Kinder oder Karriere? Vielleicht auch beides, auch in qualifizierten Positionen. Sofern das Unternehmen mitspielt und man selbst Flexibilität an den Tag legt. Und was immer hilfreich ist: ein vernünftiger Partner.
Das klassische Rollenbild der Frau, die sich um die Familie kümmert, ist Vergangenheit. Doch das partnerschaftliche Teilen dieser Verantwortung ist noch Zukunft (wenn überhaupt). In der Gegenwart kann es durchaus schwierig sein, beruflichen Erfolg und Familie unter einen Hut zu bringen. "Diese Situation hat sich in der letzten Zeit nicht sehr verändert", meint Christiana Mayer, Senior Partner bei der Personalberatung Iventa. "Man braucht entweder Geld, um sich die Infrastruktur für die Kinderbetreuung kaufen zu können, oder ein entsprechendes familiäres Umfeld. Ohne diese Voraussetzungen ist es für eine Frau immer noch sehr schwierig, Karriere zu machen." Was kann man tun, um diese Situation zu verbessern? Dazu gibt es mehrere Ansatzpunkte. Regina Hartweg-Weiss vom Sozialministerium verweist unter anderem auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen: Kinderbetreuungsgeld, Recht auf Elternteilzeit, Anrechnung der Kinderbetreuung auf Pensionszeiten wirken unterstützend.
Die Unternehmen müssen die Rahmenbedingungen schaffen
Sie müssen den Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, zwischen Karriere oder Karriere mit Kind wählen zu können, fügt Georg Petek-Smolnig, Personalchef der Wirtschaftskammer Österreich, hinzu. Diesem Ziel könnten etwa flexible Arbeitszeiten, Tele-Arbeit oder verbesserte Formen der Wiedereingliederung (nach einer Babypause) dienen.
"Wir laden alle Karenzierten zu Betriebsfeiern ein, damit der Kontakt nicht abbricht. Außerdem planen wir Einstiegshilfen, etwa durch Nachschulungen." Die große Herausforderung sieht Petek-Smolnig darin, den betriebswirtschaftlichen Nutzen solcher Vereinbarkeitsmaßnahmen zu demonstrieren. Theoretische Argumente gebe es genug. "Natürlich liegen solche Maßnahmen im Eigeninteresse des Unternehmens", meint Christine Marek, Abgeordnete zum Nationalrat und Betriebsratsvorsitzende bei Frequentis. "In unserem Unternehmen sind die Mitarbeiter der größte Kostenfaktor, gute Mitarbeiter erfordern hohe Investitionen." Daher sei auch viel Geld weg, wenn die Mitarbeiter weg wären - sei es wegen nicht gelungener Wiedereingliederung, weil man die Kinderbetreuung selber voll übernimmt (und nicht etwa zumindest Teilzeit arbeitet) oder weil man von vornherein ein anderes Unternehmen wählt. "Man wird attraktiver am Arbeitsmarkt, die Mitarbeiter sind motivierter, daher sind Fluktuation und Krankenstände geringer." Trotzdem: Das Problem, so Petek-Smolnig, bestehe darin, diese positiven Effekte auch zu messen. "Die Bewusstseins-Bildung ist der große Knackpunkt", meint Marek.
Unterstützung des Partners als Grundvoraussetzung
An den Rahmenbedingungen alleine darf es nicht liegen, sagt Rudolf Petsche, Generaldirektor von ABB Österreich, auch wenn sie sinnvolle Erleichterungen seien. "Aber man kann niemanden zu seinem Glück zwingen. Wenn jemand will, dann kann er auch mit Kindern Karriere machen - sofern die Unterstützung eines vernünftigen Partners da ist. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollte kein Frauen-, sondern ein gemeinsames Thema sein." Petsche erzählt, dass auch seine Frau es geschafft hätte, trotz Kinder in ihrem Beruf erfolgreich zu sein - allerdings sei halt ihr gesamter Zuverdienst für die Kinderbetreuung draufgegangen. "Man muss wissen, was man will", so Petsche. Zum Thema Tele-Arbeit meint er: Das sei auch kein Allheilmittel, erst recht für eine Führungskraft. "Eine Führungskraft hat die Mitarbeiter zu führen, das funktioniert nicht ferngesteuert. Doch es gibt neben der Führungslaufbahn - vom Abteilungsleiter über den Bereichsleiter bis zum Vorstand - ja auch die Fachlaufbahn, die ebenfalls eine sehr qualifizierte und sehr wichtige Tätigkeit darstellt."
Tele-Arbeit und eine Führungstätigkeit müssen kein Widerspruch sein, meint dagegen Marek, sofern es sich um eine alternierende Tele-Arbeit handle - wenn man also etwa nur einen Tag in der Woche daheim arbeitet. Die ausschließliche Arbeit von zu Hause aus sei ohnehin nicht sinnvoll. "Da droht die totale Vereinsamung."
Ist das Frau-Sein an sich ein Hindernis, um in Führungspositionen überhaupt erst hineinzukommen?
"Das eine oder andere Mal trifft man noch auf Unternehmen, für die bei der Besetzung von qualifizierten Positionen die Familienplanung ein Thema ist", so Mayer. Es sei gesellschaftlich verankert, dass der Mann bei der Kinderbetreuung eine kleinere Rolle spielt. "Mehr Engagement der Männer wäre hier eine Lösung. Das würde aber ein gesellschaftliches Umdenken erfordern." Welches nur langsam funktionieren kann, meint Marek. "In Österreich gehen 3,5 Prozent der Väter in Karenz, in Schweden sind es bereits 13 Prozent. Das ist auch nicht von heute auf morgen passiert."
Eine der bewusstseinsbildenden Maßnahmen stellt das "Audit Familie und Beruf" dar (www.familieundberuf.info). Das ist ein vom Sozialministerium finanziell gefördertes Beratungsinstrument, mit dem Unternehmen ihre Familienorientierung gezielt entwickeln können. Dieses Abklopfen des Unternehmens auf familienfreundliche Maßnahmen hin (was gibt es schon? wo drückt der Schuh?) bedeutet eine intensive Beschäftigung mit dem Thema, welche zum einen in Verbesserungsvorschläge, zum anderen in die Verleihung eines Gütesiegels münden kann. Etwa 170 österreichische Unternehmen haben sich, so Hartweg-Weiss, diesem Auditierungsverfahren bereits gestellt.
Was gilt es an den gesetzlichen Rahmenbedingungen zu ändern?
"Die Zuverdienstgrenze beim Kindergeld ist absurd", meint Mayer. "Dem Staat sollte ein Kind etwas wert sein, egal, was die Mutter macht." Marek wünscht sich eine breitere steuerliche Unterstützung der Kinderbetreuung. "Ausgaben für Betriebskindergärten können von der Steuer abgesetzt werden, davon profitieren sowohl Arbeitgeber als auch -nehmer. Aber was ist mit anderen, individuellen Formen der Betreuung, die gerade für kleinere Unternehmen sinnvoll sein können? Auch die sollten von der Steuer befreit werden." Wobei man aber, so der Tenor der Expertenrunde, nicht die ausschließliche Verantwortung auf die Rahmenbedingungen schieben sollte. Mayer: "Die Karriere muss die Frau schon selber machen. Die Initialzündung muss immer von mir ausgehen."
Gerhard Mészáros / Die Presse
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