StepStone Gehaltsratgeber

Tipps und Tricks für die erfolgreiche Gehaltsverhandlung

StepStone Gehaltsratgeber

Tipps und Tricks für die erfolgreiche Gehaltsverhandlung
Eine Gehaltsverhandlung ist nervenaufreibend. Wann man seine Vorgesetzte anspricht, wieviel man verlangen will und was man sagt, sollte gut durchdacht sein. Um das herauszufinden, haben wir mit ein paar Experten gesprochen.

INHALTSVERZEICHNIS

Teil 1: Soll ich überhaupt nach einer Gehaltserhöhung fragen?

  • Wie erkenne ich, ob ich unterbezahlt bin?
    1. Sprechen Sie mit Branchenkolleginnen
    2. Nutzen Sie den Gehaltsrechner
    3. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt
  • Wie oft sollte ich eine Gehaltserhöhung bekommen?
  • Erhalte ich das gesetzliche Mindestgehalt?
  • Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung in Österreich?

Teil 2: Wie frage ich erfolgreich nach einer Gehaltserhöhung?

  • Wen soll ich um eine Gehaltserhöhung bitten?
  • Wann soll ich um eine Gehaltserhöhung fragen?
    • Der beste Zeitpunkt
    • Der schlechteste Zeitpunkt
  • Wie frage ich nach einer Gehaltsverhandlung?
  • Was sage ich in einer Gehaltsverhandlung?
  • Was soll ich in einer Gehaltsverhandlung auf keinen Fall machen?
  • Welche Totschlagargumente wirken bei Gehaltsverhandlungen?
  • Wie gehe ich mit meiner Nervosität um?
  • Wie handle ich eine Gehaltserhöhung aus?
  • Wie kann ich mich bei meiner Vorgesetzten für eine Gehaltserhöhung bedanken?

Teil 3: Was soll ich tun, wenn meine Anfrage auf eine Gehaltserhöhung verweigert wird?

  • Meine Vorgesetzte argumentiert dagegen, was soll ich tun?
  • Ich konnte keinen Erfolg bei der Verhandlung erzielen, was soll ich tun?

Teil 4: Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch

  • Die Recruiterin fragt nach, was soll ich sagen?
  • Infos zu den GehaltsexpertInnen

 

Teil 1: Soll ich überhaupt nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Sie sind der Meinung, Sie verdienen eine Gehaltserhöhung? Dann ja, definitiv. Viele Angestellte beschweren sich ständig über ihr Gehalt, tun aber nichts. Wenn Sie mehr Geld möchten, müssen Sie etwas dafür tun und aktiv auf Ihre Vorgesetzte zugehen. Vorbereitung ist dabei alles.

Ihnen fehlt der Mut? Listen Sie Ihre Leistungen und Erfolge der letzten Monate auf. Oft vergessen wir, was wir gut gemacht haben und
fokussieren uns stattdessen auf die weniger guten Dinge. Sich selbst an die eigenen Erfolge zu erinnern, steigert das Selbstbewusstsein.

Sie sind nervös? Legen Sie sich einen guten Einstieg in das Gespräch zurecht, denn oft sind es die ersten Sätze, die uns bei Nervosität
ins Schleudern bringen. Wählen Sie die Worte schon im Vorhinein und üben Sie, diese laut auszusprechen. Ein guter Start gibt Ihnen Selbstsicherheit für das restliche Gespräch.

Sie haben nichts zu verlieren. Selbst wenn Ihre Vorgesetzte die Anfrage abweist, haben Sie den Prozess in Gang gebracht und sie an Ihre Erfolge erinnert. Sie können Ihre Bezahlung in 6 oder 12 Monaten erneut ansprechen.

Wie erkenne ich, ob ich unterbezahlt bin?

1. Sprechen Sie mit Branchenkolleginnen
Finden Sie heraus, was Ihre Branchenkolleginnen in vergleichbaren Positionen verdienen, bevor Sie das Gespräch suchen. So können Sie argumentieren, dass Ihre momentane Bezahlung nicht mit marktüblichen Gehältern übereinstimmt.
Geld ist eine sensible Angelegenheit, seien Sie also nicht überrascht, wenn Ihre Kolleginnen mit ihrem Gehalt hinterm Berg halten. Überlegen Sie sich, ob Sie das Gehalt Ihrer Kolleginnen im Gespräch einsetzen wollen. Es kann unprofessionell wirken, wenn Sie
diese Information der Vorgesetzten preisgeben. Mehr Infos auf zum Gehaltsvergleich unter Kolleginnen.

2. Nutzen Sie den Gehaltsrechner
Mit der Anzahl der Berufsjahre, zunehmender Verantwortung oder Ausweitung des Aufgabengebietes sollte das Gehalt steigen. Alle haben das Recht auf ein entsprechendes Gehalt – aber wer es nicht einfordert, wird oft übergangen.
Daniela Schlick empfiehlt den Online-Gehaltsrechner des österreichischen Frauenministeriums.

 

Daniela Schlick„Ein Werkzeug, mit dem man in vier einfachen Schritten herausfinden kann, ob man ein faires Gehalt bekommt.Tipp: Seinen Marktwert erfährt man auch durch Bewerbungen bei anderen Unternehmen der gleichen Branche.“

 

3. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt

Suchen Sie einfach nach vergleichbaren Stellenangeboten auf Jobbörsen wie StepStone.at. So sehen Sie, was für ähnliche Positionen in anderen Unternehmen geboten wird. Sie wollen Ihren Marktwert genauer wissen? Folgen Sie unserem 10 Schritte Programm.

Wie oft sollte ich eine Gehaltserhöhung bekommen?

Österreichische Angestellte haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine jährliche Gehaltserhöhung, auch nicht stufenweise oder an die Inflation angepasst. Stattdessen liegt es beim Arbeitgeber, ob und wann das Gehalt erhöht wird. Gute Unternehmen wissen:

Eine Gehaltserhöhung alle 12 Monate ist ein probates Mittel, um gute Mitarbeiter zu halten. Viele Unternehmen klären dieses Thema formell – nach einer jährlichen Studie von Mercer erhöhen 90 % der Unternehmen das Gehalt aller Mitarbeiterinnen einmal jährlich am
gleichen Tag.

In kleineren Betrieben wird das Gehalt nicht für alle Mitarbeiterinnen gleichzeitig festgelegt, sondern abhängig vom Beitrittszeitpunkt jährlich überarbeitet. Dabei sind Gehaltsgespräche eher spontan und individuell

 

„Es kann passieren, dass Sie für zwei oder drei Jahre keine Gehaltserhöhung bekommen, weil Ihr Arbeitgeber nicht über Ihre Bezahlung nachgedacht hat – fragen Sie also nach wenn Sie länger keine Erhöhung hatten.“

 

Prinzipiell können Sie alle 12 Monate mit einer Gehaltserhöhung rechnen (oder danach fragen). Wenn Sie eher eine Gehaltserhöhung wollen, brauchen Sie ein gutes Argument – etwa, wenn sich Ihr Verantwortlichkeitsbereich in größerem Ausmaß verändert hat.

Erhalte ich das gesetzliche Mindestgehalt?

Obwohl es keine offiziellen Ansprüche auf eine Gehaltserhöhung gibt, ist es sinnvoll, das derzeitige Mindestgehalt zu kennen. In Österreich ist das Mindestgehalt in den Kollektivverträgen geregelt, manchmal auch in Mindestlohntarifen. Den passenden Kollektivvertrag können Sie bei der Wirtschaftskammer einsehen.

https://www.wko.at/service/kollektivvertraege.html 

Falls Ihr Gehalt unter dem Mindestgehalt liegt, sollten Sie zuerst mit Ihrer Arbeitgeberin sprechen. Ihre Arbeitgeberin muss Ihnen den ausgebliebenen Differenzbetrag sofort ausbezahlen. Sie sollten Ihre Anfrage schriftlich festhalten. Wenn Ihre Arbeitgeberin die Auszahlung
verweigert, können Sie sich an die Arbeiterkammer wenden.

Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung in Österreich?

Laut der aktuellen StepStone Studie bekommen 50 % der Befragten eine Gehaltserhöhung von 5 – 10 % des Bruttogehaltes, nur 21 % bekommen mehr als 10 %. Gehaltsexperte Dr. Conrad Pramböck weiß aus Erfahrung, dass man nicht zu hohe Erwartungen haben sollte:

„Eine realistische Gehaltsanpassung liegt bei 3 bis 5 Prozent. Größere Gehaltssprünge von 15 bis 20 Prozent sind meist nur bei einem Arbeitgeberwechsel möglich.“

 

Teil 2: Wie frage ich erfolgreich nach einer Gehaltserhöhung?

Am besten fragen Sie persönlich nach einer Gehaltserhöhung. Unter vier Augen fällt es Ihrer Vorgesetzten schwerer, die Anfrage zu ignorieren. Außerdem zeigt ein persönliches Gespräch, dass Sie das Thema ernst nehmen.

Dr. Pramböck ergänzt:

„So können Sie auch die Reaktion Ihrer Vorgesetzten abschätzen, Gegenargumente bringen und verhandeln. Aber auch beim persönlichen Gespräch sollten Sie Ihre Argumente niederschreiben und so Ihre Gedanken ordnen.“

Wen soll ich um eine Gehaltserhöhung bitten?

Wenn Sie eine Gehaltserhöhung wollen, sollten Sie zuerst Ihre direkte Vorgesetzte ansprechen. Ist diese für eine Gehaltserhöhung nicht empfänglich, probieren Sie es in einigen Monaten nochmals. Tipp: Die direkte Vorgesetzte zu übergehen, ist keine gute Idee und kann als Zeichen für Illoyalität und mangelndes Teamplay ausgelegt werden.

Wann soll ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Das jährliche Mitarbeitergespräch stellt das Ende des Geschäftsjahres dar und ist eine gute Gelegenheit für ein Gespräch nach mehr Gehalt. Achtung: Falls in Ihrem Unternehmen die Gehaltserhöhungen immer im Jänner beschlossen werden, ist eine Anfrage im Dezember zu spät – das Budget ist schon festgelegt. Tipp: Es gibt keinen „perfekten Augenblick“, um das Thema Gehalt anzusprechen – aber manche Momente sind besser geeignet als andere. Laut einer Umfrage sind Managerinnen etwa am Mittwoch am empfänglichsten für Fragen nach mehr Geld.

Der beste Zeitpunkt:

  • Nach dem Abschluss eines erfolgreichen Projektes, in das Sie involviert waren.
  • Wenn Ihre Vorgesetzte positive finanzielle Ergebnisse verkündet.
  • Ihr Vertrag wird erneuert.
  • Sie bekommen mehr Verantwortung.

Der schlechteste Zeitpunkt:

  • Mehr Infos zum perfekten Timing einer Gehaltserhöhung finden Sie hier:
  • Bei schlechten finanziellen Ergebnissen oder nach dem Verlust eines Großauftrages.
  • Montagmorgens oder zu einer besonders stressigen Zeit des Quartals.
  • Freitagnachmittags, wenn Ihre Vorgesetzte ans Wochenende denkt.

Mehr Infos zum perfekten Timing einer Gehaltserhöhung finden Sie hier.

Wie frage ich nach einer Gehaltsverhandlung?

Wie Sie das Gespräch beginnen, hängt von der Beziehung zu Ihrer Vorgesetzten ab. Manche wählen den informellen Weg bei einem After-Work-Bier, die klassische Herangehensweise ist aber, einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Dabei sollten Sie mindestens 45 Minuten einplanen und Ihre Vorgesetzte im Vorfeld darüber informieren, was Sie beim Termin gerne besprechen würden.

Was sage ich in einer Gehaltsverhandlung?

Beginnen Sie damit, Ihrer Vorgesetzten für ihre Zeit zu danken und erwähnen Sie, wie
sehr Sie Ihren Job mögen. Heben Sie dann Ihre Erfolge der letzten 12 Monaten hervor und geben Sie einen kurzen Überblick, wie Sie dem Unternehmen in Zukunft nutzen werden. Sie können auch beiläufig erwähnen, was Angestellte in ähnlichen Positionen verdienen
bzw. welches Gehaltsangebot Sie in ähnlichen Positionen bekommen würden.

„Als Manager übertreffe ich in meinem Job alle KPIs und Ergebnisse. Am Arbeitsmarkt bin ich X wert, was Y % über meinem momentanen Gehalt liegt. Daher möchte ich gerne darüber reden, wie wir diese Lücke schließen können.“

 

Erwähnen Sie erneut Ihre Wertschätzung für das Team, aber stellen Sie klar, dass es wichtig ist, dass Ihr Gehalt mit dem Markt übereinstimmt.

Überdenken Sie im Vorhinein Ihre Wortwahl. Verwenden Sie eindeutige Worte und vermeiden Sie eine zu sanfte Sprache mit vielen Konjunktiven. Wenn Sie „Ich hätte gerne“ oder „Ich hoffe auf“ verwenden, wirkt es, als würden Sie nicht davon ausgehen, dass
dies eintrifft.

Kommunizieren Sie Ihre Vorstellungen klar und deutlich. Denn unkonkrete Aussagen wie „Ich dachte an etwas im Bereich von X“ vermitteln den Eindruck, dass Sie sich Ihres Selbstwertes nicht sicher sind. Wenn Sie gut recherchiert haben, wissen Sie, welcher Betrag angemessen ist – also fragen Sie auch danach.

Behalten Sie während der Verhandlung das Wesentliche im Auge und vermeiden Sie es, Emotionen zu zeigen. Ihre Vorgesetzte muss nicht wissen, wofür Sie das Geld verwenden wollen – sich auf die Kosten für ein neues Haus oder Auto zu berufen, bringt Ihnen in der Verhandlung keine Vorteile.

Was soll ich in einer Gehaltsverhandlung auf keinen Fall machen?

Wir haben die 7 absoluten No-Gos für Sie zusammengefasst:

  1. Sie bringen falsche Argumente, wie eine Mieterhöhung.
  2. Sie sind schlecht vorbereitet und haben keine Ihrer erbrachten Leistungen im Kopf.
  3. Sie können kein konkretes Gehaltsziel nennen.
  4. Sie pokern viel zu hoch und machen sich damit unglaubwürdig.
  5. Sie verkaufen sich unter Wert und verlangen viel zu wenig.
  6. Sie wählen einen ungünstigen Zeitpunkt.
  7. Sie erpressen den Verhandlungspartner mit einer harsch formulierten Drohung zur Kündigung.

Welche Totschlagargumente wirken bei Gehaltsverhandlungen?

Wenn Sie Ihre Vorgesetzte überzeugen wollen, müssen Sie gut verhandeln.

 

„Sehen Sie es aus der Sicht Ihrer Vorgesetzten. Sie muss überzeugt sein, dass das Unternehmen mehr in Sie investieren sollte – und sie muss diese Überzeugung meist vor dem Management-Team rechtfertigen.”

 

Lesen Sie Ihre Jobbeschreibung oder Ihren Vertrag erneut und kennzeichnen Sie die Punkte, bei denen Sie hervorstechen oder besondere Ergebnisse erzielen. Notieren Sie Beispiele Ihres Beitrages für den Unternehmenserfolg.

Ideal ist es, wenn Sie Ihre Leistung in Zahlen ausdrücken können. Möglicherweise haben Sie Ihre Ziele um den Wert X übertroffen oder Y neue Kunden an Land gezogen. Vielleicht haben Sie einen neuen Prozess implementiert oder Ihrer Abteilung, durch besonderen Einsatz viel Geld erspart.

Ihre Vorgesetzte muss Ihren Wert für das Unternehmen messen. Sie wird evaluieren, was Sie in den letzten 12 Monaten geleistet haben, was passieren würde, wenn Sie die Firma verlassen und wie einfach Sie zu ersetzen sind.

Gute Angestellte sind schwer zu ersetzen, deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Erfahrung und Ihren Einsatz für das Unternehmen betonen.

Rudi Bauer, Geschäftsführer von StepStone Österreich warnt:

 

„Fragen Sie nach einem vernünftigen und für Sie zufrieden stellenden Betrag. Starten Sie dabei nicht zu niedrig: Falls Ihr Arbeitgeber zu schnell zusagt, könnten Sie das bereuen. Greifen Sie aber auch nicht zu hoch, um nicht arrogant zu wirken.“

 

Erwähnen Sie, was Sie im kommenden Jahr zum Unternehmenserfolg beitragen möchten und stellen Sie sicher, dass Ihre Pläne realistisch und erreichbar sind. Ihr Ziel ist es, Ihren Arbeitgeber zu überzeugen, dass sich die Investition in Sie bezahlt macht.

Wie gehe ich mit meiner Nervosität um?

Falls Sie der Gedanke an ein Gehaltsgespräch nervös macht, sind Sie damit nicht alleine. Laut einer aktuellen StepStone Studie fi nden es 59 % schwierig, eine Gehaltsverhandlung zu führen. 14 % fragen nicht nach einer Gehaltserhöhung, weil sie sich nicht trauen oder Angst vor der Reaktion haben.

 

„Eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit. Dazu gehört etwa das Erstellen einer Erfolgsbilanz und einer Liste von Kenntnissen und Fähigkeiten, die zur Ergebnisverbesserung beitragen. Das Aufschreiben des Verhandlungsziels und der Verhandlungstaktik schafft eine gewisse Verbindlichkeit. Dazu kommen noch eigene Notizen und Überlegungen zur Entkräftigung möglicher Gegenargumente. Es gibt viele Möglichkeiten das Verhandeln zu üben: in der Familie, im Alltag mit Kolleginnen usw. Je geübter man als verhandelnde Person ist, desto sicherer wird man vorgehen.“

 

Auch Ihre Körpersprache kann den Verlauf des Gesprächs wesentlich beeinflussen. Drücken Sie nicht auf Ihren Kugelschreiber, klopfen Sie nicht mit den Füßen und halten Sie Ihre Hände ruhig. Zappeln wirkt, als hätten Sie kein Vertrauen in Ihre Bitte.

 

„Sitzen Sie gerade und lehnen Sie sich leicht vor, das suggeriert Selbstbewusstsein. Bleiben Sie höflich und sehen Sie Ihrer Vorgesetzten in die Augen.“

Wie handle ich eine Gehaltserhöhung aus?

Gehaltserhöhungen werden anhand individueller Leistungen vergeben, doch sie legen auch einen Maßstab für andere Mitarbeiterinnen. Wenn Sie einen Gehaltsvergleich haben, können Sie um eine Anpassung Ihres Gehaltes bitten.

Laut dem Gehaltsexperten Dr. Conrad Pramböck sollten Sie nicht direkt das Gehalt Ihrer Kollegen erwähnen, sondern sich auf den Markt beziehen und die Gehaltslatte bei Ihrer Position anlegen. „Ansonsten kann es zu persönlich wirken“, so der Gehaltsexperte.

Tipp: Setzen Sie Ihre erste Forderung ein bisschen höher an als Ihr tatsächliches Wunschgehalt. So haben Sie noch Verhandlungsspielraum im direkten Gespräch. Auch die Startsumme hat großen Einfluss auf das Gespräch.

 

„Nach einer Gehaltserhöhung um 10 % zu fragen, klingt wie ausgedacht, nach 9,7 % zu fragen zeigt, dass Sie gut recherchiert haben und über fixe Bezugsdaten informiert sind.“

 

Falls die Summe Ihrer Vorgesetzten zu hoch erscheint, können Sie anbieten, für das zusätzliche Geld mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber machen Sie nicht zu viele Versprechen. Es ist besser, flexibel zu bleiben.

 

Rudi Bauer, Geschäftsführer StepStone Österreich rät:

„Heben Sie die Erfolge in Ihrem Job hervor, betonen Sie Veränderungen im Gegensatz zu Ihrer ursprünglichen Jobbeschreibung
und ziehen Sie Vergleiche zwischen Ihrem Gehalt und dem typischen Gehalt am Arbeitsmarkt. Legen Sie die gewünschte Gehaltssteigerung fest – entweder einen Anteil am Gehalt oder eine Prozentsteigerung – und erwähnen Sie, dass dies Ihr Gehalt in Einklang mit dem Arbeitsmarkt bringt. Beenden Sie das Gespräch mit der Aussage, dass Sie gerne für diese Firma arbeiten und sprechen Sie an, was Sie in den nächsten 12 Monaten beitragen möchten.“

 

„Sind Sie sich uneinig, versuchen Sie nicht, Ihr Gegenüber unter Druck zu setzen. Idealerweise fragen Sie nach einem Kompromiss, der Ihrer Bitte nahe kommt – gehen Sie etwa von 9,7% auf 8,7%. Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihr Vorgesetzter mit einem Gegenangebot kontert – umso größer das Unternehmen, umso zäher können die Verhandlungen sein.“

 

Seien Sie sehr vorsichtig damit, einen anderen Job als Druckmittel zu verwenden.

„Jede Provokation sollte gut durchdacht sein, sonst steht Ihre Glaubwürdigkeit und Verhandlungsstärke auf dem Spiel. Falls ein gehaltstechnischer Stillstand für Sie bedeutet, dass Sie sich einen anderen Job suchen werden, können Sie folgendes
erwähnen ‚Es ist sehr enttäuschend für mich, dass die Gehaltserhöhung nicht möglich ist, da ich liebend gerne bleiben würde.“

 

Doch jetzt muss ich einige Überlegungen anstellen.“Unersetzbarer Mitarbeiterinnen sind sehr selten. Sollten Sie gehen, aber es sich dann wieder anders überlegen, muss Ihre Vorgesetzte Sie nicht wieder einstellen. Egal wie begabt Sie sind.

 

Bleiben Sie professionell, selbst wenn Sie schon Ihre Wahl getroffen haben und das Unternehmen verlassen werden. Sie wollen nicht nur eine gute Beurteilung, es kann auch vorkommen, dass Sie Ihrer Vorgesetzten in Zukunft erneut begegnen – und da lohnt sich, im Guten auseinanderzugehen.

Wie kann ich mich bei meiner Vorgesetzten für eine Gehaltserhöhung bedanken?

Gratulation! Sie haben Ihre Gehaltserhöhung erhalten. Es zeugt von guten Manieren, wenn Sie Ihrer Vorgesetzten eine E-Mail oder eine Dankesnachricht schicken.

 

TEIL 3: Was soll ich tun, wenn meine Anfrage auf eine Gehaltserhöhung verweigert wird?

Meine Vorgesetzte argumentiert dagegen, was soll ich tun?

Die meisten Vorgesetzten werden nicht sofort sagen „Aber klar doch, hier haben Sie mehr Geld!“ Es gibt 10 Totschlagargumente, die Vorgesetzte in diesem Fall oft verwenden. Wir haben sie zusammengefasst und die perfekten Antworten darauf gefunden.

 

Es tut mir leid, aber die finanzielle Situation des Unternehmens lässt das gerade nicht zu.
Dieser Situation bin ich mir durchaus bewusst. Anstelle eines höheren Gehaltes kann ich mir aber auch sehr gut vorstellen mit Ihnen über alternative Anreize, wie Home-Office, Weiterbildungen oder Eventteilnahmen zu sprechen.

 

Lassen Sie uns im neuen Jahr nochmal darüber sprechen. Jetzt ist kein guter Zeitpunkt.
Gerne. Ich werde Ihnen einen Terminvorschlag für das neue Jahr zusenden.

 

Sie haben doch erst letztes Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen. Was, Sie wollen schon wieder mehr Geld?
Ja genau, wir haben letztes Jahr meine damaligen Leistungen und Erfolge für das Unternehmen honoriert. Allerdings hat sich mein Verantwortungsbereich seither deutlich vergrößert / habe ich seither weitere wichtige Kunden hinzugewonnen / habe ich seither einiges geleistet. Daher glaube ich, dass dies eine weitere Erhöhung rechtfertigt.

 

Schön, dass Sie Spaß bei der Arbeit haben und gerne in einem tollen Team arbeiten. Das ist ja auch viel wichtiger, als einfach nur ein paar hundert Euro mehr zu verdienen.
Eine gute Arbeitsatmosphäre ist tatsächlich sehr wichtig. Aber dazu trage ich selbst ja bei. Darüber hinaus ist mir eine finanzielle Wertschätzung auch sehr wichtig.

 

Ich kann Sie gut verstehen, aber ich kann Ihnen maximal X % anbieten. Mehr ist leider im Moment nicht möglich.
Das liegt tatsächlich unter dem, was ich mir vorgestellt habe. Aufgrund meiner Leistung im vergangenen Jahr stelle ich mir Y % vor. Was halten Sie von meinem Vorschlag?

 

Wenn ich Ihnen jetzt eine Gehaltserhöhung gebe, dann wollen Ihre Kolleginnen auch gleich alle mehr.
Ich werde mit meinen Kolleginnen nicht über das Thema Gehalt sprechen. Was Sie mit meinen Kolleginnen vereinbaren, geht mich nichts an, dafür sind die Positionen auch zu verschieden. Ich möchte mit Ihnen nur über mein Gehalt und meine Leistungen sprechen.

 

Glauben Sie wirklich, dass Ihre Leistung eine solche Gehaltserhöhung rechtfertigt?
Ich habe in den vergangenen Monaten 5 neue Kunden an Land gezogen / unser wichtigstes Projekt vorangetrieben und erfolgreich abgeschlossen. Daher bin ich davon überzeugt, dass ich eine Gehaltserhöhung verdient habe.

 

Sie bekommen doch schon mehr, als in Ihrer Position üblich ist! Sie wollen noch
mehr verdienen?
Meine Gehaltsforderung liegt tatsächlich etwas über dem Durchschnitt. Meine Leistungen in den letzten Monaten sowie meine Erfahrung rechtfertigen den Gehaltssprung aber auch.

 

Es tut mir leid, aber in Ihrer Position können Sie einfach nicht mehr Gehalt fordern. Das würde das Gehaltsgefüge des Unternehmens sprengen.
Ich bin der Ansicht, dass meine Leistungen eine Beförderung rechtfertigen. Nach welchen Kriterien erfolgen denn die nächsten Karriereschritte?

 

Ich würde Ihnen ja die Gehaltserhöhung geben, aber das kann ich nicht entscheiden. Das entscheidet das Management.
Als meine direkte Vorgesetzte können Sie doch meine Leistung am besten beurteilen. Welche Gehaltshöhe finden Sie denn angemessen?

 

 

Ich konnte keinen Erfolg bei der Verhandlung erzielen, was soll ich tun?

Falls das Unternehmen auch darüber hinaus keinen Schritt auf Sie zugeht, es vielleicht an der Zeit einen Jobwechsel in Erwägung zu ziehen, denn eine innere Kündigung ist laut Gehaltsexperten Conrad Pramböck keine Option.

 

„Beleidigt zu sein, weniger zu leisten und Arbeit zurückzuschrauben, hat noch niemanden die Karriereleiter weiter hinaufgebracht und ist außerdem im Team ansteckend. Sehen Sie innerhalb des aktuellen Jobs keine Perspektiven mehr, sollten Sie sich am Arbeitsmarkt nach etwas Neuem umschauen. Vielleicht gibt es ein Jobangebot, bei dem Ihre Gehaltsvorstellungen getroffen werden.“

 

Auch Rudi Bauer sieht das Positive in einem Wechsel:

„Sollten Sie weder Ihre Fähigkeiten ausbauen können noch eine Aussicht auf eine Gehaltserhöhung oder Beförderung haben, dann ist es Zeit, andere Alternativen in Betracht zu ziehen. Dabei ist ein Jobwechsel oft auch die perfekte Möglichkeit, seinen Marktwert neu zu definieren und einen Gehaltssprung von mehr als 15 % zu bekommen.“

 

 

TEIL 4: Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch

Sie haben sich dazu entschieden den Arbeitgeber zu wechseln, um eine höhere Gehaltsstufe zu erreichen? Dann haben wir ein paar Tipps für Sie, wie das Gehaltspoker im Bewerbungsgespräch zum Erfolg wird.

  1. Persönliches Wunschgehalt definieren
    Definieren Sie Ihr Wunschgehalt und schreiben Sie dieses mit einer persönlichen Gehaltsuntergrenze nieder. So gehen Sie selbstbewusst in die Verhandlung und können Ihre Wunschvorstellungen zum gegebenen Zeitpunkt klar definieren.
  2. Schätzen Sie den Marktwert der Position ein
    Obwohl in Österreich die Gehaltsangabe im Stelleninserat Pflicht ist, lässt sich der tatsächliche Gehaltsrahmen nur davon ableiten. Um sich an die Gehaltsspanne heranzutasten, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
    • Welches Ansehen genießt die vakante Position bei Ihrer Verhandlungspartnerin?
    • Wie verantwortungsvoll ist der Tätigkeitsbereich?
    • Mit welchen Kompetenzen und Zuständigkeiten ist er verbunden?
    • Welche Leistung erwartet Ihre Verhandlungspartnerin von Ihnen?
    Mit viel Fingerspitzengefühl lässt sich so einschätzen, wie hoch Sie ‘pokern’ können.
  3. Das aktuelle Gehalt nicht offen auf den Tisch legen.
    Wenn Sie das Gehalt bei Ihrer letzten Arbeitgeberin offen auf den Tisch legen, dann schränken Sie Ihren Verhandlungsspielraum ein, vor allem wenn es weit unter Ihrem Wunschgehalt liegt. Beschränken Sie sich hierbei eher auf vage Aussagen.
    Bsp: „Meine Gehaltsentwicklung war kontinuierlich, und ich habe regelmäßig leistungsbezogene Erhöhungen erhalten.
  4. Haben Sie Geduld.
    Lassen Sie den Personaler das Thema ansprechen. Die finanziellen Rahmenbedingungen eines Jobs werden oft in der zweiten Runde des Vorstellungsgespräches verhandelt. Preschen Sie in Sachen Gehalt daher nicht vor.
  5. Kalkulieren Sie die „fringe benefits“ mit ein.
    Viele Unternehmen haben Mitarbeitervorteile, die in die Gehaltsverhandlung miteinfließen. Denn freiwillige Zusatzversicherungen, Mitarbeiterinnenaktien, zusätzliche Provisionen Firmenwagen, Firmenhandy, Laptop, flexible Arbeitszeiten, Möglichkeit auf Home-Office oder Verpflegung und Kantine sind auch geldwerte Vorteile.

 

Die Recruiterin fragt nach, was soll ich sagen?

Was verdienen Sie derzeit?
Mein derzeitiges Gehalt bewegt sich in der branchenüblichen Spanne zwischen
24.000 und 36.000 €.

Wieviel möchten Sie denn verdienen?
In der ersten Vorstellungsrunde:
“Ich möchte mich in einem so frühen Stadium des Gesprächs zu so einem sensiblen Punkt noch nicht äußern.”

In der finalen Runde:
„Ich stelle mir ein Jahresgehalt inklusive Zuschläge um die 50.000 Euro vor.“

 

Zu den Gehaltsexperten

Daniela Schlick ist erfahrene Personalberaterin, zertifizierte Trainerin und Coach. Sie setzt ihre Expertise dafür ein, Bewerberinnen bei der Berufsorientierung, in der Bewerbungssituation und bei der Karriereplanung zu coachen. Webtipp: www.danielaschlick.at

Rudi Bauer ist Geschäftsführer von StepStone Österreich und verfügt über 25 Jahre Management- und Führungserfahrung. Neben seiner neuen Rolle als Director Brand Communications für StepStone International ist er auch Mitbegründer der Agentur active concepts mit den Schwerpunkten Unternehmenskultur, Coaching, Strategieberatung und Teamentwicklung.

Dr. Conrad Pramböck ist Gehaltsexperte, internationaler Speaker und Lektor für Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen sowie Buchautor und Verfasser von wöchentlichen Kolumnen in den Tageszeitungen „Der Standard“ und „Die Presse“ zu den Themen Gehalt und Karriere.

Eine Gehaltsverhandlung ist nervenaufreibend. Wann man seine Vorgesetzte anspricht, wieviel man verlangen will und was man sagt, sollte gut durchdacht sein. Um das herauszufinden, haben wir mit ein paar Experten gesprochen.

INHALTSVERZEICHNIS

Teil 1: Soll ich überhaupt nach einer Gehaltserhöhung fragen?

  • Wie erkenne ich, ob ich unterbezahlt bin?
    1. Sprechen Sie mit Branchenkolleginnen
    2. Nutzen Sie den Gehaltsrechner
    3. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt
  • Wie oft sollte ich eine Gehaltserhöhung bekommen?
  • Erhalte ich das gesetzliche Mindestgehalt?
  • Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung in Österreich?

Teil 2: Wie frage ich erfolgreich nach einer Gehaltserhöhung?

  • Wen soll ich um eine Gehaltserhöhung bitten?
  • Wann soll ich um eine Gehaltserhöhung fragen?
    • Der beste Zeitpunkt
    • Der schlechteste Zeitpunkt
  • Wie frage ich nach einer Gehaltsverhandlung?
  • Was sage ich in einer Gehaltsverhandlung?
  • Was soll ich in einer Gehaltsverhandlung auf keinen Fall machen?
  • Welche Totschlagargumente wirken bei Gehaltsverhandlungen?
  • Wie gehe ich mit meiner Nervosität um?
  • Wie handle ich eine Gehaltserhöhung aus?
  • Wie kann ich mich bei meiner Vorgesetzten für eine Gehaltserhöhung bedanken?

Teil 3: Was soll ich tun, wenn meine Anfrage auf eine Gehaltserhöhung verweigert wird?

  • Meine Vorgesetzte argumentiert dagegen, was soll ich tun?
  • Ich konnte keinen Erfolg bei der Verhandlung erzielen, was soll ich tun?

Teil 4: Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch

  • Die Recruiterin fragt nach, was soll ich sagen?
  • Infos zu den GehaltsexpertInnen

 

Teil 1: Soll ich überhaupt nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Sie sind der Meinung, Sie verdienen eine Gehaltserhöhung? Dann ja, definitiv. Viele Angestellte beschweren sich ständig über ihr Gehalt, tun aber nichts. Wenn Sie mehr Geld möchten, müssen Sie etwas dafür tun und aktiv auf Ihre Vorgesetzte zugehen. Vorbereitung ist dabei alles.

Ihnen fehlt der Mut? Listen Sie Ihre Leistungen und Erfolge der letzten Monate auf. Oft vergessen wir, was wir gut gemacht haben und
fokussieren uns stattdessen auf die weniger guten Dinge. Sich selbst an die eigenen Erfolge zu erinnern, steigert das Selbstbewusstsein.

Sie sind nervös? Legen Sie sich einen guten Einstieg in das Gespräch zurecht, denn oft sind es die ersten Sätze, die uns bei Nervosität
ins Schleudern bringen. Wählen Sie die Worte schon im Vorhinein und üben Sie, diese laut auszusprechen. Ein guter Start gibt Ihnen Selbstsicherheit für das restliche Gespräch.

Sie haben nichts zu verlieren. Selbst wenn Ihre Vorgesetzte die Anfrage abweist, haben Sie den Prozess in Gang gebracht und sie an Ihre Erfolge erinnert. Sie können Ihre Bezahlung in 6 oder 12 Monaten erneut ansprechen.

Wie erkenne ich, ob ich unterbezahlt bin?

1. Sprechen Sie mit Branchenkolleginnen
Finden Sie heraus, was Ihre Branchenkolleginnen in vergleichbaren Positionen verdienen, bevor Sie das Gespräch suchen. So können Sie argumentieren, dass Ihre momentane Bezahlung nicht mit marktüblichen Gehältern übereinstimmt.
Geld ist eine sensible Angelegenheit, seien Sie also nicht überrascht, wenn Ihre Kolleginnen mit ihrem Gehalt hinterm Berg halten. Überlegen Sie sich, ob Sie das Gehalt Ihrer Kolleginnen im Gespräch einsetzen wollen. Es kann unprofessionell wirken, wenn Sie
diese Information der Vorgesetzten preisgeben. Mehr Infos auf zum Gehaltsvergleich unter Kolleginnen.

2. Nutzen Sie den Gehaltsrechner
Mit der Anzahl der Berufsjahre, zunehmender Verantwortung oder Ausweitung des Aufgabengebietes sollte das Gehalt steigen. Alle haben das Recht auf ein entsprechendes Gehalt – aber wer es nicht einfordert, wird oft übergangen.
Daniela Schlick empfiehlt den Online-Gehaltsrechner des österreichischen Frauenministeriums.

 

Daniela Schlick„Ein Werkzeug, mit dem man in vier einfachen Schritten herausfinden kann, ob man ein faires Gehalt bekommt.Tipp: Seinen Marktwert erfährt man auch durch Bewerbungen bei anderen Unternehmen der gleichen Branche.“

 

3. Schauen Sie auf den Arbeitsmarkt

Suchen Sie einfach nach vergleichbaren Stellenangeboten auf Jobbörsen wie StepStone.at. So sehen Sie, was für ähnliche Positionen in anderen Unternehmen geboten wird. Sie wollen Ihren Marktwert genauer wissen? Folgen Sie unserem 10 Schritte Programm.

Wie oft sollte ich eine Gehaltserhöhung bekommen?

Österreichische Angestellte haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine jährliche Gehaltserhöhung, auch nicht stufenweise oder an die Inflation angepasst. Stattdessen liegt es beim Arbeitgeber, ob und wann das Gehalt erhöht wird. Gute Unternehmen wissen:

Eine Gehaltserhöhung alle 12 Monate ist ein probates Mittel, um gute Mitarbeiter zu halten. Viele Unternehmen klären dieses Thema formell – nach einer jährlichen Studie von Mercer erhöhen 90 % der Unternehmen das Gehalt aller Mitarbeiterinnen einmal jährlich am
gleichen Tag.

In kleineren Betrieben wird das Gehalt nicht für alle Mitarbeiterinnen gleichzeitig festgelegt, sondern abhängig vom Beitrittszeitpunkt jährlich überarbeitet. Dabei sind Gehaltsgespräche eher spontan und individuell

 

„Es kann passieren, dass Sie für zwei oder drei Jahre keine Gehaltserhöhung bekommen, weil Ihr Arbeitgeber nicht über Ihre Bezahlung nachgedacht hat – fragen Sie also nach wenn Sie länger keine Erhöhung hatten.“

 

Prinzipiell können Sie alle 12 Monate mit einer Gehaltserhöhung rechnen (oder danach fragen). Wenn Sie eher eine Gehaltserhöhung wollen, brauchen Sie ein gutes Argument – etwa, wenn sich Ihr Verantwortlichkeitsbereich in größerem Ausmaß verändert hat.

Erhalte ich das gesetzliche Mindestgehalt?

Obwohl es keine offiziellen Ansprüche auf eine Gehaltserhöhung gibt, ist es sinnvoll, das derzeitige Mindestgehalt zu kennen. In Österreich ist das Mindestgehalt in den Kollektivverträgen geregelt, manchmal auch in Mindestlohntarifen. Den passenden Kollektivvertrag können Sie bei der Wirtschaftskammer einsehen.

https://www.wko.at/service/kollektivvertraege.html 

Falls Ihr Gehalt unter dem Mindestgehalt liegt, sollten Sie zuerst mit Ihrer Arbeitgeberin sprechen. Ihre Arbeitgeberin muss Ihnen den ausgebliebenen Differenzbetrag sofort ausbezahlen. Sie sollten Ihre Anfrage schriftlich festhalten. Wenn Ihre Arbeitgeberin die Auszahlung
verweigert, können Sie sich an die Arbeiterkammer wenden.

Wie hoch ist die durchschnittliche Gehaltserhöhung in Österreich?

Laut der aktuellen StepStone Studie bekommen 50 % der Befragten eine Gehaltserhöhung von 5 – 10 % des Bruttogehaltes, nur 21 % bekommen mehr als 10 %. Gehaltsexperte Dr. Conrad Pramböck weiß aus Erfahrung, dass man nicht zu hohe Erwartungen haben sollte:

„Eine realistische Gehaltsanpassung liegt bei 3 bis 5 Prozent. Größere Gehaltssprünge von 15 bis 20 Prozent sind meist nur bei einem Arbeitgeberwechsel möglich.“

 

Teil 2: Wie frage ich erfolgreich nach einer Gehaltserhöhung?

Am besten fragen Sie persönlich nach einer Gehaltserhöhung. Unter vier Augen fällt es Ihrer Vorgesetzten schwerer, die Anfrage zu ignorieren. Außerdem zeigt ein persönliches Gespräch, dass Sie das Thema ernst nehmen.

Dr. Pramböck ergänzt:

„So können Sie auch die Reaktion Ihrer Vorgesetzten abschätzen, Gegenargumente bringen und verhandeln. Aber auch beim persönlichen Gespräch sollten Sie Ihre Argumente niederschreiben und so Ihre Gedanken ordnen.“

Wen soll ich um eine Gehaltserhöhung bitten?

Wenn Sie eine Gehaltserhöhung wollen, sollten Sie zuerst Ihre direkte Vorgesetzte ansprechen. Ist diese für eine Gehaltserhöhung nicht empfänglich, probieren Sie es in einigen Monaten nochmals. Tipp: Die direkte Vorgesetzte zu übergehen, ist keine gute Idee und kann als Zeichen für Illoyalität und mangelndes Teamplay ausgelegt werden.

Wann soll ich nach einer Gehaltserhöhung fragen?

Das jährliche Mitarbeitergespräch stellt das Ende des Geschäftsjahres dar und ist eine gute Gelegenheit für ein Gespräch nach mehr Gehalt. Achtung: Falls in Ihrem Unternehmen die Gehaltserhöhungen immer im Jänner beschlossen werden, ist eine Anfrage im Dezember zu spät – das Budget ist schon festgelegt. Tipp: Es gibt keinen „perfekten Augenblick“, um das Thema Gehalt anzusprechen – aber manche Momente sind besser geeignet als andere. Laut einer Umfrage sind Managerinnen etwa am Mittwoch am empfänglichsten für Fragen nach mehr Geld.

Der beste Zeitpunkt:

  • Nach dem Abschluss eines erfolgreichen Projektes, in das Sie involviert waren.
  • Wenn Ihre Vorgesetzte positive finanzielle Ergebnisse verkündet.
  • Ihr Vertrag wird erneuert.
  • Sie bekommen mehr Verantwortung.

Der schlechteste Zeitpunkt:

  • Mehr Infos zum perfekten Timing einer Gehaltserhöhung finden Sie hier:
  • Bei schlechten finanziellen Ergebnissen oder nach dem Verlust eines Großauftrages.
  • Montagmorgens oder zu einer besonders stressigen Zeit des Quartals.
  • Freitagnachmittags, wenn Ihre Vorgesetzte ans Wochenende denkt.

Mehr Infos zum perfekten Timing einer Gehaltserhöhung finden Sie hier.

Wie frage ich nach einer Gehaltsverhandlung?

Wie Sie das Gespräch beginnen, hängt von der Beziehung zu Ihrer Vorgesetzten ab. Manche wählen den informellen Weg bei einem After-Work-Bier, die klassische Herangehensweise ist aber, einen Termin für ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Dabei sollten Sie mindestens 45 Minuten einplanen und Ihre Vorgesetzte im Vorfeld darüber informieren, was Sie beim Termin gerne besprechen würden.

Was sage ich in einer Gehaltsverhandlung?

Beginnen Sie damit, Ihrer Vorgesetzten für ihre Zeit zu danken und erwähnen Sie, wie
sehr Sie Ihren Job mögen. Heben Sie dann Ihre Erfolge der letzten 12 Monaten hervor und geben Sie einen kurzen Überblick, wie Sie dem Unternehmen in Zukunft nutzen werden. Sie können auch beiläufig erwähnen, was Angestellte in ähnlichen Positionen verdienen
bzw. welches Gehaltsangebot Sie in ähnlichen Positionen bekommen würden.

„Als Manager übertreffe ich in meinem Job alle KPIs und Ergebnisse. Am Arbeitsmarkt bin ich X wert, was Y % über meinem momentanen Gehalt liegt. Daher möchte ich gerne darüber reden, wie wir diese Lücke schließen können.“

 

Erwähnen Sie erneut Ihre Wertschätzung für das Team, aber stellen Sie klar, dass es wichtig ist, dass Ihr Gehalt mit dem Markt übereinstimmt.

Überdenken Sie im Vorhinein Ihre Wortwahl. Verwenden Sie eindeutige Worte und vermeiden Sie eine zu sanfte Sprache mit vielen Konjunktiven. Wenn Sie „Ich hätte gerne“ oder „Ich hoffe auf“ verwenden, wirkt es, als würden Sie nicht davon ausgehen, dass
dies eintrifft.

Kommunizieren Sie Ihre Vorstellungen klar und deutlich. Denn unkonkrete Aussagen wie „Ich dachte an etwas im Bereich von X“ vermitteln den Eindruck, dass Sie sich Ihres Selbstwertes nicht sicher sind. Wenn Sie gut recherchiert haben, wissen Sie, welcher Betrag angemessen ist – also fragen Sie auch danach.

Behalten Sie während der Verhandlung das Wesentliche im Auge und vermeiden Sie es, Emotionen zu zeigen. Ihre Vorgesetzte muss nicht wissen, wofür Sie das Geld verwenden wollen – sich auf die Kosten für ein neues Haus oder Auto zu berufen, bringt Ihnen in der Verhandlung keine Vorteile.

Was soll ich in einer Gehaltsverhandlung auf keinen Fall machen?

Wir haben die 7 absoluten No-Gos für Sie zusammengefasst:

  1. Sie bringen falsche Argumente, wie eine Mieterhöhung.
  2. Sie sind schlecht vorbereitet und haben keine Ihrer erbrachten Leistungen im Kopf.
  3. Sie können kein konkretes Gehaltsziel nennen.
  4. Sie pokern viel zu hoch und machen sich damit unglaubwürdig.
  5. Sie verkaufen sich unter Wert und verlangen viel zu wenig.
  6. Sie wählen einen ungünstigen Zeitpunkt.
  7. Sie erpressen den Verhandlungspartner mit einer harsch formulierten Drohung zur Kündigung.

Welche Totschlagargumente wirken bei Gehaltsverhandlungen?

Wenn Sie Ihre Vorgesetzte überzeugen wollen, müssen Sie gut verhandeln.

 

„Sehen Sie es aus der Sicht Ihrer Vorgesetzten. Sie muss überzeugt sein, dass das Unternehmen mehr in Sie investieren sollte – und sie muss diese Überzeugung meist vor dem Management-Team rechtfertigen.”

 

Lesen Sie Ihre Jobbeschreibung oder Ihren Vertrag erneut und kennzeichnen Sie die Punkte, bei denen Sie hervorstechen oder besondere Ergebnisse erzielen. Notieren Sie Beispiele Ihres Beitrages für den Unternehmenserfolg.

Ideal ist es, wenn Sie Ihre Leistung in Zahlen ausdrücken können. Möglicherweise haben Sie Ihre Ziele um den Wert X übertroffen oder Y neue Kunden an Land gezogen. Vielleicht haben Sie einen neuen Prozess implementiert oder Ihrer Abteilung, durch besonderen Einsatz viel Geld erspart.

Ihre Vorgesetzte muss Ihren Wert für das Unternehmen messen. Sie wird evaluieren, was Sie in den letzten 12 Monaten geleistet haben, was passieren würde, wenn Sie die Firma verlassen und wie einfach Sie zu ersetzen sind.

Gute Angestellte sind schwer zu ersetzen, deshalb ist es wichtig, dass Sie Ihre Erfahrung und Ihren Einsatz für das Unternehmen betonen.

Rudi Bauer, Geschäftsführer von StepStone Österreich warnt:

 

„Fragen Sie nach einem vernünftigen und für Sie zufrieden stellenden Betrag. Starten Sie dabei nicht zu niedrig: Falls Ihr Arbeitgeber zu schnell zusagt, könnten Sie das bereuen. Greifen Sie aber auch nicht zu hoch, um nicht arrogant zu wirken.“

 

Erwähnen Sie, was Sie im kommenden Jahr zum Unternehmenserfolg beitragen möchten und stellen Sie sicher, dass Ihre Pläne realistisch und erreichbar sind. Ihr Ziel ist es, Ihren Arbeitgeber zu überzeugen, dass sich die Investition in Sie bezahlt macht.

Wie gehe ich mit meiner Nervosität um?

Falls Sie der Gedanke an ein Gehaltsgespräch nervös macht, sind Sie damit nicht alleine. Laut einer aktuellen StepStone Studie fi nden es 59 % schwierig, eine Gehaltsverhandlung zu führen. 14 % fragen nicht nach einer Gehaltserhöhung, weil sie sich nicht trauen oder Angst vor der Reaktion haben.

 

„Eine gute Vorbereitung gibt Sicherheit. Dazu gehört etwa das Erstellen einer Erfolgsbilanz und einer Liste von Kenntnissen und Fähigkeiten, die zur Ergebnisverbesserung beitragen. Das Aufschreiben des Verhandlungsziels und der Verhandlungstaktik schafft eine gewisse Verbindlichkeit. Dazu kommen noch eigene Notizen und Überlegungen zur Entkräftigung möglicher Gegenargumente. Es gibt viele Möglichkeiten das Verhandeln zu üben: in der Familie, im Alltag mit Kolleginnen usw. Je geübter man als verhandelnde Person ist, desto sicherer wird man vorgehen.“

 

Auch Ihre Körpersprache kann den Verlauf des Gesprächs wesentlich beeinflussen. Drücken Sie nicht auf Ihren Kugelschreiber, klopfen Sie nicht mit den Füßen und halten Sie Ihre Hände ruhig. Zappeln wirkt, als hätten Sie kein Vertrauen in Ihre Bitte.

 

„Sitzen Sie gerade und lehnen Sie sich leicht vor, das suggeriert Selbstbewusstsein. Bleiben Sie höflich und sehen Sie Ihrer Vorgesetzten in die Augen.“

Wie handle ich eine Gehaltserhöhung aus?

Gehaltserhöhungen werden anhand individueller Leistungen vergeben, doch sie legen auch einen Maßstab für andere Mitarbeiterinnen. Wenn Sie einen Gehaltsvergleich haben, können Sie um eine Anpassung Ihres Gehaltes bitten.

Laut dem Gehaltsexperten Dr. Conrad Pramböck sollten Sie nicht direkt das Gehalt Ihrer Kollegen erwähnen, sondern sich auf den Markt beziehen und die Gehaltslatte bei Ihrer Position anlegen. „Ansonsten kann es zu persönlich wirken“, so der Gehaltsexperte.

Tipp: Setzen Sie Ihre erste Forderung ein bisschen höher an als Ihr tatsächliches Wunschgehalt. So haben Sie noch Verhandlungsspielraum im direkten Gespräch. Auch die Startsumme hat großen Einfluss auf das Gespräch.

 

„Nach einer Gehaltserhöhung um 10 % zu fragen, klingt wie ausgedacht, nach 9,7 % zu fragen zeigt, dass Sie gut recherchiert haben und über fixe Bezugsdaten informiert sind.“

 

Falls die Summe Ihrer Vorgesetzten zu hoch erscheint, können Sie anbieten, für das zusätzliche Geld mehr Verantwortung zu übernehmen. Aber machen Sie nicht zu viele Versprechen. Es ist besser, flexibel zu bleiben.

 

Rudi Bauer, Geschäftsführer StepStone Österreich rät:

„Heben Sie die Erfolge in Ihrem Job hervor, betonen Sie Veränderungen im Gegensatz zu Ihrer ursprünglichen Jobbeschreibung
und ziehen Sie Vergleiche zwischen Ihrem Gehalt und dem typischen Gehalt am Arbeitsmarkt. Legen Sie die gewünschte Gehaltssteigerung fest – entweder einen Anteil am Gehalt oder eine Prozentsteigerung – und erwähnen Sie, dass dies Ihr Gehalt in Einklang mit dem Arbeitsmarkt bringt. Beenden Sie das Gespräch mit der Aussage, dass Sie gerne für diese Firma arbeiten und sprechen Sie an, was Sie in den nächsten 12 Monaten beitragen möchten.“

 

„Sind Sie sich uneinig, versuchen Sie nicht, Ihr Gegenüber unter Druck zu setzen. Idealerweise fragen Sie nach einem Kompromiss, der Ihrer Bitte nahe kommt – gehen Sie etwa von 9,7% auf 8,7%. Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihr Vorgesetzter mit einem Gegenangebot kontert – umso größer das Unternehmen, umso zäher können die Verhandlungen sein.“

 

Seien Sie sehr vorsichtig damit, einen anderen Job als Druckmittel zu verwenden.

„Jede Provokation sollte gut durchdacht sein, sonst steht Ihre Glaubwürdigkeit und Verhandlungsstärke auf dem Spiel. Falls ein gehaltstechnischer Stillstand für Sie bedeutet, dass Sie sich einen anderen Job suchen werden, können Sie folgendes
erwähnen ‚Es ist sehr enttäuschend für mich, dass die Gehaltserhöhung nicht möglich ist, da ich liebend gerne bleiben würde.“

 

Doch jetzt muss ich einige Überlegungen anstellen.“Unersetzbarer Mitarbeiterinnen sind sehr selten. Sollten Sie gehen, aber es sich dann wieder anders überlegen, muss Ihre Vorgesetzte Sie nicht wieder einstellen. Egal wie begabt Sie sind.

 

Bleiben Sie professionell, selbst wenn Sie schon Ihre Wahl getroffen haben und das Unternehmen verlassen werden. Sie wollen nicht nur eine gute Beurteilung, es kann auch vorkommen, dass Sie Ihrer Vorgesetzten in Zukunft erneut begegnen – und da lohnt sich, im Guten auseinanderzugehen.

Wie kann ich mich bei meiner Vorgesetzten für eine Gehaltserhöhung bedanken?

Gratulation! Sie haben Ihre Gehaltserhöhung erhalten. Es zeugt von guten Manieren, wenn Sie Ihrer Vorgesetzten eine E-Mail oder eine Dankesnachricht schicken.

 

TEIL 3: Was soll ich tun, wenn meine Anfrage auf eine Gehaltserhöhung verweigert wird?

Meine Vorgesetzte argumentiert dagegen, was soll ich tun?

Die meisten Vorgesetzten werden nicht sofort sagen „Aber klar doch, hier haben Sie mehr Geld!“ Es gibt 10 Totschlagargumente, die Vorgesetzte in diesem Fall oft verwenden. Wir haben sie zusammengefasst und die perfekten Antworten darauf gefunden.

 

Es tut mir leid, aber die finanzielle Situation des Unternehmens lässt das gerade nicht zu.
Dieser Situation bin ich mir durchaus bewusst. Anstelle eines höheren Gehaltes kann ich mir aber auch sehr gut vorstellen mit Ihnen über alternative Anreize, wie Home-Office, Weiterbildungen oder Eventteilnahmen zu sprechen.

 

Lassen Sie uns im neuen Jahr nochmal darüber sprechen. Jetzt ist kein guter Zeitpunkt.
Gerne. Ich werde Ihnen einen Terminvorschlag für das neue Jahr zusenden.

 

Sie haben doch erst letztes Jahr eine Gehaltserhöhung bekommen. Was, Sie wollen schon wieder mehr Geld?
Ja genau, wir haben letztes Jahr meine damaligen Leistungen und Erfolge für das Unternehmen honoriert. Allerdings hat sich mein Verantwortungsbereich seither deutlich vergrößert / habe ich seither weitere wichtige Kunden hinzugewonnen / habe ich seither einiges geleistet. Daher glaube ich, dass dies eine weitere Erhöhung rechtfertigt.

 

Schön, dass Sie Spaß bei der Arbeit haben und gerne in einem tollen Team arbeiten. Das ist ja auch viel wichtiger, als einfach nur ein paar hundert Euro mehr zu verdienen.
Eine gute Arbeitsatmosphäre ist tatsächlich sehr wichtig. Aber dazu trage ich selbst ja bei. Darüber hinaus ist mir eine finanzielle Wertschätzung auch sehr wichtig.

 

Ich kann Sie gut verstehen, aber ich kann Ihnen maximal X % anbieten. Mehr ist leider im Moment nicht möglich.
Das liegt tatsächlich unter dem, was ich mir vorgestellt habe. Aufgrund meiner Leistung im vergangenen Jahr stelle ich mir Y % vor. Was halten Sie von meinem Vorschlag?

 

Wenn ich Ihnen jetzt eine Gehaltserhöhung gebe, dann wollen Ihre Kolleginnen auch gleich alle mehr.
Ich werde mit meinen Kolleginnen nicht über das Thema Gehalt sprechen. Was Sie mit meinen Kolleginnen vereinbaren, geht mich nichts an, dafür sind die Positionen auch zu verschieden. Ich möchte mit Ihnen nur über mein Gehalt und meine Leistungen sprechen.

 

Glauben Sie wirklich, dass Ihre Leistung eine solche Gehaltserhöhung rechtfertigt?
Ich habe in den vergangenen Monaten 5 neue Kunden an Land gezogen / unser wichtigstes Projekt vorangetrieben und erfolgreich abgeschlossen. Daher bin ich davon überzeugt, dass ich eine Gehaltserhöhung verdient habe.

 

Sie bekommen doch schon mehr, als in Ihrer Position üblich ist! Sie wollen noch
mehr verdienen?
Meine Gehaltsforderung liegt tatsächlich etwas über dem Durchschnitt. Meine Leistungen in den letzten Monaten sowie meine Erfahrung rechtfertigen den Gehaltssprung aber auch.

 

Es tut mir leid, aber in Ihrer Position können Sie einfach nicht mehr Gehalt fordern. Das würde das Gehaltsgefüge des Unternehmens sprengen.
Ich bin der Ansicht, dass meine Leistungen eine Beförderung rechtfertigen. Nach welchen Kriterien erfolgen denn die nächsten Karriereschritte?

 

Ich würde Ihnen ja die Gehaltserhöhung geben, aber das kann ich nicht entscheiden. Das entscheidet das Management.
Als meine direkte Vorgesetzte können Sie doch meine Leistung am besten beurteilen. Welche Gehaltshöhe finden Sie denn angemessen?

 

 

Ich konnte keinen Erfolg bei der Verhandlung erzielen, was soll ich tun?

Falls das Unternehmen auch darüber hinaus keinen Schritt auf Sie zugeht, es vielleicht an der Zeit einen Jobwechsel in Erwägung zu ziehen, denn eine innere Kündigung ist laut Gehaltsexperten Conrad Pramböck keine Option.

 

„Beleidigt zu sein, weniger zu leisten und Arbeit zurückzuschrauben, hat noch niemanden die Karriereleiter weiter hinaufgebracht und ist außerdem im Team ansteckend. Sehen Sie innerhalb des aktuellen Jobs keine Perspektiven mehr, sollten Sie sich am Arbeitsmarkt nach etwas Neuem umschauen. Vielleicht gibt es ein Jobangebot, bei dem Ihre Gehaltsvorstellungen getroffen werden.“

 

Auch Rudi Bauer sieht das Positive in einem Wechsel:

„Sollten Sie weder Ihre Fähigkeiten ausbauen können noch eine Aussicht auf eine Gehaltserhöhung oder Beförderung haben, dann ist es Zeit, andere Alternativen in Betracht zu ziehen. Dabei ist ein Jobwechsel oft auch die perfekte Möglichkeit, seinen Marktwert neu zu definieren und einen Gehaltssprung von mehr als 15 % zu bekommen.“

 

 

TEIL 4: Gehaltsverhandlungen im Bewerbungsgespräch

Sie haben sich dazu entschieden den Arbeitgeber zu wechseln, um eine höhere Gehaltsstufe zu erreichen? Dann haben wir ein paar Tipps für Sie, wie das Gehaltspoker im Bewerbungsgespräch zum Erfolg wird.

  1. Persönliches Wunschgehalt definieren
    Definieren Sie Ihr Wunschgehalt und schreiben Sie dieses mit einer persönlichen Gehaltsuntergrenze nieder. So gehen Sie selbstbewusst in die Verhandlung und können Ihre Wunschvorstellungen zum gegebenen Zeitpunkt klar definieren.
  2. Schätzen Sie den Marktwert der Position ein
    Obwohl in Österreich die Gehaltsangabe im Stelleninserat Pflicht ist, lässt sich der tatsächliche Gehaltsrahmen nur davon ableiten. Um sich an die Gehaltsspanne heranzutasten, sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
    • Welches Ansehen genießt die vakante Position bei Ihrer Verhandlungspartnerin?
    • Wie verantwortungsvoll ist der Tätigkeitsbereich?
    • Mit welchen Kompetenzen und Zuständigkeiten ist er verbunden?
    • Welche Leistung erwartet Ihre Verhandlungspartnerin von Ihnen?
    Mit viel Fingerspitzengefühl lässt sich so einschätzen, wie hoch Sie ‘pokern’ können.
  3. Das aktuelle Gehalt nicht offen auf den Tisch legen.
    Wenn Sie das Gehalt bei Ihrer letzten Arbeitgeberin offen auf den Tisch legen, dann schränken Sie Ihren Verhandlungsspielraum ein, vor allem wenn es weit unter Ihrem Wunschgehalt liegt. Beschränken Sie sich hierbei eher auf vage Aussagen.
    Bsp: „Meine Gehaltsentwicklung war kontinuierlich, und ich habe regelmäßig leistungsbezogene Erhöhungen erhalten.
  4. Haben Sie Geduld.
    Lassen Sie den Personaler das Thema ansprechen. Die finanziellen Rahmenbedingungen eines Jobs werden oft in der zweiten Runde des Vorstellungsgespräches verhandelt. Preschen Sie in Sachen Gehalt daher nicht vor.
  5. Kalkulieren Sie die „fringe benefits“ mit ein.
    Viele Unternehmen haben Mitarbeitervorteile, die in die Gehaltsverhandlung miteinfließen. Denn freiwillige Zusatzversicherungen, Mitarbeiterinnenaktien, zusätzliche Provisionen Firmenwagen, Firmenhandy, Laptop, flexible Arbeitszeiten, Möglichkeit auf Home-Office oder Verpflegung und Kantine sind auch geldwerte Vorteile.

 

Die Recruiterin fragt nach, was soll ich sagen?

Was verdienen Sie derzeit?
Mein derzeitiges Gehalt bewegt sich in der branchenüblichen Spanne zwischen
24.000 und 36.000 €.

Wieviel möchten Sie denn verdienen?
In der ersten Vorstellungsrunde:
“Ich möchte mich in einem so frühen Stadium des Gesprächs zu so einem sensiblen Punkt noch nicht äußern.”

In der finalen Runde:
„Ich stelle mir ein Jahresgehalt inklusive Zuschläge um die 50.000 Euro vor.“

 

Zu den Gehaltsexperten

Daniela Schlick ist erfahrene Personalberaterin, zertifizierte Trainerin und Coach. Sie setzt ihre Expertise dafür ein, Bewerberinnen bei der Berufsorientierung, in der Bewerbungssituation und bei der Karriereplanung zu coachen. Webtipp: www.danielaschlick.at

Rudi Bauer ist Geschäftsführer von StepStone Österreich und verfügt über 25 Jahre Management- und Führungserfahrung. Neben seiner neuen Rolle als Director Brand Communications für StepStone International ist er auch Mitbegründer der Agentur active concepts mit den Schwerpunkten Unternehmenskultur, Coaching, Strategieberatung und Teamentwicklung.

Dr. Conrad Pramböck ist Gehaltsexperte, internationaler Speaker und Lektor für Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen sowie Buchautor und Verfasser von wöchentlichen Kolumnen in den Tageszeitungen „Der Standard“ und „Die Presse“ zu den Themen Gehalt und Karriere.