Üblicherweise denken die meisten Menschen bei dem Begriff "Ordnung" an einen aufgeräumten Schreibtisch, an ein gut sortiertes Ablagesystem oder an die Ordnung in der Wohnung, vielleicht auch noch an eine ordentliche Kleidung, an ein ordentliches Aussehen oder an ein ordentliches Benehmen.
Wenige sind sich allerdings bewußt, dass es auch eine "innere Ordnung"- im Menschen selbst gibt. Die innere Ordnung kann auch als Balance oder Gleichgewicht oder Harmonie verstanden werden. Die innere Ordnung stellt die Basis für unsere Gesundheit dar und ist ein ganz natürlicher Zustand. Disharmonie wird in der asiatischen Welt als ein Zustand betrachtet, in dem sich Krankheiten erst entwickeln können.
Was kann die innere Ordnung stören?
Wir sind täglich Reizen und Einflüssen ausgesetzt, die das Potenzial haben, unsere innere Ordnung zu stören und uns aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das kann ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch, ein Streit mit der Arbeitskollegin, das tägliche Arbeitspensum, die hektische Atmosphäre im Büro, eine unklare Kompetenzverteilung im Team, ein ungelöster Konflikt mit dem Nachbarn, der verschnupfte Chef, das nasskalte Wetter, der Verlust eines geliebten Menschen oder eine bevorstehende Flugreise sein. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf diese Reize. Den einen bringt etwas aus dem Gleichgewicht, was dem anderen ein müdes Lächeln abverlangt. Es gibt Menschen, die sind permanent krank und depressiv und andere strotzen nur so von Gesundheit und genießen das Leben in vollen Zügen. Der eine genießt das Scheinwerferlicht und der andere bekommt Beklemmungen. Aus diesen Beispielen ist erkennbar, dass jeder Mensch seine ganz persönlichen Stressfaktoren hat und es immer die individuelle Antwort auf den Reiz ist, die das eigene Gleichgewicht beeinflusst. Es gibt nichts auf der Welt, was uns schaden kann, wenn wir es schaffen, unser Gleichgewicht zu halten und unsere innere Ordnung wieder herzustellen.
So lautet ein treffendes Zitat von Lucius Annaeus Seneca "Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern es ist unsere Meinung über die Dinge."
Das Phänomen der Hochsensibilität
Was die Reize betrifft, ist dabei auch auf das Phänomen der "Hochsensibilität" hinzuweisen. Hochsensibilität (Hochsensitivität, Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit) ist ein von Elaine N. Aron postuliertes psychisches Phänomen, bei dem Betroffene mehr wahrnehmen, als sie verarbeiten können und stärker als der Populationsdurchschnitt auf Reize reagieren, was leichter zu "Überstimulation" (schlicht: Reizüberflutung) führt. Aron spricht von "Highly Sensitive Persons", die etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen.
Ordnungstherapie
Die Ordnungstherapie gewinnt immer mehr wissenschaftliche Anerkennung. Grundsätzlich kann man unter Ordnungstherapie ein Konzept für eine gesunde Lebensführung verstehen, in dem die Selbstverantwortung des einzelnen für seine Gesundheit eine wichtige Rolle einnimmt. Darüber hinaus steht der Begriff für ein übergeordnetes Prinzip der Naturheilverfahren, denn jede naturheilkundliche Therapie versucht die Ordnung im Organismus wieder herzustellen.
Die wissenschaftliche Untermauerung
Die Ernährungs- und Kommunikationswissenschafterin, Chefredakteurin von "Gesundheit für Frauen" und "Naturmedizin aktuell" Sylvia Schneider meint, dass die Maßnahmen der Ordnungstherapie von den Erkenntnissen verschiedener Wissenschaftsrichtungen untermauert werden: Die Chronobiologie (Wissenschaft von den inneren Rhythmen) bestätigt, wie schädlich es ist, wenn Sie gegen Ihre inneren Rhythmen, die Tages- und Jahresrhythmen leben. Die Stressforschung kommt immer wieder zu dem Ergebnis, dass der Stress der heutigen Zeit unbedingt mit ordnungstherapeutischen Maßnahmen ausgeglichen werden muss, wenn Sie nicht krank werden wollen. Die Psychosomatik und Neurobiologie finden täglich neue Erkenntnisse darüber, wie stark Körper und Seele miteinander verbunden sind und alles - auch das menschliche Umfeld und die Lebenssituation - verwoben sind.
Pfarrer Sebastian Kneipp
Schon der bayerische Priester und Hydrotherapeut und bekanntester Vertreter der Ordnungstherapie Sebastian Anton Kneipp (17.5.1821 - 17.6.1897) erkannte sehr früh die ursächlichen Zusammenhänge zwischen seelischen Problemen und körperlichen Erkrankungen. Er hielt die Menschen dazu an, Ordnung in ihr Leben zu bringen, um wieder gesund zu werden und sich wohl fühlen zu können. Aufgrund seiner seelsorgerischen Erfahrung wußte er, dass sich Gesundheit nur dort einstellt, wo der Mensch mit sich und der Welt im Reinen ist. Nur dann gelingt es auch, die Selbstheilungskräfte anzukurbeln.
Das Kneipp-Programm mit seinen fünf Behandlungsrichtungen erreicht alle Bereiche der körperlichen und seelischen Gesundheit, wobei die Lebensordnung, die innere Balance, wie man heute sagen würde, als übergeordneter Begriff gilt. Gefährdend für unsere Gesundheit wirkt alles, was durch Art und Intensität die individuelle Belastbarkeit überfordert. Aber auch eine zu geringe Belastung, z. B. zu geringe körperliche Tätigkeit oder zu geringe geistige Forderung (vor allem bei älteren Menschen), kann zur Störung des Wohlbefindens führen.
Auch die Wasseranwendungen, die gesunde Ernährung, die regelmäßigen Trainingseinheiten und in Ruhe genossenen Kräutertees haben einen ordnenden Effekt im Sinne dieser Lebensordnung nach Sebastian Kneipp.
Bringen Sie wieder Ordnung in Ihr Leben
Es gibt drei Ordnungsbereiche, in denen Sie aufräumen müssen - nämlich Ihren Körper, Ihren Geist und Ihre Seele. Alle drei Bereiche sind miteinander verbunden und eine Änderung auf einer Ebene führt zu Veränderungen auf den anderen Ebenen.
Sie werden also nicht drum rum kommen und sich Zeit nehmen, um Ihr Leben und sich selbst zu reflektieren. So wie Sie regelmäßig Ordnung in Ihrem Heim oder Inventur in Ihrem Unternehmen machen, so nehmen Sie sich auch einmal Zeit für sich selbst und Ihre Lebensordnung.
Ein Ordnungscoach, der Ihnen bei einer strukturierten und ganzheitlichen Reflektion "auf die Sprünge hilft", kann Ihnen dabei vielleicht helfen und Hilfe zur Selbsthilfe geben. Auf einer wertschätzenden vertrauensvollen, partnerschaftlichen und lösungsorientierten Basis geht es darum, Informationen auszutauschen, Zusammenhänge spürbar und erfahrbar zu machen, um eine Veränderung im Bewussstein und anschließend eine Verhaltensänderung herbeizuführen.
Ein Ordnungscoach hilft Ihnen dabei, dass Sie sich bewußt werden, was Sie sich selbst wert sind und wie Sie mit Ihren inneren Signalen umgehen. Das kann mitunter mühsam sein, denn Sie müssen bewusst für sich die Verantwortung übernehmen.
Ein Zitat von Georg Christoph Lichtenberg: "Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll."
Huna - die Sieben Prinzipien
Auch wenn eine ausführliche Abhandlung zur Huna-Philosophie hier zu weit führen würde, so möchte ich Ihnen gerne einen Impuls davon mitgeben.
Die Hawaiianische Huna-Philosophie (nach Serge King) kennt sieben Grundprinzipien, die das Leben und Handeln eines Menschen beschreiben.
Auch Unternehmen tragen Verantwortung
Der 45-jährige aus Finnland stammende Wissenschafter Professor Markku Wilenius ist Allianz Zukunftsforscher und leitete mehrere Jahre das Zentrum für Zukunftsforschung an der Turku School of Economics und ist Mitglied des Club of Rome, einer internationalen Nichtregierungs-Organisation, die sich für langfristiges, globales Denken und Handeln einsetzt. Markku Wilenius sagt über die Verantwortung von Unternehmen "Wir benötigen jemanden, der uns anleitet, anstiftet, auch mal ermahnt und vor allem motiviert. Kurzum: "Wir brauchen jemanden, der uns auf die Sprünge hilft."
Viele Menschen gehen mit ihrem Körper um, als sei er eine Maschine, die man nur an- und ausknipsen muss. Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herz- und Kreislaufprobleme oder Burn Out-Syndrom sind die Folge. Markku Wilenius weiter: Wir brauchen Gesundheitscoaches, die uns wieder ein gesundes Körperbewusstsein vermitteln.
Den meisten Menschen ist heute von Verstand her ganz klar, dass Bewegung und Ernährung wesentliche Gesundheitsfaktoren sind. Sie verdrängen dieses Wissen aber in ihrem eigenen Alltag. Viele arbeiten so viel, dass sie den Bezug zu ihrem Körper verlieren. Sie benutzen ihn nur noch, wie etwa ein Handy oder das Internet, sie sind ständig auf Empfang - und helfen teilweise sogar mit Aufputschmitteln nach, wenn die Batterie schwächer zu werden droht. Deshalb ist es die Aufgabe von Gesundheitscoaches, zu einer gesunden Lebensweise zu motivieren und anzuleiten. Konkret geht es darum, die "Schwachstellen" des einzelnen zu erkennen, an die Fähigkeit zur Selbstbestimmung zu erinnern, zur Übernahme der Selbstverantwortung zu führen, um wieder ein Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele wieder herzustellen.
Markku Wilenius meint, dass man dort ansetzen muß, wo die Leute "nicht entkommen" können, wo sie einen Großteil ihres Tages verbringen: am Arbeitsplatz. Gesundheitscoaches müssen in die Firmen kommen. Und auch die Arbeitgeber können etwas tun, um an ganz grundsätzliche Dinge zu erinnern: Etwa, indem sie anstelle des berüchtigten Konferenz-Konfekts mal eine Obstschale auf den Tisch stellen. Viele werden dann ganz nebenbei bemerken, wie gut eigentlich ein Apfel schmeckt, wie süß eine Banane.
Gesundheitscoaching macht einen Betrieb attraktiv für die Mitarbeiter. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter wiederum sind ein Gewinn für jede Firma.
Autorin:
Mag. Irene Galler, Ganzheitscoaching® Expertin für Selbstreflexion, Selbstentfaltung und Hochsensibilität MBTI®
Code: ISFP bzw. INFP (Der einfühlsame und flexible Optimist, Brückenbauer und kreativer Denker)