02.09.2024
Lesedauer: 11 Min.

Sabine Schönfellner

Employer Branding

Employer Branding ist eine der besten Strategien gegen den Fachkräftemangel, wie auch unsere aktuelle Recruiter-Studie bestätigt: 59% der befragten Recruiter*innen nennen verstärktes Employer Branding als zentralen Erfolgsfaktor im Recruiting. Wir gehen daher ausführlich darauf ein, worauf es bei Ihrer Positionierung als attraktiver Arbeitgeber ankommt, welche Ziele Sie verfolgen sollten und welche Maßnahmen die erfolgversprechendsten sind.

Definition: Was ist Employer Branding?

Employer Branding bezeichnet alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, ein positives Image aufbauen und pflegen. Es umfasst sowohl interne Maßnahmen gegenüber den aktuellen Mitarbeiter*innen wie auch externe in Bezug auf potenzielle neue Mitarbeiter*innen. Zum Employer Branding gehören u.a. das Arbeitgeberversprechen (Employee Value Proposition, EVP), Unternehmenswerte und -kultur, die Kommunikationsstrategie sowie Maßnahmen für die Mitarbeiterzufriedenheit.

 Unterschied Employer Branding und Personalmarketing

Nein, es sind zwei einander ergänzende Bereiche: Unter Personalmarketing werden alle Maßnahmen verstanden, die im Zusammenhang mit der Gewinnung neuen Personals stehen. Hierzu zählen alle Tätigkeiten von der Ausschreibung einer Stelle über die Kontaktaufnahme, Vorauswahl, das Durchführen von Bewerbungsgesprächen und die Auswahl der Bewerber*innen. Im weiteren Schritt zählt es ebenfalls zu den Aufgaben des Personalmarketings, das Onboarding zu organisieren und Fort- und Weiterbildungen des Personals, Incentives, Gesundheitsmanagement oder Teamevents zu planen und umzusetzen.

Im Unterschied dazu geht es im Employer Branding darum, eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Dieser strategische Bereich ist zukunftsgerichtet und beinhaltet auch die Formulierung der Employer Value Proposition (EVP).

Die beiden Bereiche bedingen einander gegenseitig, denn wer eine starke Unternehmensmarke aufbaut, wird damit auch gleichzeitig einen großen Beitrag dazu leisten, neue Mitarbeiter*innen zu gewinnen. Darüber hinaus kann eine gute Employer Branding Strategie auch dafür sorgen, langfristig Recruiting-Kosten zu senken.

 Ziele von Employer Branding

Employer Branding verfolgt sowohl interne als auch externe Ziele, d.h. es zielt auf die aktuelle Belegschaft ebenso ab wie auf potenzielle zukünftige Mitarbeiter*innen.

Internes Employer Branding & Ziele

Ziele von externem Employer Branding

Entwicklung einer Employer Branding Strategie

Eine Employer Branding Strategie setzt klare Ziele ebenso voraus wie eine umfassende Auseinandersetzung mit der EVP und der Integration dieser in den Recruiting Prozess.

Schritt 1: Definition der Stärken und der EVP (Employer Value Proposition)

Was sind Ihre Stärken als Arbeitgeber? Was ist Ihr Unique Selling Point (USP) als Unternehmen? Was sind die Gründe, aus denen Bewerber*innen sich für Ihr Unternehmen entscheiden sollen? Diese Fragen führen Sie zur EVP: Darunter versteht man all die Benefits, Vorteile und Besonderheiten, von denen Mitarbeiter*innen profitieren, wenn sie in Ihrem Unternehmen zu arbeiten beginnen. Dazu gehören etwa flexible Arbeitsbedingungen, eine sichere Anstellung, Abwechslung bei den Arbeitsaufgaben sowie professionelles Training und Weiterbildung.

Schritt 2: Bewusstmachen von Entwicklungspotenzial

Was läuft aktuell im Recruiting noch nicht so richtig rund? Woran liegt es, dass sich wenige/nicht die richtigen Bewerber*innen auf Ihre Stellenausschreibungen bewerben oder Sie diese dann im nächsten Schritt nicht ins Boot holen können? Womit sind bestehende Mitarbeiter*innen unzufrieden? Hier kann auch eine anonyme Mitarbeiterbefragung Aufschluss liefern. Auch Arbeitgeber-Bewertungen sind eine wertvolle Quelle, wenn es darum geht herauszufinden, was bestehende und ehemalige Mitarbeiter*innen wirklich über Ihr Unternehmen denken.

Schritt 3: Analyse der Zielgruppe

Es ist essenziell, sich damit auseinanderzusetzen, was Ihre Bewerber*innen eigentlich wollen. Es bringt nämlich gar nichts, beispielsweise hybride oder remote Arbeit anzupreisen, nur weil diese aktuell im Trend liegen, wenn Ihre Zielgruppe an Bewerber*innen diese gar nicht nachfragt. Wählen Sie daher in der Kommunikation jene Stärken aus, mit denen Sie auch bei der Zielgruppe punkten und sich positiv hervorheben können. Bedenken Sie auch, dass die Attraktivitätsfaktoren mittlerweile sehr breit und individuell sind.

Schritt 4: Erstellen aussagekräftiger Stellenausschreibungen inkl. EVP

Es ist wichtig, dass Sie ganz konkret und genau formulieren, was zukünftige Mitarbeiter*innen erwartet, welche Vorteile sie genießen und wodurch sich Ihr Unternehmen auszeichnet. Nur so können Sie auch sicherstellen, genügend und vor allem die richtigen Bewerbungen zu erhalten.

Schritt 5: Storytelling

Machen Sie sich die menschliche Vorliebe für Geschichten zunutze und erzählen Sie Ihre Unternehmensgeschichte. Dadurch können sich Bewerber*innen direkt einfühlen und eine Verbindung zu Ihrem Unternehmen aufbauen. Mittlerweile stehen Ihnen dafür so viele Plattformen zur Verfügung – sei es auf ihrer Unternehmenswebsite, in den sozialen Medien, auf einer eigenen Karriereseite, Blogs oder auf Youtube bzw. auch in kurzer Form in Ihrer Stellenausschreibung.

Schritt 6: Herausragendes Onboarding

Egal, ob das Onboarding neuer Mitarbeiter*innen in Ihrem Unternehmen vor Ort oder digital stattfindet, es ist der erste Eindruck, den neue Mitarbeiter*innen von Ihrem Unternehmen bekommen. Und wie sagt man so schön: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Neben den regulären Maßnahmen wie Willkommensmappe, Einschulungsplan, Organigramm etc., können ein Buddy-System oder auch ein Teamfrühstück zum Kennenlernen am ersten Tag das Teamgefüge gleich zu Beginn stärken. Ziel all dieser Maßnahmen sollte es sein, den Neulingen ein positives Gefühl sowie Wertschätzung zu vermitteln und sie gut in das bestehende Team zu integrieren.

Schritt 7: Schaffen von Entwicklungs-, Wachstums- und Entfaltungsmöglichkeiten

Unternehmen wollen Mitarbeiter*innen einstellen, die auch auf lange Sicht im Unternehmen bleiben und Projekte bis zum Abschluss begleiten wollen. Daher ist es ebenfalls Teil einer erfolgreichen Employer Branding Strategie, als Arbeitgeber aufzutreten, bei dem es diese Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten gibt. Dazu zählen entsprechende Weiterbildungsprogramme, aber auch regelmäßige Mitarbeiter*innen-Gespräche, um in gewissen Abständen Feedback einzuholen und Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten.

Employer Branding Maßnahmen

Auf dem Weg zu einem erfolgreichen Employer Branding sind unterschiedliche Maßnahmen zu setzen – sowohl interne als auch externe:

Interne Employer Branding Maßnahmen

Bei den internen Maßnahmen geht es darum, die Mitarbeiter*innen miteinzubeziehen, zu motivieren sowie ihnen auch kontinuierliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten zu schaffen – hier einige der wichtigsten Maßnahmen:

Maßnahmen für externes Employer Branding

Mit den externen Maßnahmen des Employer Brandings sind alle gemeint, die die Unternehmensmarke nach außen kommunizieren. Dazu gehören:

 7 Tipps für erfolgreiches Employer Branding

Worauf kommt es beim Employer Branding an? Wir haben Ihnen 7 Erfolgsfaktoren für erfolgreiches Employer Branding zusammengestellt:

Autorin: Sabine Schönfellner
Bildnachweis: istockphoto.com / Pekic