Introvertierte im Jobinterview

Mit der richtigen Vorbereitung überzeugen
Ruhig, schüchtern und verunsichert – das sind Eigenschaften, mit denen Bewerber meist nicht überzeugen können. Introversion und Extraversion sind Kernbestandteile des „Fünf-Faktoren-Modells“, ein Standard-Modell zur Beschreibung von Persönlichkeiten.

Kommunikativ, gesprächig, selbstbewusst – mit diesen Eigenschaften kommen Bewerber gut durch Vorstellungsgespräche und hinterlassen idealer Weise einen bleibenden Eindruck beim Gegenüber. Während Personen, die von ihrer Persönlichkeit her eher nach innen gerichtet sind, es am  Arbeitsmarkt oftmals schwer haben.

 

Introvertierte Personen haben andere Bedürfnisse

Introversion und Extraversion: Was bedeutet das? Diese Begriffe gehen auf den Psychoanalytiker Carl Gustav Jung zurück. Er ging davon aus, dass Menschen entweder zur Introversion oder zur Extraversion neigen. Extravertierte und Introvertierte nehmen ihre Umwelt gänzlich unterschiedlich wahr. Auch ihre Bedürfnisse sind grundsätzlich verschieden. Dies kann oft zu Missverständnissen führen. Vor allem auch deswegen, da Persönlichkeitseigenschaften, die der Extraversion zugesprochen werden, in unserer Gesellschaft scheinbar wertvoller, geschätzter und wichtiger zu sein scheinen, als jene der Intraversion. Wichtig für Menschen mit introvertierter Persönlichkeit ist, dass sie lernen sich anzunehmen und somit auf ihre individuellen Bedürfnisse besser eingehen können.

 

Extraversion und Intraversion

Extraversion: Menschen, die nach Außen gewandt sind. Der Austausch mit anderen ist für sie Quelle des Lernens und der Inspiration. Sie erleben ihre Umwelt und alles im Außen intensiver als ihr Innenleben. Extravertierte sind gerne unter Menschen, nehmen an geselligen Treffen teil, sind energiegeladen. Sie ziehen schnell die Aufmerksamkeit auf sich, übernehmen das Kommando und blühen bei Aufregung und Action auf.
Introversion: Menschen, die nach Innen gewandt sind. Aufmerksamkeit und Energie fließen eher in die eigenen Gedanken- und Gefühlswelt. Sie analysieren und beobachten ihre Umwelt sehr genau. Um wieder Energie zu tanken brauchen sie vor allem Zeit für sich selbst und Ruhe. Introvertierte bevorzugen daher eine stille Umgebung. Sie meiden Menschenansammlungen oder laute Partys. Dafür finden sie Zeit und Entspannung in der Natur oder in Parks.

 

Introvertierte im Jobinterview

Die schriftliche Bewerbung ist für Introvertierte meist kein Problem. Schwierig wird es dann jedoch im Jobinterview. Im Gespräch sind Introvertierte oftmals zurückhaltend, Antworten fallen meist kurz und bündig aus, dies macht auf Personalverantwortliche dann einen wortkargen, unkommunikativen Eindruck. Eine Selbstpräsentation, wie sie in Vorstellungsgesprächen verlangt wird, fällt Introvertierten sehr schwer. Für sie ist es nämlich nicht einfach, die eignen Stärken darzustellen. Geschweige denn die eignen Stärken überhaupt erst zu erkennen. Sie tendieren nämlich dazu ihre Talente und Fähigkeiten für selbstverständlich anzusehen. Da sie ihre Umwelt sehr genau beobachten, neigen sie auch dazu sich mit anderen zu vergleichen und sind dann häufig von Selbstzweifel geplagt. Introvertierte verspüren meist nicht den Drang Small-Talk zu führen, viel eher sprechen sie nur, wenn sie einen Mehrwert in der Unterhaltung sehen. Dies ist jedoch nicht Desinteresse, wie fälschlicher Weise manchmal angenommen wird, sondern schlichtweg die Natur der introvertierten Persönlichkeit.

 

Tipps für das Jobinterview

Im Vorstellungsgespräch muss man sich gut verkaufen – das fällt introvertierten Menschen schwer. Dies sollte jedoch kein Grund sein zu verzagen. Auch als introvertierte Persönlichkeit kann man im Jobinterview brillieren. Die richtige Vorbereitung ist wichtig. So geht’s:

 

Sie sind introvertiert?

Das ist so, lernen Sie sich selbst anzunehmen. Auch wenn dies nicht leicht ist, vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Versuchen Sie nicht jemand anderer zu sein. Sie sind eine einzigartige Persönlichkeit mit ganz individuellen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Charaktereigenschaften. Mit dieser Grundeinstellung fällt vieles leichter.

 

Sie sind zu einem Jobinterview eingeladen?

Sehr gut, gratuliere. Das bedeutet, Ihre Bewerbungsunterlagen haben überzeugt und Ihre Qualifikation passt zur Stellenausschreibung. Jetzt müssen Sie noch beim persönlichen Gespräch überzeugen. Nur die Ruhe. Das schaffen Sie mit links.

 

Jobinterviews machen Sie nervös?

Keine Sorge, Sie sind nicht der/die Einzige. Bereiten Sie sich gut vor. Üben Sie Vorstellungsgespräche im Vorfeld. Was brauchen Sie dazu? Zum Beispiel einen Freund, der mit Ihnen das Jobinterview in Form eines Rollenspieles durchspielt. Oder Sie üben das Gespräch vor einem Spiegel. Stellen Sie sich die wichtigsten Fragen und üben Sie die Antworten solange, bis Sie sich sicher fühlen. Sie können die Antworten auch notieren und immer wieder üben. Wichtig dabei ist, dass Sie die Antworten laut aufsagen. Dadurch können Sie eine Sprechhemmung besser in Griff bekommen und gewöhnen sich an Klang und Intonation Ihrer Stimme.

 

Erzählen Sie etwas über sich?

Dies ist oft die erste Frage im Jobinterview, ein klassischer Gesprächsöffner, aber auch gar nicht so leicht zu beantworten. Bei der Frage ist der berufliche Werdegang wichtig. Studieren Sie im Vorfeld Ihren Lebenslauf ganz genau, notieren Sie sich die wichtigsten Schritte Ihrer Karriere und Ausbildung. Bereiten Sie ihre Karriereschritte wie eine Präsentation vor und präsentieren Sie diese einige Male vor sich selbst – Sie sind schließlich Ihr größter Kritiker, nicht wahr? Im Vorstellungsgespräch kann es hilfreich sein, wenn man auf ein paar einstudierte Sätze zurückgreifen kann.

 

Kennen Sie ihre Stärken?

Sichten Sie Ihren Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und schreiben Sie Ihre Stärken auf. Versuchen Sie zu jeder Stärke eine Situation im Berufsleben zu finden, wo Sie genau diese Fähigkeit einsetzen konnten, im Vorstellungsgespräch können Sie dann darüber erzählen. Überlegen Sie auch, was Sie grundsätzlich gerne machen und worin Sie gut sind. Auch das sind Stärken, für die sich Arbeitgeber und Personaler interessieren. Nur Mut. Betreiben Sie ein bisschen Selbst-Marketing.

Mit diesem Test für Introvertierte können Sie sich selbst überprüfen.

Bildnachweis: cipella/Quelle: www.istockphoto.com

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