Einerseits zeigen uns die steigenden Zahlen von Mobbing, Burnout, psychische Erkrankungen und krankheitsbedingten Frühpensionierungen, dass wir heute einen Lebensstil führen, der für den Menschen prinzipiell ungesund erscheint und immer mehr Menschen in unserem derzeit bestehenden System nicht mehr funktionieren können.
Andererseits streben immer mehr Menschen nach einem Sinn in ihrer Arbeit, nach Erfüllung in ihrem Leben, nach persönlicher Weiterentwicklung statt Stillstand, nach der Konzentration auf das Wesentliche statt Energieverschwendung, nach einer Work-Life-Balance, nach Selbstverwirklichung und Authentizität statt reiner Pflichterfüllung und Funktionieren-Müssen, nach Bezahlung nach Leistung und nicht mehr nach Anwesenheit und nach mehr Menschlichkeit und Herzensbildung statt Ellenbogenmentalität.
Auch Unternehmen stoßen an die Grenzen ihres Wachstums. Paradigmen wie "Gewinnmaximierung um jeden Preis", "Ausbeutung der Natur" und "kompromissloser Wettbewerb" haben auf fast allen Ebenen versagt, sodass die Notwendigkeit eines nachhaltigen und ressourcenschonenden Denkens erkannt wird. Innovative, visionäre und kreative Ideen sind zu entwickeln, um ein langfristiges Überleben von Unternehmen und ein Wachstum "zum Wohle aller" zu gewährleisten.
Ethische Grundsätze
In allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen wird das menschliche Handeln überdacht werden müssen und ethische Grundsätze werden den Weg in diese Neue Zeit erleichtern.
Die Zeit der Maßlosigkeit ist vorbei
Nach Zeiten der Maßlosigkeit folgt nun eine Zeit der Reflexion, des Umbruchs und der Neuorientierung. Darin liegt die Chance in der Krise - für jeden einzelnen von uns.
Mobbing und Burnout sind Erscheinungen des Umbruchs!
Der Nährboden von Mobbing und Burnout
Mobbing entsteht meist als Folge des Zusammentreffens mehrerer ungünstiger Umstände. Ursachen finden sich dabei typischerweise in folgenden Bereichen:
1. Merkmale der Organisation
Bei arbeitsorganisatorischen Mängel (hoher Zeitdruck, schlechte Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung, unklare Kompetenzverteilung, starre Hierarchien, große Verantwortung bei geringer eigener Handlungsmöglichkeiten), bei allgemeiner Unzufriedenheit der Mitarbeiter, wenn Konflikte nicht gelöst werden, bei Fusionen und Umstrukturierungen und immer dann, wenn am Arbeitsplatz der Druck zunimmt, tritt Mobbing häufiger auf.
2. Führungsverhalten des Vorgesetzten
Für rund 70 % aller Mobbing-Fälle sind Vorgesetzte für das Mobbing verantwortlich. In den meisten Fällen, um den Beschäftigen dazu zu bringen, von sich aus zu kündigen. In rund 80 % geht man von einer Mitverantwortung von Führungskräften durch Führungsschwäche oder Konfliktscheue aus. Teilweise wird das Mobbing von Kollegen stillschweigend gebilligt, da es als produktive Konkurrenzauslese missverstanden wird, in anderen Fällen kann Mobbing sogar "dienlich" sein, um anstehende Kündigungen ohne einen Sozialplan durchzuführen zu können.
3. Die soziale Stellung des Betroffenen
Unter Umständen können bestimmte Merkmale einer Person Auslöser für Konflikte am Arbeitsplatz sein. So gehören vielfach sozial Benachteiligte, z.B. Behinderte, Alleinerziehende, Ausländer oder sozial unsichere Personen zu den Mobbing-Opfern. Aber auch Konkurrenz, Neid und persönliche Antipathie können eine Rolle beim "Sündenbock-Phänomen" spielen.
4. Die "betriebliche Moral"
In vielen Fällen liegt dem Mobbing nicht eine geplante Schikane der Beteiligten zugrunde, sondern entsteht aus Gedankenlosigkeit oder Desinteresse. Die durch den ursprünglichen Konflikt ausgelösten Missstimmungen werden stillschweigend geduldet und können so eine Eigendynamik entwickeln. In Betrieben, in denen Mobbing-Handlungen nicht durch einen Großteil der Kollegen und den Vorgesetzten akzeptiert werden, kann der Mobbing-Prozess frühzeitig erkannt und gestoppt werden.
Die Phasen des Mobbing
Der Betriebswirt und Diplompsychologe Heinz Leymann (1932 - 1999) gilt als Pionier in der Mobbingforschung und beschreibt die Phasen des Mobbing folgendermaßen:
Gibt es "typische" Mobbing-Opfer?
Es sind mehr Frauen unter den Opfern anzutreffen als Männer. Obwohl jeder Opfer werden kann, häufen sich doch einige Merkmale. Besonders betroffen sind
Gibt es "typische" Mobbing-Täter?
Nach dem Diplompsychologen, Psychotherapeuten und Autor Dr. Andreas Dutschmann können Mobbing-Täter in folgende Typologie eingeteilt werden:
Die Auswirkungen von Mobbing
Individuelle Ebene
Die Betroffenen leiden unter deutlich erhöhter Gereiztheit, Schuldgefühlen, Isolation, psychosomatischen Beschwerden, Nervosität, Schlafstörungen, Atemnot, Lustlosigkeit, Angststörungen, Erschöpfung, Kreislaufproblemen, Rückenbeschwerden, Verspannungen, Verdauungsproblemen, Magenschmerzen, Depressionen, Burnout-Symptomen, einem geringen Selbstwertgefühl im Vergleich zu Kontrollgruppen mit einem guten Arbeitsklima. Etwa 10 bis 20 % der Betroffenen begehen Selbstmordversuche.
Betriebliche Ebene
Der wirtschaftliche Schaden für den einzelnen Betrieb ist hoch. Gestresste Personen verlieren ihre Motivation, produzieren viel mehr Fehler, die Unfallrate steigt, es gibt mehr Abwesenheitszeiten wegen Krankheit, die Konzentration der Betroffenen lässt nach und die Produktion sinkt. Innere Kündigungen und das Burn-out-Syndrom beeinträchtigen nicht nur die Arbeitsleistung von einzelnen, sondern sie wirken sich oft auch auf das ganze Team leistungsmindernd aus. Das gesamte Betriebsklima kann angesteckt werden. Dies bewirkt meist erhöhte Personalfluktuation. Die Betriebskosten steigen und Know-how geht verloren. Letztlich resultieren somit auf Betriebsebene eindeutige Wettbewerbs-Nachteile.
Gesellschaftliche Ebene
Die Folgen für die Gesellschaft sind erhöhte Ausgaben der Unfall-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen, eine Minderung des Bruttosozialproduktes und eine größere Anzahl von psychisch stark belasteten Mitmenschen. Man rechnet damit, dass jede zehnte Person einmal im Leben Opfer von Mobbing wird. Die Abnahme der Solidarität, zunehmende Gleichgültigkeit und eine Verrohung im zwischenmenschlichen Umgang fördern diesen Umstand. Aufgrund der Ungerechtigkeiten verlieren viele Betroffene ihr Vertrauen zum Rechtsstaat.
Was kann das "Mobbing-Opfer" tun?
1. Benennen Sie den Konflikt
Sprechen Sie den ungelösten Konflikt an und finden Sie gemeinsam mit dem "Kontrahenten" einen Lösungsweg.
2. Setzen Sie Grenzen
Wer sich nicht wehrt, wird schnell zum Opfer. Versuchen Sie, ruhig die eigene Position zu vertreten. Versuchen Sie, die Ursache des Konflikts, das Motiv des "Kontrahenten" herauszufinden. Daraus ergeben sich womöglich Lösungswege.
3. Sprechen Sie mit jemanden darüber Ein Aussprechen bei Freunden oder Angehörigen bringt Ihnen Erleichterung und Verständnis. Sammeln Sie schriftliche Dokumente, führen Sie ein "Mobbing-Tagebuch".
4. Suchen Sie sich eine Vertrauensperson im Betrieb Wenn der Konflikt zwischen Kollegen besteht, so kann es sinnvoll sein, den Vorgesetzen anzusprechen, um ihn auf einen Missstand hinzuweisen. Gegebenenfalls ist auch der Betriebsrat oder die Frauenbeauftragte eine geeignete Ansprechperson.
5. Schildern Sie Ihrem Arzt die Situation
Vielleicht ist eine Krankschreibung sinnvoll, damit Sie erst einmal wieder zur Ruhe kommen. Auch ein Gespräch mit einem Psychologen sollten Sie in Betracht ziehen.
6. Spannungen abbauen
Versuchen Sie, Spannungen durch Sport oder andere Freizeitaktivitäten, wie z.B. Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung abzubauen.
7. Tun Sie etwas für sich
Tun Sie etwas für sich und lernen Sie das, was Sie brauchen, um mit der Situation klarzukommen oder erweitern Sie Ihre Handlungsspielräume, indem Sie Ihre Lebensplanung überdenken. Besuchen Sie z.B.: Seminare oder nehmen Sie ein persönliches Coaching in Anspruch.
8. Suchen Sie sich eine Rechtsberatung
Suchen Sie sich eine Rechtsberatung, um alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen und unter Umständen Schadenersatz oder eine gute Abfindung zu erreichen.
Autorin:
Mag. Irene Galler, Ganzheitscoaching®
Expertin für Selbstreflexion, Selbstentfaltung und Hochsensibilität
MBTI® Code: ISFP bzw. INFP (Der einfühlsame und flexible Optimist, Brückenbauer und kreativer Denker)