Quereinstieg boomt: Stellenanzeigen in Österreich für Quereinstieg seit 2019 fast vervierfacht

Hiring Trends Update der Recruiting-Plattform Stepstone analysiert Entwicklungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt


02.07.2026

Fast ein Drittel der Beschäftigten in Österreich hat sich im vergangenen Jahr bereits in einem neuen Berufsfeld beworben. Besonders offen für Quereinstiege sind Gastronomie und Hotellerie, Verwaltung, Vertrieb und Verkauf sowie der Groß- und Einzelhandel. Insgesamt können sich 84 Prozent der Beschäftigten grundsätzlich vorstellen, in einen neuen Beruf zu wechseln.

Düsseldorf/Wien, 02.07.2026 – Neue Berufswege und Quereinstiege gewinnen am österreichischen Arbeitsmarkt deutlich an Bedeutung. Das zeigt eine aktuelle Analyse der digitalen Jobplattform Stepstone, für die knapp 400.000 Stellenanzeigen in Österreich ausgewertet wurden. Demnach hat sich der Anteil jener Stellenausschreibungen auf Stepstone.at, die ausdrücklich Quereinstiege adressieren, von 2019 bis 2025 nahezu vervierfacht.

Damit wird deutlich: Unternehmen berücksichtigen zunehmend auch unkonventionelle Karrierewege und setzen verstärkt auf Potenzial sowie übertragbare Kompetenzen statt ausschließlich auf klassische, lineare Lebensläufe.

„Während des Arbeitskräftemangels nach der Pandemie erreichte der Anteil entsprechender Stellenanzeigen im Jahr 2022 seinen Höchststand und lag 41 Prozent über dem Schnitt des Gesamtzeitraums. Danach hat sich die Anzahl auf hohem Niveau stabilisiert. Das zeigt: Quereinstiege sind kein kurzfristiger Trend, sondern haben sich als langfristiger Bestandteil moderner Recruiting-Strategien etabliert und sind für viele Unternehmen eine Antwort auf Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel“, analysiert Nikolai Dürhammer, Managing Director Stepstone Austria & Switzerland.

Dass Unternehmen neue Zielgruppen erschließen, hängt auch mit den anhaltenden Herausforderungen bei der Besetzung offener Stellen zusammen. Laut aktuellem Hiring Trends Update bleibt die Identifikation und Gewinnung passender Kandidatinnen und Kandidaten auch 2025 die größte Herausforderung für Recruiter. Für 35 Prozent der Befragten stellt das Finden geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten mit den passenden Kompetenzen derzeit die größte Recruiting-Hürde dar.

Beschäftigte denken Karrierewege neu

Gleichzeitig wächst auch aufseiten der Beschäftigten die Offenheit für berufliche Veränderungen. Laut Hiring Trends Update würden 84 Prozent der Beschäftigten in Österreich einen Wechsel in einen anderen Tätigkeitsbereich oder eine andere Branche erwägen, sollten ihre Fähigkeiten künftig weniger gefragt sein. In Deutschland liegt dieser Wert mit 87 Prozent leicht darüber.

Die Unsicherheit hinsichtlich der eigenen langfristigen Arbeitsmarktrelevanz ist dabei spürbar – und in Österreich sogar stärker ausgeprägt als in Deutschland: Mehr als jede vierte befragte Person in Österreich (26 Prozent) zweifelt daran, dass die eigenen Fähigkeiten in den kommenden drei Jahren weiterhin ausreichend gefragt sein werden. In Deutschland betrifft das nur jede fünfte Person (20 Prozent).

Auch zwei Drittel der Befragten in Österreich (68 Prozent) sind der Ansicht, dass der Arbeitsmarkt derzeit nur begrenzt passende Stellen für sie bietet. In Deutschland liegt dieser Wert mit 61 Prozent leicht darunter.

Die Folge: Fast ein Drittel der Beschäftigten (31 Prozent) hat sich in den vergangenen zwölf Monaten bereits auf eine Stelle außerhalb des bisherigen Tätigkeitsbereichs beworben. In Deutschland liegt dieser Wert mit 37 Prozent sogar noch etwas höher. Ebenso ziehen 31 Prozent der österreichischen Beschäftigten heute ein breiteres Spektrum an Rollen in Betracht als noch vor einigen Jahren – in Deutschland sind es bereits 44 Prozent.

Auch die Wechselbereitschaft insgesamt erreicht einen neuen Höchstwert: 59 Prozent der Beschäftigten suchen aktuell aktiv nach einer neuen beruflichen Herausforderung, weitere 32 Prozent zeigen sich grundsätzlich offen für neue Angebote. Im Vorjahr lag der Anteil der aktiv Suchenden noch bei 42 Prozent.

Ein beruflicher Neustart bleibt jedoch für viele Menschen mit Unsicherheiten verbunden: Der Hauptgrund, sich nicht auf einen Berufswechsel vorzubereiten oder neue Fähigkeiten für die Zukunft zu entwickeln, liegt mit 28 Prozent bei dem damit verbundenen finanziellen Risiko. 22 Prozent geben außerdem an, Sorge davor zu haben, in einem neuen Berufsfeld noch einmal ganz von vorne beginnen zu müssen. In Deutschland liegt dieser Wert mit 30 Prozent deutlich höher.

Diese Berufe sind für den Quereinstieg besonders offen

Besonders offen für Quereinstiege zeigen sich aktuell die Bereiche Gastronomie und Hotellerie sowie Verwaltung, Vertrieb und Verkauf sowie Groß- und Einzelhandel. In diesen Berufsfeldern zählen übertragbare Kompetenzen wie Organisationstalent, Kundenorientierung oder Prozessverständnis oft mehr als formale Abschlüsse. Viele Positionen lassen sich zudem über Learning-on-the-Job oder durch gezielte Einarbeitung besetzen.

„Quereinstieg entwickelt sich zunehmend zu einer Chance für beide Seiten: Unternehmen erschließen neue Talentpools und besetzen offene Stellen flexibler, während Beschäftigte neue Karrierewege für sich entdecken. Immer stärker zählen dabei Potenzial und übertragbare Kompetenzen statt ausschließlich klassische Lebensläufe“, sagt Nikolai Dürhammer, Managing Director Stepstone Austria & Switzerland.

Über die Studie Hiring Trends Update

Das Stepstone Hiring Trends Update Q2 2026 basiert auf einer Befragung von 483 Beschäftigten sowie 246 Personalverantwortlichen in Österreich (Feldphase: 23. April bis 21. Mai 2026). Die Studie beleuchtet den aktuellen Stand des Arbeitsmarkts aus beiden Perspektiven: von der Jobsuche und Wechselbereitschaft über Bewerbungserfahrungen und Weiterbildung bis hin zu Einstellungsprozessen und Recruiting-Herausforderungen. Die Kandidatenstichprobe ist repräsentativ für die österreichische Erwerbsbevölkerung nach Alter und Geschlecht. Die Datenerhebung wurde vom Stepstone Arbeitsmarktforschungsteam durchgeführt.

Über die Plattformanalyse zum Quereinstieg

Für die Sonderauswertung wurden rund 400.000 Stellenanzeigen auf Stepstone.at aus dem Zeitraum Januar 2019 bis April 2026 analysiert. Quereinstiegs-Jobs wurden anhand expliziter Begriffe in Jobtiteln und Anzeigentext identifiziert – darunter Formulierungen wie „Erfahrung bevorzugt, aber nicht nötig“, „Quereinsteiger willkommen“, „Umschulung“ oder „ohne Vorerfahrung“. Der Anteil dieser Anzeigen am Gesamtangebot wurde mit dem gewichteten Durchschnitt des gesamten Auswertungszeitraums verglichen, um die Entwicklung über die Jahre vergleichbar zu machen.

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