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Wege aus der Stressfalle

Mag. Irene Galler,
Ganzheitscoaching

Das Hamsterrad beginnt

Nehmen wir an, Sabine Kaufmann arbeitet in einer Steuerberatungskanzlei. Sie ist sehr engagiert und erledigt ihre Arbeit gewissenhaft und korrekt. Obwohl Frau Kaufmann mit ihrem Arbeitspensum für den heutigen Tag bereits völlig ausgelastet ist, bekommt sie von ihrem Chef noch eine dringende Arbeit, die unbedingt heute noch erledigt werden muss. Wie reagiert Frau Kaufmann? Ein Gedanke schießt ihr ein: "Verdammt, das geht sich nicht aus!" Ich muss meine Tochter pünktlich vom Kindergarten abholen."

Mit dem Gedanken "Verdammt, das geht sich nicht aus" beginnt Frau Kaufmann nun in ein Hamsterrad einzusteigen. Dieser Gedanke löst in ihr die Emotion "Stress" aus. Der Körper reagiert sofort mit Stresssymptomen, sie fühlt sich beengt und ihr Herz rast. Dieser Stress-Gedanke lässt sie nicht mehr klar denken, macht Frau Kaufmann hektisch und wirft sie vollkommen aus der gewohnten Bahn. Sie ist nicht mehr bei sich und kann sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren. Das macht ihre Arbeit fehleranfällig und darüber hinaus braucht sie auch noch viel mehr Zeit und Energie, um ihre Arbeit fortzusetzen.

"Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern es ist unsere Meinung über die Dinge", sagte schon Lucius Annaeus Seneca (römischer Philosoph, Dramatiker, Naturforscher; meistgelesene Schriftsteller seiner Zeit).

Stressauslöser

Ist von Stress die Rede, so wird häufig von Stress auslösenden Reizen (Stressauslöser oder Stressoren), Reaktionen darauf (Stresssymptome oder Stressreaktionen) und Stressauswirkungen (Stressfolgen) gesprochen.

Stressauslöser sind unterschiedlich und jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Stress. Was für den einen ein stressiger Arbeitstag ist, kann für den anderen ein gemütlicher oder spannender Arbeitstag sein. Das Stressempfinden und die Stresslatte sind bei jedem Menschen unterschiedlich hoch.

Der Trainer für Ziel- und Zeitmanagement Burkhard Heidenberger (www.zeitblueten.com) nennt folgende Beispiele für Stressauslöser: Verantwortung für Menschen, Konflikte, neue und unbekannte Situationen, Termindruck, Sorgen, mangelndes Selbstbewusstsein, nicht Nein-Sagen können, Druck durch Vorgesetzte, Informationsflut (Telefonate, E-Mails, usw.), ständige Unterbrechungen, Doppelbelastung, schlechtes Betriebsklima, ständiger Lärm (z.B. hoher Geräuschpegel in einem Großraumbüro), Konkurrenzkampf, hohe Erwartungen an sich selbst oder an andere.

Stresssymptome

Auch nennt Burkhard Heidenberger folgende Stresssymptome, wie zum Beispiel Magenbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit, Verspannungen, Herzrasen, Gliederschmerzen, Panikattacken, Resignation, Veränderung des Essverhaltens, Gewichtsveränderungen, permanente Müdigkeit, verminderte Libido, geschwächtes Immunsystem, negatives Denken, Zittern, übertriebene Handlungen, Konsum von Suchtmitteln, gesteigerte Aggressivität, Interessenlosigkeit, Abbrechen sozialer Kontakte.

Stressauswirkungen (Stressfolgen)

Wenn der Stress über einen längeren Zeitraum anhält, hat das meist geistige, seelische und körperliche Folgen. Burkhard Heidenberger nennt unterschiedliche Stressauswirkungen.

Körperliche Folgen

  • Schmerzen und Verspannungen im Rücken und Nacken, Kopfschmerzen
  • Brechreiz, Sodbrennen, Magenbeschwerden bis hin zum Magengeschwür
  • Ohrensausen, Gehörsturz
  • Herz/Kreislauferkrankungen
  • Verdauungsbeschwerden
  • Allergien, Hautausschlag

Seelische Folgen

Stress senkt die Toleranzgrenze und lässt einen dünnhäutig werden. Man fühlt sich leichter genervt und überfordert. Die innere Balance kann erheblich gestört werden, was zu Launenhaftigkeit, Unzufriedenheit, Ängsten und bis hin zu ernsten Depressionen führen kann. Nicht zu unterschätzen ist die daraus resultierende Gefahr von Abhängigkeiten (Medikamente, Alkohol, Drogen).

Geistige Folgen

Dauerstress beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit, steigert die Vergesslichkeit und reduziert die Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit.

Endstation Burnout

Wer nicht rechtzeitig dem Stress entgegenwirkt, dem droht das Burnout. Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen Zustand des "Ausgebranntsein", resultierend aus Dauerstress. Warnsignale und Kurzzeiteffekte von Stress wurden ignoriert, die Belastung hat ein unerträgliches Ausmaß erreicht.

Wie steigt Frau Kaufmann nun aus dem Hamsterrad aus?

Solange Frau Kaufmann ihren Stressauslöser nicht "erkennt", solange sie sich mit ihrem Stress-Gedanken "identifiziert", solange wird sie weiter im Hamsterrad laufen. Solange sie sich mit ihrer Emotion "identifiziert", solange sie in ihrer eigenen Emotion verstrickt ist und nicht emotional intelligent reagiert, solange wird sie sich von ihrer Emotion beherrschen lassen und sich in dieser Situation ohnmächtig fühlen. Solange Frau Kaufmann sich des Mechanismus nicht bewusst wird, der automatisch wie ein Computerprogramm im Hintergrund läuft, solange wird sie nicht aussteigen können. Solange sie nicht erkennt, dass ihre eigene Reaktion auf die Situation verantwortlich für ihren Stress ist, solange wird weiter im Hamsterrad laufen.

Frau Kaufmann sollte emotional intelligent reagieren!

Das Konzept der emotionalen Kompetenz stammt ursprünglich von Salovey und Mayer (1989) und wurde von Daniel Goleman 1996 mit seinem internationalen Bestseller "Emotionale Intelligenz" populär gemacht. Daniel Goleman plädiert für die Wiedervereinigung von Herz und Verstand. "Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?"

Wer persönlichen und beruflichen Erfolg im Leben haben will, muss klug mit seinen Emotionen umgehen können. Die Emotionale Kompetenz ist die Fähigkeit, mit eigenen und fremden Emotionen umgehen zu können, sie im konkreten Kontext richtig zu bewerten und so Stress zu vermeiden und Konflikte nicht eskalieren zu lassen.

Für die emotionale Intelligenz sind vor allem folgende Kompetenzen entscheidend:  

Selbstbewusstheit: die realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit, also das Erkennen und Verstehen der eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Motive und Ziele, aber auch das Bewusstsein über die persönlichen Stärken und Schwächen. Es geht darum, sich selbst gut zu kennen, um einschätzen zu können, wie man selbst in bestimmten Situationen reagiert, was man braucht und wo man noch an sich selbst arbeiten muss.

Selbststeuerung: die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und Stimmungen durch einen inneren Dialog zu beeinflussen und zu steuern. Mit dieser Fähigkeit sind wir unseren Gefühlen nicht mehr nur einfach ausgeliefert, sondern können sie konstruktiv beeinflussen. Ein Beispiel: Wenn uns etwas wütend macht, können wir uns durch unseren inneren Dialog selbst beruhigen und können dann viel angemessener reagieren, als wenn wir nicht in Lage sind, uns selbst zu steuern.

Motivation: sich selbst motivieren zu können heißt, immer wieder Leistungsbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit aus sich selbst heraus entwickeln zu können. Diese Fähigkeit ist besonders hilfreich in Phasen, in denen ein Projekt schwierig wird oder wenn die Dinge anders laufen als geplant. Wer sich selbst motivieren kann, findet immer wieder Kraft zum Weitermachen und verfügt auch über eine höhere Frustrationstoleranz, also dem Vermögen, Frust auszuhalten und trotzdem weiterzumachen.

Empathie: Empathie ist Einfühlungsvermögen. Gemeint ist damit das Vermögen, sich in die Gefühle und Sichtweisen anderer Menschen hineinversetzen zu können und angemessen darauf zu reagieren. Es geht darum, Mitmenschen in ihrem Sein wahrzunehmen und zu akzeptieren. Dabei heißt akzeptieren nicht automatisch gutheißen. Andere Menschen zu akzeptieren, heißt ihnen mit Respekt entgegenzutreten und Verständnis für ihr Tun und Denken zu haben.

Soziale Kompetenz: die Fähigkeit Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen und solche Beziehungen auch dauerhaft aufrecht erhalten zu können. Gemeint ist also ein gutes Beziehungs- und Konfliktmanagement, aber auch Führungsqualitäten oder das Vermögen, funktionierende Teams zu bilden und zu leiten.

Kommunikationsfähigkeit: ist unerlässlich für die emotionale Intelligenz. Gemeint sind damit zwei Dinge: einerseits die Fähigkeit, sich klar und verständlich auszudrücken und somit sein Anliegen deutlich und transparent zu übermitteln; andererseits ist damit die Fähigkeit gemeint, anderen Menschen aktiv und aufmerksam zuhören zu können, und das, was sie sagen, zu verstehen und einzuordnen.

Wege aus der Stressfalle

Körper, Geist und Seele bilden eine Einheit. Wenn Sie sich schlecht fühlen, hilft körperliche Betätigung am besten. Bei körperlicher Krankheit haben Sie die besten Heilungsaussichten, wenn Sie etwas für Ihre Seele tun. Körper, Geist und Seele zeigen Ihnen sehr deutlich, wann es an der Zeit ist, eine Auszeit zu nehmen und sich zu entspannen. Sie sollten solche Signale ernst nehmen und darauf reagieren. Beginnen Sie mit einem effektiven Stressmanagement, das Stress vermeidet oder Stress abbaut bzw. ausgleicht.

Finden Sie Ihre eigenen "stressabbauenden" Gedanken

So wie es "stressaufbauende" oder "stressverursachende" Gedanken gibt, so muss es auch "stressabbauende" Gedanken geben. Mit Gedanken wie "ich muss/müsste/sollte" setzen wir uns selbst unter Druck und erzeugen Stress. Mit Gedanken wie "auch dieser Stress geht vorbei" oder "ich erinnere mich noch an die totale Entspannung, als der Stress dann vorbei war" bekommen wir wieder eine reale Sichtweise und finden wieder in unsere innere Mitte und Gelassenheit. Auch wenn diese Gedanken vielleicht nur wenige Sekunden auftauchen, so haben sie doch oft eine nicht zu unterschätzende Wirkung. Vielleicht hilft es dabei auch, uns kurz an einen Ort zurückzuziehen, wo uns niemand stört - und wenn es die Toilette ist. Wir schließen die Augen und denken ganz bewusst an schöne Dinge, liebe Menschen oder wohltuende Orte. Das dauert nur ein paar Minuten und in diesen Minuten gewinnen wir wieder neue Kraft und Energie. Probieren Sie es einfach aus!

Ein Artikel von:

Mag. Irene Galler, Ganzheitscoaching

 

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