03. June 2025
Lesedauer: 16 Min.

Künstliche Intelligenz im Recruiting: eine Revolution in der Arbeitswelt und wie man dabei menschlich bleibt

Inhalt

  • Was ist Künstliche Intelligenz? 
  • KI im Recruiting 
  • Status Quo
  • Einsatzmöglichkeiten
  • Vor- und Nachteile
  • 7 Wege, wie man dabei menschlich bleibt
  • KI bei Stepstone
  • Weitere Tipps
  • FAQ
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Künstliche Intelligenz ist ein Gamechanger – das beweisen nicht nur Innovationen wie selbstfahrende Autos oder KI-Chirurgieroboter. Auch die Arbeitswelt und die Personalsuche werden durch KI im Recruiting transformiert. Anwendungen wie ChatGPT zeigen, dass KI Aufgaben mit einer Effizienz und Geschwindigkeit erledigen kann, die wir Menschen in dieser Form nicht erreichen würden. Dementsprechend birgt der Einsatz und die rasante Entwicklung der KI das Potenzial, auch die Arbeitswelt grundlegend zu verändern.Wir zeigen Ihnen 7 Wege, wie Künstliche Intelligenz das Recruiting verändert und man dabei menschlich bleibt. 

Was ist Künstliche Intelligenz? 

Unter Künstlicher Intelligenz oder KI, vom Englischen Artificial Intelligence (AI), versteht man die Fähigkeit von Computer-Systemen menschliche Denkfähigkeit nachzuahmen. Eine Methode ist etwa Maschinelles Lernen, bei dem per Algorithmen große Datensätze auf Muster und Zusammenhänge analysiert werden, um daraus Vorhersagen und Entscheidungen abzuleiten. Durch Wiederholung und Feedback wird das System selbständig lern- und anpassungsfähig.

Künstliche Intelligenz im Recruiting 

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Recruiting wird auch “Robot Recruiting” genannt und wird von Arbeitsmarkt-Expert*innen als Gamechanger für aktuelle Probleme wie den Fachkräftemangel sowie den War for Talents betrachtet. KI-Systeme können dabei auf jeder Stufe des Bewerbungsprozesses unterstützen, vom Erstellen und Veröffentlichen der Stellenanzeigen über die Auswahl der Bewerber*innen bis zu Interview und Onboarding.

KI-Anwendungen machen das Recruiting schneller, datenbasierter und effizienter – aber auch Jobsuchende haben KI bereits für sich entdeckt: Recruiter*innen schätzen, dass mittlerweile rund jede zweite Bewerbung durch KI-Tools verbessert werden, von der Lebenslaufoptimierung bis zum Verfassen von Anschreiben, wie die Stepstone-Umfrage “Quality of Application” 2025 zeigt.

Status Quo Österreich und Deutschland: KI in Unternehmen und HR

Im Jahr 2021 wurde erstmals erhoben, dass etwa zehn Prozent der Unternehmen in Österreich KI-basierte Technologien nutzen, 2023 waren es 11 Prozent, 2024 bereits 20 Prozent, wobei KMU tendenziell zu den Schlusslichtern gehören (Statistik Austria). Auch im Recruiting spielt KI hierzulande noch eine eher untergeordnete Rolle. KI-gestützte Screening-Tools etwa, die Schlüsselwörter im CV und Profildetails mit den Jobanforderungen abgleichen, werden nur von rund 5 Prozent der befragten Recruiter*innen genutzt. Immer noch setzen 9 von 10 Recruiter*innen auf die manuelle Durchsicht von Bewerbungsunterlagen, um relevante Qualifikationen und Erfahrungen zu erkennen. (Quelle: Stepstone, Quality of Application, 2025) Wie das Stepstone Hiring Trends Update 2025/26 zum Arbeitsmarkt Österreich aber zeigt, werden vor allem textbasierte Aufgaben im Recruiting zunehmend durch KI unterstützt:

Grafik zum Einsatz von KI im Recruiting
Quelle: Stepstone Hiring Trends Update: aktuelle Umfrage unter Recruiter*innen 2025/26
Porträt Nikolai Dürhammer

Der Kontakt zwischen Mensch und Mensch im Recruiting ist das Wichtigste und das wird nicht durch KI ersetzt werden. Sie kann aber nützlich sein, wenn es darum geht, Menschen möglichst schnell zusammenzubringen – und je schneller wir Part A und Part B – sprich Recruiter und Jobsuchende – zusammenbringen, desto besser.

Nikolai Dürhammer, Geschäftsführer Stepstone Österreich & Schweiz

Wie wird KI im Recruiting eingesetzt?

Bereiche, in denen KI das Recruiting bereits erfolgreich unterstützt, sind die Identifizierung potenzieller Kandidat*innen, die Bewertung und Einstufung von Bewerber*innen sowie die Terminkoordination. Unter den österreichischen Recruiter*innen nutzt jede*r Zehnte KI-Tools, um Stellenausschreibungen zu optimieren, nur etwa fünf Prozent lassen sich von KI beim Auswahlverfahren helfen.

Allerdings stecken Recruiter*innen viel Hoffnung in KI in Bezug auf eine bessere Bewerberqualität und Passung: In KI gestützten Recruiting-Plattformen sehen sie die größte Chance auf bessere Bewerbungen.

Auch wenn sich im deutschsprachigen Raum und besonders in Österreich beim KI-Recruiting noch Berührungsängste oder ein längerer Gewöhnungsprozess abzeichnen, nutzen Unternehmen wie Ikea, Unilever oder Amazon bereits HR-Tools mit KI auf jeder Ebene des Recruiting-Prozesses.

Vor- und Nachteile von künstlicher Intelligenz im Recruiting

Die zahlreichen Vorteile der KI-Technologie liegen auf der Hand:

  • KI-Systeme sind nicht von Krankheitsausfall oder bestimmten Arbeitszeiten eingeschränkt, so ist Service und Beratung rund um die Uhr und per Mausklick verfügbar.
  • Dadurch werden repetitive und administrative Aufgaben teils automatisiert, was die Effizient und Produktivität der HR-Abteilung steigert. Der Einstellungsprozess geht schneller vonstatten und teure Vakanzen bleiben kürzer offen.
  • Durch die Übernahme von einfachen Tasks im Recruiting bleibt mehr Zeit für zwischenmenschlichen Austausch und Kreativität im Beruf.
  • Unternehmen, die Spitzenreiter im Bereich KI-Technologie und -Anwendungen sind, steigern ihre Arbeitgeberattraktivität – das geben auch 44 Prozent der Befragten in der Stepstone-KI-Studie an.
  • 39 Prozent der Recruiter*innen bestätigen zudem, dass Einstellungsverfahren durch einen verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz fairer und weniger diskriminierend gestalten werden können.

Jedoch ergeben sich bei der Nutzung von KI im Recruiting auch einige Risiken und Nachteile:

  • KI-Systeme verarbeiten mitunter Daten von Mitarbeiter*innen und Bewerber*innen und geben diese an ausländische Server weiter. Ob Beschäftigten damit einverstanden sind, dass ihre Lebensläufe und Leistungsdaten von KIs gelesen und verarbeitet werden, wird nicht immer abgestimmt.
  • Zur korrekten und sicheren Verwendung von KI fehlt es vielen Arbeitenden und auch Führungskräften an Fachwissen: Laut 62 Prozent der Befragten in der Stepstone KI-Studie investieren Arbeitgeber nicht genug in Weiterbildungsprogramme und Schulungen, um die Mitarbeiter*innen bestmöglich bei der Nutzung von KI-Technologie zu unterstützen.
  • KI-Technologie ist bei vielen Anbietern noch in einer Beta- oder Experimentphase, daher kommt es zu faktisch falschen Ergebnissen, Plagiaten oder Daten-Leaks.
  • Bei den meisten KI-Anwendungen ist nicht klar nachvollziehbar, wie die eingegebenen Daten genau verarbeitet werden oder auf welche Quellen sich die Ergebnisse beziehen – diese fehlende Transparenz beklagen auch 61 Prozent der KI-Studien-Befragten.
  • Da KI-Sprachmodelle von Menschen trainiert werden und die Auswahl des Trainingsmaterials nicht immer nach ethischen oder moralischen Aspekten gefiltert wird, kann es auch bei der intelligenten Maschine zu diskriminierenden Aussagen und Bias kommen.

7 Wege, wie Künstliche Intelligenz das Recruiting verändert und man dabei menschlich bleibt

KI-Innovationen bringen klare Vorteile auch im Recruiting, können auf der anderen Seite auch neue Risiken mit sich bringen, auch in Bezug auf die Authentizität der Bewerbungen und die Fairness in der Auswahl der Kandidat*innen – insbesondere, wenn man sich zu stark auf die Technologie verlässt. Wir haben sieben praktische Vorteile und Risiken gegenübergestellt und zeigen Wege auf, wie du KI im Recruiting bestmöglich nutzen kannst.

1. Schnelleres Kandidaten-Screening

Das Durchsehen von Hunderten von Lebensläufen kann einer der zeitaufwändigsten Teile der Rekrutierung sein. KI-gestützte Bewerbermanagementsysteme (ATS) helfen Einstellungsteams nun, diese Phase drastisch zu beschleunigen. Aber schneller bedeutet nicht immer fairer, und es ist wichtig, Effizienz mit durchdachter Bewertung in Einklang zu bringen.

Was ändert sich?
KI-gestützte Bewerbermanagementsysteme (ATS) können jetzt hunderte von Lebensläufen in Sekunden scannen und filtern und Kandidat*innen anhand von Schlüsselqualifikationen und Erfahrungen identifizieren.

Vorteile:

  • Beschleunigt den Vorauswahlprozess und spart Recruiter*innen Stunden manueller Arbeit.
  • Verschafft Ihrem Unternehmen einen Vorsprung bei der Ansprache von Top-Talenten.

Zu beachtende Risiken:

  • Wer übermäßig auf Keyword-Matching vertraut, könnte großartige Kandidat*innen mit unkonventionellem Hintergrund oder kreativen Lebensläufen übersehen.
  • Erwäge, das KI-Screening durch menschliche Überprüfung zu ergänzen, um versteckte Perlen nicht zu verpassen.

2. Intelligentere kompetenzbasierte Bewertungen

Zu oft werden großartige Kandidat*innen ausgeschlossen, weil ihr Lebenslauf nicht den traditionellen Erwartungen entspricht. KI-basierte Kompetenzbewertungen verlagern den Fokus darauf, was Menschen tatsächlich können, und helfen Recruiter*innen, Fähigkeiten und nicht nur den Werdegang oder Abschlüsse zu bewerten.

KI-Tools wie CVViZ analysieren Lebensläufe nach vorab eingegebenen Qualifikationen, scannen online Berufsprofile und durchsuchen Bewerbungsschreiben nach relevanten oder plagiierten Inhalten. Dabei können sogar Wortwahl und Sprache auf den Cultural Fit untersucht werden. So werden absolut unpassende Kandidat*innen schnell ausgesiebt, die strukturierten Daten von vielversprechenden Bewerbungen können für den Aufbau einer Bewerber*innendatenbank genutzt werden.

IBM hat mit Watson® Recruitment (IWR) eine Anwendung in der Talent Suite, die die kognitiven Fähigkeiten der KI „Watson“ nutzt, um die Talentakquisition zu optimieren. Recruiter können IWR nutzen, um die Fähigkeiten von Kandidat*innen mit den Anforderungen des Unternehmens abzugleichen und Bewerber*innen mit der größten Erfolgsprognose zu identifizieren.

Diese Tools müssen jedoch sorgfältig gestaltet und angewendet werden, um sicherzustellen, dass sie wirklich ein inklusives Recruiting unterstützen.

Was ändert sich?

KI-gesteuerte Plattformen bieten Vortests, die fachliche Fähigkeiten, Problemlösungskompetenzen und sogar Soft Skills vor Beginn der Interviews bewerten.

Vorteile:

  • Schafft eine fairere, evidenzbasierte Bewertung der Kandidat*innen.
  • Reduziert Voreingenommenheit durch die alleinige Fokussierung auf Bildung oder frühere Jobtitel.

Zu beachtende Risiken:

  • Schlecht gestaltete Tests können neurodivergente Kandidat*innen oder solche mit anderem kulturellem Background benachteiligen.
  • Teste Bewertungen immer auf Fairness und Zugänglichkeit.

3. Personalisierte Jobempfehlungen

Die besten Recruting-Ergebnisse werden dann erzielt, wenn die richtigen Personen die richtigen Jobmöglichkeiten finden. KI hilft Jobsuchenden, indem sie Stellen empfiehlt, die zu ihren Fähigkeiten und Präferenzen passen. Dies verbessert die Qualität der Bewerbungen – aber nur, wenn diese Empfehlungen wirklich vielfältig und nicht durch enge Algorithmen begrenzt sind.

Was ändert sich?
KI-Tools schlagen Kandidat*innen maßgeschneiderte Jobübereinstimmungen basierend auf ihren Fähigkeiten, Erfahrungen und Präferenzen vor.

Vorteile:

  • Erhöht die Relevanz und Qualität der Bewerbungen.
  • Hilft Kandidat*innen, Stellen zu entdecken, die sie sonst vielleicht übersehen hätten.

Zu beachtende Risiken:

  • Algorithmen können bestehende Vorurteile verstärken, indem sie nur “sichere” oder traditionelle Karrierewege empfehlen.
  • Überprüfe KI-Vorschläge regelmäßig und kritisch, um sicherzustellen, dass sie Vielfalt und Chancen fördern.

4. KI-unterstützte Bewerbungshilfe

Nicht nur Recruiter*innen nutzen KI, auch Kandidat*innen setzen zunehmend darauf. Viele verwenden KI-Tools, um ihre Bewerbungen zu verbessern, von der Anpassung von Lebensläufen bis hin zur Erstellung von Anschreiben. Dies kann Bewerbungen klarer machen und somit einfacher zu bewerten, wirft aber auch Fragen nach Authentizität und echter Motivation auf.

Was ändert sich?
Kandidat*innen nutzen zunehmend KI-Tools, um ihre Lebensläufe und Anschreiben zu verbessern: Rund jede*r vierte Jobsuchenden nutzt KI, um Lebensläufe auf Stellenbeschreibungen zuzuschneiden und Anschreiben zu verfeinern oder zu generieren.

Vorteile:

  • Führt zu klareren, strukturierteren Bewerbungen.

Zu beachtende Risiken:

  • 68 Prozent der Recruiter*innen empfinden, dass KI-generierte oder optimierte Bewerbungen weniger authentisch erscheinen, was es schwieriger macht, echtes Interesse und Motivation zu erkennen. Statt allgemeine Motivationsschreiben zu verlangen, was so oder so viele abschreckt, kannst du durch konkrete Fragen, die auf die spezifischen Erfahrungen und Motivationen der Kandidat*innen abzielen, mehr über sie herausfinden.

5. Reduzierung des Verwaltungsaufwands durch Automatisierung

Die Rekrutierung beinhaltet viele administrative Aufgaben, einschließlich der Planung von Interviews, der Beantwortung von FAQs und dem Versenden von Folgeinformationen. KI-gestützte Tools können viele dieser Routineaufgaben übernehmen und Recruiter*innen so für Beziehungsaufbau und Entscheidungsfindung freispielen. In Zeiten von Remote Work und Homeoffice sind auch Vorstellungsgespräche per Video oder digitaler Plattform immer üblicher, diese können mit KI verschieden stark automatisiert werden – KI-Anbieter wie Hirevue werten aufgezeichnete Videogespräche sogar nach Gesprächsinhalten, Ton, Gestik und Mimik aus. Die Herausforderung? Sicherzustellen, dass der Prozess trotzdem persönlich und kandidatenfreundlich bleibt.

Was ändert sich?
Chatbots und KI-gesteuerte Planungstools übernehmen Routineaufgaben wie die Buchung von Interviews und die Beantwortung von Kandidatenanfragen.

Vorteile:

  • Spart Zeit bei der Verwaltung und gibt Recruiter*innen mehr Raum für strategische Arbeit wie Kandidatenengagement und Interviewcoaching.

Zu beachtende Risiken:

  • Überautomatisierung kann unpersönlich wirken. Stelle sicher, dass Kandidat*innen für wichtige Fragen oder Anliegen immer Zugang zu einer realen Person haben.

6. KI für alle Unternehmensgrößen

Ihr müsst kein großer globaler Konzern sein, um von Künstlicher Intelligenz im Recruiting zu profitieren. Auch kleine Unternehmen können einfache, kostengünstige Tools nutzen, um ihren Einstellungsprozess zu optimieren. Mit Anwendungen wie ChatGPTGoogle Bard oder Neuroflash kann man beispielhafte Stellenanzeigen ruckzuck formulieren oder Texte so optimieren, dass sie genau die gewünschte Zielgruppe ansprechen. Basierend auf Large Language Models (LLM) werden hierbei unzählige Texte auf entsprechende Keywords und passende Wortkombinationen durchsucht, der generierte Inhalt ist umso besser, je genauer die Anweisung (Prompt) formuliert ist. Lies dazu auch unseren Artikel, wie ChatGPT im Recruiting genutzt werden kann und hole dir die besten Prompting Hacks für Recruiter von Jana Oetken – Recruiting-Profi und KI-Expertin. Der Schlüssel liegt darin, sich auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen Automatisierung die größte Wirkung erzielt, ohne die persönliche Note zu verlieren, die kleinere Organisationen oft am besten beherrschen. Kleinere Arbeitgeber haben möglicherweise nicht die großen Budgets für umfassende KI-Rekrutierungsplattformen, aber es gibt immer noch effektive Möglichkeiten, KI zu nutzen und dabei menschenzentriert zu bleiben.

Vorteile:

  • Wenn du kostenlose oder kostengünstige KI-Tools wie Grammarly oder ChatGPT nutzen möchtest, kannst du dir auch in einem kleinen Unternehmen bei der Überprüfung von Lebensläufen oder dem Erstellen von Stellenbeschreibungen helfen lassen. (Achtung Datenschutz: Persönliche Daten vorher aus den CVs löschen)
  • Die Terminplanung für Interviews lässt sich einfach mit Tools wie Calendly oder Microsoft Bookings automatisieren.

Zu beachtende Risiken:

  • Halte Bewertungen einfach: Ein grundlegender Online-Fragebogen oder ein kurzer Fähigkeitstest kann immer noch Struktur und Fairness hinzufügen. Konzentriere dich auf ein oder zwei Phasen, in denen KI Ihnen am meisten Zeit spart (wie z.B. die erste Screening-Phase der Lebensläufe), anstatt den gesamten Prozess umzukrempeln

7. Prädiktive Analysen: Mit Vorsicht zu behandeln

KI kann mithilfe von Daten früherer Einstellungen vorhersagen, welche Kandidat*innen wahrscheinlich erfolgreich sein werden. Während dies die Entscheidungsfindung verbessern kann, besteht auch die Gefahr, die Vorurteile der Vergangenheit zu wiederholen, wenn nicht verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Allround-HR-Lösungen wie Paradox.ai und auch MS Teams nutzen künstliche Intelligenz, um mit den gesammelten Daten aus Bewerbungen, Ausschreibungen, Personalbeurteilungen etc. Auswertungen und strategische Lösungen für die Zukunft des Unternehmens zu erstellen. So können wichtige Punkte wie Personalbedarf, Employee Experience bzw. Candidate Experience oder Recruiting-Kanäle besser verstanden und geplant werden. Gute Daten können bessere Einstellungen unterstützen, aber nur, wenn du die richtigen Fragen stellst und die zugrunde liegenden Annahmen hinterfragst.

Was ändert sich?

Einige KI-Tools können jetzt historische Einstellungsdaten analysieren, um vorherzusagen, welche Kandidat*innen basierend auf früheren Einstellungen wahrscheinlich erfolgreich sein werden und welche Perspnalstrategie für das Unternehmen passend ist.

Vorteile:

  • Datengestützte Erkenntnisse können Vermutungen und Unsicherheiten reduzieren und Einstellungsentscheidungen verbessern.

Zu beachtende Risiken:

  • Prädiktive Modelle können die Voreingenommenheit früherer Einstellungsentscheidungen reproduzieren, wenn sie nicht sorgfältig geprüft werden. Hinterfrage die Daten immer: Spiegeln sie die Werte eurer Organisation von heute oder die Präferenzen von gestern wider?

KI im Einsatz bei Stepstone

Stepstone hat sich das Ziel gesetzt, Bewerber*innen, Arbeitgebern und Unternehmen neue Wege aufzuzeigen, wie sie das transformative Potenzial von KI effektiv nutzen können und hält dabei an den drei Prinzipien “besser, schneller, fairer” fest: Dank KI verstehen wir die Kandidat*innen viel besser als noch vor ein paar Jahren und können sie künftig noch schneller mit den passenden Recruiter*innen zusammenbringen.

  • Mit dem Stepstone-Plugin für ChatGPT Plus Nutzer*innen aus Deutschland wird die Jobsuche zum interaktiven Gespräch. Das Plugin ist direkt mit der Jobbörse von Stepstone Deutschland verbunden, im Chat mit der KI kann man anhand von Präferenzen, Kompetenzen, Standort etc. herausfinden, welche Stellen sich individuell eignen.
  • Eine eigene Autonomous MatchingTM-Plattform von Stepstone weitet das Job Matching zukünftig auf Basis der empathischen Conversational Artificial Intelligence Technologie “Mya” zur personalisierten und automatisierten Jobsuche um.
  • Mit dem KI-basierten Recruiting-Tool “Recruit” wird Personalverantwortlichen eine Anwendung zur Unterstützung des gesamten Recruitings zur Seite gestellt – von der Suche nach passenden Beschäftigten mit easy und schnell erstellten optimalen Stellenanzeigen (Job Ad Creator) über die Organisation und Vorbereitung von Jobinterviews (Co-Pilot) bis hin zu objektiver Unterstützung für eine bessere Personalauswahl (Talent Recommender).
  • Für Kandidat*innen bietet Stepstone etwa Bewerbungsgesprächs-Training mit dem Interviewer sowie Hilfe beim Anschreiben mit dem Coverletter Generator.

Weitere Tipps zum Umgang mit KI im Recruiting

Im Juni 2024 verabschiedete die EU mit dem EU AI Act die weltweit ersten verbindliche Auflagen und Regeln für die gesetzlich, ethisch und moralisch korrekte Nutzung von künstlicher Intelligenz. Auch für den Einsatz von KI im Recruiting ist es wichtig, Mitarbeiter*innen strategisch anzuleiten, auf ihre Erwartungen und Ängste einzugehen und das Team laufend zu schulen.

Mit folgenden Tipps machst du deine HR-Abteilung und das gesamte Unternehmen KI-fit:

  • Kommuniziere in der Unternehmensmission und dem Purpose Statement, auf welche Weise KI genutzt wird und wie dadurch die Unternehmensstrategie beeinflusst wird. Guidelines oder Nutzungsregeln sorgen zusätzlich für Transparenz.
  • Zeige auch im Employer Branding, wie KI im Recruiting genutzt wird, um neue Talente anzulocken.
  • Stelle Interessensgruppen und KI-Beauftragte im Team bereit, die für Feedback und Fragen verfügbar sind.
  • KI-Pilotprojekte in bestimmten Abteilungen können als vorbildliches Use Case dienen, um Akzeptanz zu steigern.
  • Investiere in KI-Schulungs- und Entwicklungsprogramme, die sowohl technische Aspekte abdecken als auch die Nutzung im jeweiligen Berufsbereich und die ethische Sensibilisierung.
  • Der Mensch ist immer noch das Herz im Bewerbungsprozess – KI-Tools sind kein Ersatz für die menschliche Perspektive und können reale Gespräche und Erfahrungen zwar ergänzen, aber nicht ersetzen. 

Häufig gestellte Fragen zu KI im Recruiting:

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz im Recruiting? 

Künstliche Intelligenz hat im Recruiting sowohl für Bewerber*innen als auch für Recruiter*innen Vorteile. Sie ermöglicht eine effizientere Vorauswahl von Kandidat*innen durch automatisierte Screening-Prozesse und unterstützt Personalverantwortliche bei der Identifizierung passender Talente durch Datenanalyse und Predictive Analytics. Dennoch bleibt der menschliche Faktor entscheidend, da bestimmte Phasen des Bewerbungsprozesses, wie persönliche Interviews und das Feingefühl bei der Kandidatenbewertung, die menschliche Interaktion erfordern, um eine qualitativ hochwertige Auswahl zu gewährleisten.

Welche Vorteile bietet der Einsatz von KI im Recruiting-Prozess?

Auch im Bereich Recruiting bietet Künstliche Intelligenz Potenzial, Arbeitsprozesse zu vereinfachen und die zunehmende Arbeitsbelastung von Personalverantwortlichen zu erleichtern, was letztlich dazu führt, die Time to Hire, oder Vakanzzeit, zu reduzieren. Wenn erfolgreich eingesetzt ermöglicht KI es nicht nur, Zeit zu sparen, sondern sie verbessert auch die Talentauswahl und erhöht die Chancengleichheit unter den Bewerberinnen und Bewerbern und fördert gleichzeitig Diversität und Inklusion.  

Gibt es Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von KI im Recruiting?

KI kann in verschiedenen Phasen des Recruiting-Prozesses eingesetzt werden:
– Automatisierte Formulierung und Veröffentlichung von Stellenanzeigen
– Durchsicht von Bewerbungsunterlagen und Vorauswahl an Talente
– Chatbots im Bewerbungsprozess
– Automatisierte Terminplanung für Bewerbungsgespräche

Autorinnen: Barbara Oberrauter-Zabransky, Corina Staniek