Supervision: Definition, Anlässe und Ablauf

Alles über die Beratungsform im beruflichen Kontext


24.10.2024

Ein hoher Workload, der Wunsch nach Veränderung oder Konflikte im Team: Es gibt viele Anlässe im Arbeitsleben, die uns Kopfzerbrechen bereiten können. Unterstützung und Lösungen dafür verspricht eine Supervision: eine externe Beratung im beruflichen Kontext. Was genau damit gemeint ist, wann und für wen eine Supervision sinnvoll ist und wie die Beratung konkret abläuft, erfährst du hier.

Inhaltsverzeichnis
Das Wichtigste auf einen Blick
Definition: Was ist Supervision?
Anlässe und Themen von Supervision
Ziele von Supervision
Formen von Supervision
Voraussetzungen für eine Supervision
Supervision: Typischer Ablauf
Fazit: Mit Supervision Mitarbeiter*innen und Teams stärken
FAQ – Häufig gestellte Fragen
 

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bei einer Supervision unterstützt dich ein*e externe Berater*in bei der Bearbeitung beruflicher Themen.
  • Supervision kann bei Einzelpersonen aber auch Teams und Gruppen angewendet werden.
  • Hauptziele der Supervision sind die Verbesserung von Kommunikation und Zusammenarbeit sowie Lösung von Konflikten in Teams und Unternehmen.
  • Wichtigste Voraussetzung für eine Supervision sind Offenheit, Vertraulichkeit und der Einsatz einer*eines externen, qualifizierten Berater*in.

 

Definition: Was ist Supervision?

Der Begriff Supervision kommt aus dem Lateinischen und bedeutet auf Deutsch übersetzt „Von-oben-Betrachtung“. Konkret bedeutet das, dass bei einer Supervision ein*e externe Person mit entsprechender Qualifizierung bei beruflichen Themen beratend zur Seite steht. Oftmals handelt es sich dabei um Psycholog*innen, es gibt aber auch spezielle Supervisor*innen-Ausbildungen. Als externe Berater*innen regen Supervisor*innen zur Selbstreflexion an, fördern berufliche Kompetenzen und die eigene Handlungsfähigkeit im Beruf.

Ursprünglich entstanden ist Supervision bereits im späten 19. Jahrhundert in den USA. Vor allem in Branchen, in dem eine gute zwischenmenschliche Beziehung wichtig war – zum Beispiel in der sozialen Arbeit – kam diese Beratungsform zum Einsatz. Mittlerweile findet Supervision aber in nahezu allen beruflichen Bereichen Anwendung, da Personalgewinnung, -erhalt und -entwicklung in fast jeder Branche eine immer größere Rolle spielt.
 

Abgrenzung zu Mediation und Coaching

Supervision ist nur eine von verschiedenen Beratungsformen, die oftmals synonym mit Mediation und Coaching verwendet wird. Tatsächlich gibt es einige Gemeinsamkeiten, beispielsweise gibt keine der Beratungsformen eine Lösung vor, sondern dient lediglich als Unterstützung zur eigenen Lösungsfindung. Damit sind die Grenzen zwischen Supervision, Coaching und Mediation fließend. Ein Coaching ist allerdings meist zielorientierter und zeitlich begrenzt. Eine Mediation findet ausschließlich bei Konflikten Anwendung und ist ein freiwilliges Schlichtungsverfahren.

Wichtig: Keine der drei Beratungsformen kann bei psychischen Problemen eine Therapie ersetzen.
 

Anlässe und Themen von Supervision

Vor allem in der Personalentwicklung wird Supervision gerne als begleitendes Instrument eingesetzt, das sowohl anlassbezogen als auch dauerhaft in (un-)regelmäßigen Abständen angewendet wird. Bei einer regelmäßigen Supervision kann diese bereits präventiv, also vorbeugend wirken, so dass gewisse Konflikte und Probleme gar nicht erst entstehen.
Häufige Anlässe und Themen für eine Supervision sind zum Beispiel:

  • Klärung von beruflichen Rollen, Aufgaben und Verantwortungen: zum Beispiel, wenn du dich innerhalb des Unternehmens verändern oder weiterentwickeln möchtest, wenn eine neue Führungskraft ins Team kommt oder ein Team neu zusammengesetzt wird.
  • Verbesserung des Arbeitsklimas und/oder des Teamgefühls: beispielsweise, wenn es (unterschwellige) Konflikte im Team, mit einem Vorgesetzen oder Kunden gibt.
  • Unternehmensweite Veränderungen: beispielsweise bei einer Umstrukturierung, Fusion oder Übernahme.
  • Reduzierung von Stress und Konflikten: zum Beispiel bei (drohendem) Burnout.

 

Ziele von Supervision

Je nach Anlass und Thema unterscheiden sich die Ziele einer Supervision. Hauptsächlich geht es aber um die folgenden Punkte:

  • Verbesserung der Arbeitsqualität
  • Verbesserung der Kommunikation und Zusammenarbeit
  • Stärkung des Teamgefühls
  • Förderung der Selbstreflexion und Kritikfähigkeit
  • Reduzierung von Konflikten und Stress
  • Erarbeitung von Lösungen für kommende Herausforderungen

 
Mehrere Personen sitzen in einem Meetingraum vor Laptops an Tischen

Supervision findet häufig in Teams und Gruppen statt. © Stocksy/Hernandez & Sorokina
 

Formen von Supervision

Sowohl anhand der Themen als auch der Ziele lässt sich bereits erkennen, dass Supervision innerhalb einer Gruppe aber auch für eine einzelne Person möglich ist. Konkret lässt sich die Beratung in vier verschiedene Formen unterteilen:

  • Einzelsupervision: für Führungskräfte und Mitarbeiter*innen, die sich beruflich verändern wollen, aber auch, wenn es um die Reduzierung psychischer Belastung am Arbeitsplatz und Burnout-Prävention geht.
  • Gruppensupervision: für Teams, wenn es um strukturelle oder personelle Veränderungen geht, Verantwortungen oder Konflikte geklärt werden sollen.
  • Organisationssupervision: für eine komplette Firme oder große Teile, bei strukturellen und organisatorischen Veränderungen.
  • Fallsupervision: für Gruppen, aber nicht zwingend Teams, wobei eine Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird und der Erfahrungsaustausch im Fokus steht.

 

Voraussetzungen für eine Supervision

Damit eine Supervision gelingt, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Supervision sollte von einer*einem qualifizierten externen Supervisor*in durchgeführt werden.
  • Vor Beginn der eigentlichen Supervision sollte ein ausführliches Gespräch zur Auftragsklärung stattfinden. Dabei werden neben dem Thema und dem Ziel auch weitere Parameter wie der Ort, Dauer und Häufigkeit der Supervision geklärt.
  • Supervision ist immer freiwillig und lebt von der Offenheit aller Teilnehmenden. Zu beiden Punkten und eventuellen weiteren Regeln sollten sich alle Mitarbeiter*innen auch bekennen.

 

Supervision: Typischer Ablauf

Im Idealfall ist eine Supervision kein steifes Meeting, sondern ein lockeres Gespräch, das von dem oder der Supervisor*in eingeleitet und moderiert wird. Supervisor*innen haben dabei nicht die Aufgabe, Lösungen zu formulieren, sondern lediglich den Prozess zu begleiten und mit verschiedenen Methoden und Hilfsmitteln voranzubringen. Neben der Formulierung von (offenen oder konkreten) Fragen, kommen je nach Thema beispielsweise auch verschiedene Brainstorming-Methoden zum Einsatz. Ein typischer Ablauf für eine Supervision kann dann so aussehen:

  1. Vereinbarung und Commitment auf gemeinsame Regeln: Zu Beginn der ersten Supervision werden gemeinsame Spielregeln erarbeitet, zu denen sich jedes Teammitglied verpflichtet – zum Beispiel, dass alles Gesagte im Raum bleibt und die einzelnen Mitglieder sich gegenseitig ausreden lassen. Einmal erarbeitete Regeln werden zu jeder weiteren Sitzung mitgebracht und zu Beginn noch einmal in Erinnerung gerufen.
  2. Vorstellung und Klärung des Ziels der aktuellen Sitzung: Da eine Supervision meist ein laufender Prozess ist, lohnt es sich neben der vorherigen allgemeinen Auftragsklärung, ein konkretes Ziel für ein Treffen zu formulieren und dieses in Kontext mit dem Gesamtziel zu setzen.
  3. Thematische Zusammenarbeit: Mit Hilfe von Fragen und anderen Methoden arbeiten alle Teilnehmenden an dem festgelegten Thema und Ziel. Dabei geht es zuerst darum, dass jede Stimme gehört und alle Aspekte erfasst werden
  4. Lösungsfindung: Aufbauend auf dem vorherigen Punkt werden Lösungen erarbeitet und bewertet. Dabei werden beide Punkte nicht immer strikt voneinander getrennt, sondern verschmelzen oft miteinander oder erfolgen im Wechsel. Entscheidend ist, dass der*die Supervisor*in hier gegebenenfalls zielführend eingreift, so dass am Ende einer Sitzung eine Lösung oder zumindest ein Lösungsansatz gefunden wird.
  5. Abschluss: Am Ende jeder Sitzung erfolgt eine kurze Reflexion, was (nicht) gut gelaufen ist, wie sich die Teilnehmenden bei der Supervision gefühlt haben und was sie aus der Supervision mitnehmen. Auch über Folgetermine und -themen kann gesprochen werden.

 

Fazit: Mit Supervision Mitarbeiter*innen und Teams stärken

In der Personalentwicklung ist Supervision ein beliebtes Mittel, um einzelne Mitarbeiter*innen und Teams zu stärken. Richtig und regelmäßig angewendet, fördert es nicht nur die Kommunikation und Zusammenarbeit, sondern sorgt auch für zufriedene Mitarbeiter*innen. Stress und Konflikte können reduziert, neue Lösungen für verschiedene Herausforderungen gefunden werden.

Entscheidend dabei ist der*die richtige Supervisor*in und die Offenheit aller Beteiligten. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, besteht vor allem die Gefahr, dass einzelne (stillere) Teammitglieder untergehen und Konflikte eher verschleppt oder sogar verschlimmert werden.

Wichtig ist außerdem der richtige Zeitpunkt: Wird eine Supervision erst angesetzt, wenn ein Problem bereits besteht oder Mitarbeiter*innen sich bereits stark erschöpft fühlen, ist der Weg zum Ziel viel weiter, als wenn Supervision als dauerhaftes Instrument in der Personalentwicklung eingesetzt wird.
 

FAQ – Häufig gestellte Fragen

 

Was macht eine Supervision?

Eine Supervision ist eine Form von Beratung im beruflichen Kontext. Ein*e qualifizierte Berater*in unterstützt Einzelpersonen oder Gruppen bei der Klärung von Problemen und sorgt so für eine bessere Kommunikation, Zusammenarbeit und individueller Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
 

Was bespricht man in einer Supervision?

Bei einer Supervision werden individuelle oder gruppeninterne Themen im beruflichen Kontext besprochen. Typische Fallbeispiele einer Supervision sind der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung, zunehmender Stress und drohender Burnout sowie Konflikte mit anderen Teammitgliedern, Vorgesetzten oder Kunden.
 

Wann ist eine Supervision im Job sinnvoll?

Eine Supervision ist grundsätzlich immer sinnvoll, wenn es um die Verbesserung der Arbeitsqualität und Zusammenarbeit von einzelnen Mitarbeiter*innen und Teams geht. Besonders in Stresssituationen und bei anstehenden Veränderungen kann eine Supervision hilfreich sein.
 

Ist Supervision vertraulich?

Sofern nicht anders vereinbart, ist eine Supervision immer vertraulich. Wird die Supervision von jemandem beauftragt, der später nicht an den Sitzungen teilnimmt, wird der*die Auftraggeber*in meist auch über die Ergebnisse der Supervision informiert.
 

Kann man zur Supervision gezwungen werden?

Eine Supervision lebt von der Freiwilligkeit aller Teilnehmenden und kann somit nicht erzwungen werden.
 

Was ist das Ziel einer Supervision?

Die Ziele einer Supervision können sehr unterschiedlich sein. Meist geht es aber darum die Zusammenarbeit und Kommunikation zu verbessern, Konflikte zu lösen und die Mitarbeiterzufriedenheit sowie -handlungsfähigkeit zu steigern.
 

Was darf ein*e Supervisor*in nicht tun?

Als externe*r Berater*in sollte ein*e Supervisor*in objektiv sein und keine eigenen Lösungsvorschläge entwickeln, sondern lediglich bei der individuellen Lösungsfindung begleiten. Inhalte und Ergebnisse einer Supervision darf der*die Supervisor*in nicht an Dritte weitergeben, außer, es wurde mit den Teilnehmenden vorher etwas anderes besprochen.
 

Wie lange dauert eine Supervision?

Eine einzelne Sitzung dauert bei Einzelpersonen meist zwischen 60 und 90 Minuten, bei Gruppen meist zwei bis drei Stunden. Wird Supervision für eine konkrete Problemstellung vereinbart, wird dafür meist eine bestimmte Anzahl an Sitzungen vereinbart. Bestenfalls ist Supervision jedoch ein laufender Prozess mit immer wiederkehrenden Sitzungen.
 

Welche Arten von Supervisionen gibt es?

Supervision kann sowohl als Einzelberatung erfolgen, als auch für Teams und anderweitigen Gruppen. Etwas seltenere Formen der Supervision sind Organisations- und Fallsupervisionen.

 

Bildnachweis: Stocksy/Luis Velasco

Autorin: Verena Feldmann