 13 Prozent bis 2040. In Europa wird ein Schrumpfen der erwerbstätigen Bevölkerung um 9 Prozent erwartet. Da Österreich noch ein leichtes Bevölkerungswachstum prognostiziert wird, fällt die Situation hier nicht ganz so drastisch aus.

Prognose

In den vergangenen Jahren war Österreich vor allem dank starker Zuwanderung aus Osteuropa eines der Länder mit einer vergleichsweise günstigeren demografischen Entwicklung. Wie die weitere Entwicklung aussieht, ist offen: Die Anzahl der zu besetzenden Stellen wird voraussichtlich weiter steigen, die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter geht zurück, gleichzeitig dürfte durch das steigende gesetzliche Frauenpensionsalter wieder ein Zuwachs an älteren Erwerbsbeschäftigten erwartet werden. Aber auch hierzulande ist laut einer aktuellen Prognose der Statistik Austria mit einem Schrumpfen der Erwerbsbevölkerung zu rechnen – etwa um 4,8 Prozent in den nächsten dreißig Jahren – ein Damoklesschwert, das drohend über dem gesamten Arbeitsmarkt hängt.

Was sind die Folgen des Fachkräftemangels?

  • Fast zwei Drittel der befragten Recruiter*innen äußern sich besorgt über den zusätzlichen Arbeitsaufwand der im Recruiting entsteht.
  • Durch die vielen unbesetzte Stellen läuft man Gefahr, dass es zu einer weiteren Arbeitsbelastung des bestehenden Personals kommt und die Mitarbeiterzufriedenheit sinkt.
  • Durch den Fachkräftemangel verlängert sich auch die Zeitspanne von der Stellenausschreibung bis zur Besetzung einer offenen Stelle. Die time to hire verlängert sich bzw. führt diese Verzögerung im Rekrutierungsprozess zu deutlichen Mehrkosten für das Unternehmen.
  • Der Personalmangel führt oftmals zu Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der betrieblichen Leistungsfähigkeit & wirtschaftlichen Einbußen.
  • Fehlen langfristig gefragte Fachkräfte, steht die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit auf dem Spiel.

8 Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

Was können Unternehmen konkret gegen den Fachkräftemangel unternehmen?

Starke Arbeitgebermarke aufbauen

6 von 10 Recruiter*innen sehen verstärktes Employer Branding als wirksame Maßnahme gegen den Fachkräftemangel. Vermarkten Sie Ihre offenen Stellen wie ein Produkt. Erzählen Sie eine überzeugende Geschichte darüber, warum es toll ist, in Ihrem Unternehmen zu arbeiten, und nutzen Sie zielgerichtete Werbestrategien, um qualifizierte Kandidat*innen anzusprechen.

Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung

Gute Mitarbeiter*innen sind schwer zu finden. Gute Mitarbeiter*innen zu halten und zu motivieren, ist aber eine genauso große Herausforderung. Bestehende Mitarbeiter*innen im Unternehmen zu halten, ist für 67 Prozent der befragten Recruiter*innen eine der wirksamsten Maßnahmen im Kampf um gefragte Fachkräfte.

Employee Engagement fördern

Die Rechnung ist ganz einfach – und trotzdem beachten viele Arbeitgeber nicht, dass Employee Engagement in der Unternehmensführung eine Priorität sein muss: Motivierte, glückliche Mitarbeiter*innen, die sich mit der Firma, ihren Produkten oder Dienstleistungen und auch ihren Werten identifizieren können, erzielen einfach bessere Leistungen. Sie gehen ihre Projekte mit mehr Leidenschaft an, sind seltener unzufrieden und bleiben dem Unternehmen länger erhalten. Mehr Informationen zu den vier Schlüsselfaktoren der Mitarbeiterbindung finden Sie in unserer Studie „The Engagement Advantage“.

Flexible Arbeitsgestaltung hervorheben

Der aktuelle Stepstone Jobreport 2025 zeigt sehr deutlich, dass Flexibilität bei Arbeitnehmer*innen in Österreich zunimmt. Vier von zehn Befragten (38 Prozent) fordern mehr Flexibilität im Job – besonders stark ist dieser Wunsch bei der Generation Z (52 Prozent). Zeigen Sie potenziellen Kandidat*innen, dass Sie flexible Arbeitsoptionen wie Remote-Arbeit, flexible Arbeitszeiten oder Jobsharing unterstützen.

Quereinsteiger*innen eine Chance geben

Wenn am Arbeitsmarkt nicht genügend Fachkräfte vorhanden sind, die sowohl über die entsprechende Qualifikation als auch die gewünschte Berufserfahrung verfügen, kann ein möglicher Ausweg sein, Quereinsteiger*innen eine Chance zu geben. Zwar fehlt es diesen an der Erfahrung in dem Beruf oder Branche, doch oftmals sind diese besonders motiviert, sich in dem neuen Berufsfeld zu etablieren und ihr Bestes zu geben und freuen sich über die Chance, ihr Wissen und ihr Engagement unter Beweis stellen zu dürfen.

Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren

Durch internationales Recruiting können heimische Unternehmen nicht nur ihre Vakanzen füllen, sondern auch eine dynamische und vielfältige Belegschaft aufbauen, die entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft in einer globalisierten Wirtschaft beiträgt. Um internationale Fachkräfte aus dem Ausland zu überzeugen, ist es jedoch wichtig, die richtigen Anreize zu schaffen und mit flexiblen Arbeitsbedingungen zu punkten.

Weiterbildung anbieten

Eine weitere Möglichkeit, auf den Personalmangel zu reagieren ist es, selbst Fachkräfte auszubilden bzw. weiterzubilden. Das beginnt bei Lehrstellen und beinhaltet auch Weiterbildungen, Upskilling und Reskilling sowie umfangreiche Einschulungen für aufstrebende Fachkräfte, die noch nicht über all die Kompetenzen verfügen, die sie im Rahmen ihrer Tätigkeit benötigen werden.

KI einbinden

Nutze die Vorteile künstlicher Intelligenz. KI-gestützte Tools wie ChatGPT können helfen, die Effizienz im Recruiting-Prozess zu erhöhen. Dadurch werden repetitive und administrative Aufgaben teils automatisiert, was die Effizient und Produktivität der HR-Abteilung steigert. Der Einstellungsprozess geht schneller vonstatten und teure Vakanzen bleiben kürzer offen.

Über den Stepstone-Fachkräfteatlas

Der Stepstone-Fachkräfteatlas bietet einen quartalsaktuellen und umfassenden Überblick über die Entwicklung des Stellenmarktes in Österreich und visualisiert anschaulich den zunehmenden Fachkräftemangel in den Bundesländern und Branchen.

Für den Stepstone-Fachkräfteatlas wertet die Marktforschungsagentur Index Jobanzeigen in 22 Printmedien und 21 Jobbörsen in ganz Österreich aus. 

Details zur Auswertung

Für den Fachkräfteatlas wird jede Stellenanzeige einzeln gezählt, wenn sie veröffentlicht wird. Sobald die Laufzeit einer Anzeige verlängert oder sie neu veröffentlicht wird, wird sie als neue Anzeige gezählt. Gleichzeitig wird, wenn die gleiche Stellenanzeige in verschiedenen Portalen veröffentlicht wird, diese Anzeige wieder als einzelne Anzeige gezählt.

Ausgewertete Berufsgruppen

  • Marketing, PR, Werbung
  • Vertrieb (exkl. Verkauf Einzelhandel)
  • Verkauf (Einzelhandel)
  • Finanz- und Rechnungswesen
  • Ingenieur*innen
  • Technische Ausbildungsberufe
  • Ärzte*Ärztinnen
  • Pfleger*innen-/Arzthelfer*innenberufe
  • Naturwissenschaften
  • IT
  • Bauwesen (Seit 2021 und rückwirkend ab 2020)
  • Gastgewerbe/Tourismus (Seit 2021 und rückwirkend ab 2020)

Quellenübersicht

Printmedien:

  • Die Kleine Zeitung Kärnten
  • Die Kleine Zeitung Steiermark
  • Kronen Zeitung (Gestaltete Anzeigen)
  • Niederösterreichische Nachrichten
  • Oberösterreichische Nachrichten
  • Salzburger Nachrichten
  • Tiroler Tageszeitung
  • Vorarlberger Nachrichten
  • Der Kurier
  • Der Standard
  • Die Presse
  • Die Kleine Zeitung Kärnten (Fließsatzanzeigen)
  • Die kleine Zeitung Steiermark (Fließsatzanzeigen)
  • Kronen Zeitung (Fließsatzanzeigen)
  • Niederösterreichische Nachrichten (Fließsatzanzeigen)
  • Oberösterreichische Nachrichten (Fließsatzanzeigen)
  • Salzburger Nachrichten (Fließsatzanzeigen)
  • Tiroler Tagesanzeiger (Fließsatzanzeigen)
  • Vorarlberger Nachrichten (Fließsatzanzeigen)
  • Der Kurier (Fließtext)
  • Der Standard (Fließsatzanzeigen)
  • Die Presse (Fließtextanzeigen)

Jobbörsen:

  • ÖH
  • ÖH Graz
  • ÖH Innsbruck
  • ÖH Linz
  • ÖH Salzburg
  • www.career-account.at
  • www.Gastrojobs.at
  • www.hogastjob.com
  • www.jobboerse.at
  • www.jobburg.at
  • www.Jobhimmel.at
  • www.jobwald.at
  • www.karriere.at
  • www.laendlejob.at
  • www.meinjob.at
  • www.Monster.at
  • www.regionaljobs.at
  • www.Standard.at
  • www.Stepstone.at
  • www.StudentJob.at
  • www.unijobs.at
  • www.Willhaben.at