Aktualisiert: 01.07.2026
Lesedauer: 6 Min.

Der österreichische Arbeitsmarkt 2026: Zwischen Druck und Wechselbereitschaft

Inhalt

  • Das Wichtigste auf einen Blick
  • Stellenangebot verändert sich
  • Kandidat*innen werden selektiver
  • Wie Recruiter sich neu aufstellen
  • 3 Dinge, die du jetzt tun kannst
  • Über die Studie
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Recruiter erhalten mehr Bewerbungen als je zuvor – und finden es dennoch schwieriger, die passenden Kandidat*innen zu gewinnen. Gleichzeitig bleibt die Offenheit für berufliche Veränderung in Österreich hoch, während Stabilität und Sicherheit deutlich an Bedeutung gewinnen. Genau diese Mischung aus Mobilität und Vorsicht prägt den österreichischen Arbeitsmarkt im Jahr 2026. Das Hiring Trends Update Frühling/Sommer 2026 zeigt, wie Unternehmen und Kandidat*innen auf einen selektiveren Markt reagieren.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Stellenmarkt ist rückläufig. Die Zahl der offenen Stellen in Österreich ist laut Statistik Austria nach dem Höchststand 2022 bereits das dritte Jahr in Folge zurückgegangen und lag 2025 im Jahresschnitt bei rund 139.900 offenen Stellen. Damit bewegt sich der Arbeitsmarkt weiterhin unter dem Niveau der Boomjahre.
  • Arbeitslosigkeit steigt. Im Jahresvergleich nahm die Zahl der Arbeitslosen in Österreich zuletzt deutlich zu. Im Jahr 2025 waren im Jahresdurchschnitt rund 21.000 Personen mehr arbeitslos oder in Schulung als im Jahr 2024 – ein Zeichen dafür, dass sich die konjunkturelle Abschwächung weiterhin auf den Arbeitsmarkt auswirkt.***
  • Einstellungsbedarf verlagert sich auf operative und vertriebsnahe Bereiche. Vertrieb & Business Development führt mit 19 % die Liste der Bereiche an, in denen der Einstellungsbedarf steigt, gefolgt von Technologie & Engineering (14 %) und Finanzen & Rechnungsservice (12 %).
  • Wechselbereitschaft bleibt hoch: Rund 91 % der Erwerbstätigen in Österreich sind grundsätzlich offen für berufliche Veränderungen – aktiv oder zumindest offen für neue Angebote.
  • Kandidat*innen werden vorsichtiger und anpassungsfähiger: 36 % bewerben sich auf mehr Stellen als bisher, 31 % ziehen ein breiteres Spektrum an Rollen in Betracht und 22 % passen ihre Gehaltserwartungen nach unten an. Rund 84 % wären offen für einen Berufs- oder Branchenwechsel, wenn ihre Fähigkeiten künftig weniger gefragt wären. 85 % haben in den letzten 12 Monaten aktiv an ihren Skills gearbeitet.
  • Jobsicherheit gewinnt an Bedeutung: Für 78 % ist Jobsicherheit mittlerweile wichtiger als beruflicher Aufstieg oder Veränderung.

Das Stellenangebot verändert sich – die Suche nach passenden Talenten bleibt herausfordernd

Der Arbeitsmarkt steht unter Druck. Nach dem Höchststand 2022 ist die Zahl der offenen Stellen in Österreich bereits mehrere Jahre in Folge zurückgegangen und lag zuletzt bei rund 133.000 offenen Stellen*. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit: Im April 2026 waren mehr als 320.000 Menschen in Österreich arbeitslos gemeldet, rund 8.500 mehr als im April des Vorjahres. Auch die demografische Entwicklung bleibt eine Herausforderung: Langfristig kommen weniger junge Arbeitskräfte in den Arbeitsmarkt nach.

Unternehmen reagieren und überprüfen Strukturen und Arbeitsweisen neu. Rund 28 % berichten von Umstrukturierungen innerhalb von Teams oder Abteilungen, knapp 15 % haben Einstellungsstopps vorgenommen, ebenso viele haben Entlassungen vorgenommen, während andere ihre Einstellungsstrategien an neue Marktbedingungen anpassen.

Gleichzeitig steigt das Bewerbungsinteresse. Mehr Bewerbungen führen aber nicht automatisch zu schnelleren Einstellungen. Denn trotz größerer Kandidat*innen-Pools bleibt die Passung zwischen Anforderungen und Erwartungen eine Herausforderung. Die Time-to-Hire liegt in Österreich aktuell im Median bei rund acht Wochen, im Vorjahr waren es noch sechs. Das richtige Match zu finden, bleibt die eigentliche Herausforderung. Gleichzeitig zeigt sich, dass ein größeres Bewerbungsvolumen nicht automatisch zu einer besseren Candidate Experience führt: 79 % der Befragten empfinden es als schwieriger als früher, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, während 66,1 % berichten, nach der Eingangsbestätigung keine weitere Rückmeldung zu erhalten. Offenheit und Marktfriktion bestehen damit zunehmend nebeneinander.

Kandidat*innen: Offener – aber selektiver

Neun von zehn Erwerbstätigen sind grundsätzlich bereit, den Job zu wechseln. Das klingt nach einem Recruiter-Paradies – ist es aber nicht. Denn gleichzeitig zeigt das Verhalten der Kandidat*innen: Sie beobachten den Markt, wägen ihre Optionen bewusster ab und sind nur bereit zu wechseln, wenn das Angebot stimmt.

  • 31 % ziehen ein breiteres Spektrum an Rollen in Betracht
  • 36 % bewerben sich auf mehr Stellen als bisher
  • 22 % senken aktiv ihre Gehaltserwartungen
  • 29 % bauen gezielt neue Skills auf

Was Kandidat*innen sich von Arbeitgebern wünschen, wird ebenfalls klarer: Gehalt bleibt Faktor Nummer eins (57 %), aber Jobsicherheit (30 %) und Work-Life-Balance (28 %) rücken stark auf. Fast acht von zehn Personen stufen Jobsicherheit heute höher ein als beruflichen Aufstieg. Neben Gehalt spielen Sicherheit, Work-Life-Balance, flexible Arbeitsmöglichkeiten und interessante Aufgaben eine zunehmend wichtige Rolle.

Porträt Nikolai Dürhammer

Der österreichische Arbeitsmarkt zeigt derzeit eine interessante Entwicklung: Menschen sind grundsätzlich offen für neue berufliche Möglichkeiten, gleichzeitig treffen sie Entscheidungen deutlich bewusster als noch vor einigen Jahren. Unternehmen können sich deshalb nicht mehr darauf verlassen, dass eine offene Stelle allein ausreichend Aufmerksamkeit erzeugt. Der österreichische Markt zeichnet sich zunehmend durch höhere Selektivität aus: Unternehmen schärfen Strukturen und Rollenprofile, während Kandidat*innen zwar offen bleiben, sich aber durch einen volleren und anspruchsvolleren Markt bewegen müssen. Wer Talente gewinnen möchte, muss klar kommunizieren, wofür das Unternehmen steht – und welche Perspektiven langfristig geboten werden.

Nikolai Dürhammer, Managing Director Stepstone Österreich und Schweiz

Wie Recruiter sich neu aufstellen

Gerade in Österreich müssen kleinere und mittlere Unternehmen oft mit begrenzten Ressourcen rekrutieren und profitieren daher besonders von effizienteren Prozessen, klaren Anforderungsprofilen und KI-gestützter Entlastung. Organisationen besetzen nicht mehr einfach Stellen – sie überdenken grundlegend, wie sie einstellen. Die Top-Priorität für die nächsten sechs Monate: die Überprüfung von Team- und Abteilungsstrukturen. 62 % der Recruiter sagen, dass sie heute eine strategischere Rolle spielen als früher – eine Entwicklung, die der Markt gerade einfordert. Denn die Realität zeigt: 62 % der Unternehmen rekrutieren noch immer reaktiv, und 32 % glauben, nicht gut auf den Kompetenzbedarf der nächsten zwei Jahre vorbereitet zu sein.

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Recruiting Trend Skills-based Hiring: Vom Konzept zur Praxis

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3 Dinge, die du jetzt tun kannst

  1. Schärfe dein Anforderungsprofil.
    67 % der Kandidat*innen finden, dass Stellenanzeigen heute mehr verlangen als noch vor drei Jahren. Das schreckt ab. Sei transparent, welche Kompetenzen wirklich notwendig sind – und welche nice-to-have. Klare Prioritäten reduzieren die Time-to-Hire.
  2. Kommuniziere, was Kandidat*innen wirklich wollen.
    Die stärksten Stellenangebote sprechen nicht nur das Gehalt an. Flexibilität und Work-Life-Balance gehören heute genauso in die Anzeige wie das Gehalt.
  3. Gib Feedback.
    66 % der Kandidat*innen hören nach der automatischen Eingangsbestätigung nichts mehr. Schnelle, klare Rückmeldungen sind eines der günstigsten Recruiting-Werkzeuge, das du heute hast – und ein echter Wettbewerbsvorteil.

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Über die Studie

Das Hiring Trends Update ist eine halbjährliche Umfrage, die den aktuellen Puls des Rekrutierungsmarktes überprüft. Wir haben zwischen dem 23. April und 21. Mai 2026 246 Recruiter und 483 Kandidat*innen befragt. Alle Antworten wurden online gesammelt, und die Kandidat*innenumfrage ist repräsentativ gewichtet für die österreichische Bevölkerung nach Geschlecht und Alter.

* Statistik Austria: Offene Stellen, 1. Quartal 2026: 133.100

** AMS Österreich: 320.316 Arbeitslose im April 2026; +2,7 % gegenüber April 2025

***AMS-Arbeitsmarktspezial 2025