Sie ist die Branche, die während der vergangenen zwei Jahre wohl am meisten unter dem Auf und Ab der Pandemie und den zahlreichen Lockdowns gelitten hat: Dass die Einschränkungen Spuren hinterlassen haben, zeigt auch der StepStone Jobreport 2022 - eine repräsentative Studie zu Jobmarkt und Arbeitnehmermentalität.
Knapp jede*r Zweite ist mit seinem Job im Gastgewerbe unzufrieden.
Bei der Frage, wie zufrieden sie aktuell mit ihrer beruflichen Situation sind, liegen Angestellte aus Gastronomie und Hotellerie auf dem letzten Platz. Das zeigt der aktuelle StepStone-Jobreport, für den 2000 Personen repräsentativ für ganz Österreich im Jänner 2022 befragt wurden. Konkret ist nur rund jeder zweite Beschäftigte in Gastronomie/Hotellerie (49%) im Moment sehr oder eher zufrieden im Job.Im Lauf der Pandemie hat sich die Zufriedenheit der Angestellten halbiert: So waren es vor Corona noch rund 80% aller Beschäftigten und damit doppelt so viele wie jetzt, die glücklich mit ihrem Job waren.
Der Schnitt geben in Österreich rund 60 % an, zufrieden mit der beruflichen Situation zu sein, die glücklichsten Berufsgruppen liegen bei 70-80 % Zufriedenheit. Im Ingenieurswesen, der Personalbranche oder auch dem Finanz- und Rechnungswesen sind zum Vergleich mehr als drei Viertel aller Angestellten glücklich mit ihrer aktuellen beruflichen Situation.
Gastgewerbe: Jeder Vierte will neuen Job suchen
Die Unzufriedenheit wirkt sich auch auf die Wechselbereitschaft aus, zeigt die StepStone-Erhebung: So ist mehr als jeder vierte Beschäfte aus Gastro und Hotellerie fest entschlossen, sich beruflich neu zu orientieren. Rund 28% aller Befragten wollen sich wegen der Erfahrungen in der Krise nach einem neuen Job suchen oder haben erst kürzlich den Arbeitgeber gewechselt. Jeder Fünfte (21%) gibt an, während der Krise neue berufliche Bedürfnisse entwickelt zu haben.
Nach Beschäftigten im Bereich Marketing und PR sind Angestellte in Hotel und Gastronomie damit die zweitmobilsten Arbeitnehmer*innen in ganz Österreich: „Viele haben sich im Lockdown umorientiert und wurden in Branchen wie Handel oder Industrie mit offenen Armen empfangen, weil sie einen ausgeprägten Service-Gedanken mitbringen und Freude am Umgang mit Menschen zeigen. Hinzu kommen auf der anderen Seite die tendenziell schwierigen und unflexiblen Arbeitszeiten“, skizziert Nikolai Dürhammer, Geschäftsführer von StepStone Österreich, einige der Herausforderungen der Branche bei der Personalsuche. Bei der aktuellen Studie sagen 73 % der Befragten aller Berufsgruppen, dass ihnen eine gute Work-Life-Balance während der Pandemie wichtiger geworden ist. Zum Vergleich: “Den Job zu behalten ist mir wichtiger” sagen nur 64%.
Starke Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften
Bei Arbeitgebern sorgt die Unzufriedenheit der Angestellten für Kopfzerbrechen, denn: Die Branche erlebt einen Aufschwung, gerade vor der wichtigen Sommersaison werden gut ausgebildete Fachkräfte dringend gesucht. Das bestätigen auch die Zahlen aus dem aktuellen StepStone Fachkräfteatlas: So wurden 2021 rund 28.300 Jobs in Hotel und Gastgewerbe ausgeschrieben, rund 46% mehr als noch im Jahr davor. Am stärksten war die Nachfrage in Tirol, gefolgt von Wien und Salzburg. Dennoch geht nur jede*r Zweite (45%) von sehr oder eher guten Chancen am Arbeitsmarkt aus.
Die hohe Wechselbereitschaft und Unzufriedenheit in der Branche dürfte weniger mit der Quantität, sondern mehr mit der Art der Stellenangebote zu tun haben: Eine StepStone-Auswertung von Stellenanzeigen im Gastronomiebereich von 2019 bis 2021 zeigt, dass auch Vergünstigungen und kostenlose Angebote in den Anzeigen rückläufig sind – und immer seltener flexible Arbeitszeiten angeboten werden.
2019 wurde noch in 13 Prozent aller Gastro-Anzeigen damit geworben, 2021 kam dieser Benefit nur mehr in 10 Prozent der Anzeigen vor. Im Vergleich dazu: Auf dem gesamten Stellenmarkt werden Gleitzeit, flexible und eigenverantwortliche Arbeitszeiten derzeit in etwa jeder achten Stellenanzeige genannt. Statt mit Flexibilität versucht man im Gastgewerbe eher mit unterschiedlichen Arbeitsmodellen zu punkten, etwa „keine Arbeit an Feiertagen“, „geregelte“ Arbeitszeiten oder Miteinbeziehung bei der Dienstplanerstellung.
„Der Markt hat sich gewandelt“
Dennoch, zieht Nikolai Dürhammer ein Fazit, müssten sich Arbeitgeber in Gastronomie und Hotellerie besonders anstrengen, um qualifizierte Mitarbeitende an Bord zu holen – und auch zu behalten. Denn: „Der Markt hat sich mittlerweile von einem Angebots- in einen Nachfragemarkt gewandelt. Gut ausgebildete Fachkräfte können schon längst aussuchen, wo sie hingehen, und wählen naturgemäß Arbeitgeber mit dem besten Angebot.“ Gerade in saisonalen Betrieben sei es daher wichtig, mit den richtigen Benefits zu punkten – „und darauf zu achten, was Arbeitnehmer eigentlich wollen. Jobsicherheit, faire Bezahlung und ein faires, strukturiertes Bezahl- und Prämienmodell sind eine gute Möglichkeit, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bekommen und zu halten.“
Der aktuelle StepStone Jobreport beleuchtet den Impact von Covid-19 auf den österreichischen Arbeitsmarkt. Für die vorliegende Studie wurden im Jänner 2022 repräsentativ für Österreich 2.058 Personen durch die Marktforschungsagentur MindTake im Auftrag von StepStone befragt. Mit einfließen auch die aktuellen Zahlen zu Fachkräftebedarf und ausgeschriebenen Stellen, erhoben durch die Personalmarktforscher von index Research im Auftrag von StepStone, die laufend alle in 22 Printmedien und 35 Jobbörsen für den “StepStone Fachkräfteatlas“ ausgeschriebene Stellenanzeigen in ganz Österreich erfassen.